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Frankfurt: Greiser Drogenschmuggler vor Gericht

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Von: Stefan Behr

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Zoll
Ein Senior versuchte sich als Drogenschmuggler, wurde allerdings vom Zoll erwischt. (Symbolbild) © Markus Scholz/dpa

Das Landgericht in Frankfurt prozessiert gegen einen Ersttäter der ungewöhnlichen Art: Der 82-Jährige aus dem Schwarzwald versuchte sich als Drogenkurier.

Frankfurt – Der Schwarzwald ist zu Recht weltberühmt für seine Kuckucksuhren und seinen Schinken – aber eben auch für seine mythischen Malefizer wie Wolfgang Schäuble oder den Holländer-Michel, von dem der Dichter Wilhelm Hauff sagt, dass „alles Böse im Schwarzwald sich von ihm her schreibt“.

Das wäre zumindest eine Erklärung. Ansonsten ist der Fall des 82 Jahre alten Erhard B. völlig rätselhaft. Am Dienstagmorgen (18.01.2022) betritt B., ein kleiner alter Mann aus einem Schwarzwalddörfchen, in Anzug und Handschellen und eskortiert von einem Wachtmeister den Sitzungssaal des Landgerichts. „Sie haben eine neue Frisur?“, begrüßt ihn die Vorsitzende Richterin. „Jaja“, antwortet der schmächtige Senior und freut sich, dass es jemandem auffällt, denn allzu viel zu frisieren gibt es da eigentlich nicht mehr.

Prozess in Frankfurt: Der Herr aus dem Schwarzwald schweigt zunächst

Bis zum 5. August 2021 hat Erhard B. wohl ein gottgefälliges Leben geführt. Zumindest hat er sich bei nichts Gegenteiligem erwischen lassen, sein Zentralregister ist jedenfalls blütenweiß. Doch an jenem verhängnisvollen Tag flog B. von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba nach Frankfurt am Main, und er wäre dann mit dem ICE nach Amsterdam gefahren, hätte der Zoll nicht die 6,2 Kilogramm Heroin entdeckt, die kunstvoll in den Seitenwänden seines schwarzen Pilotenkoffers eingewirkt waren – und die Frankfurt vom Zwischenstopp zur vorläufigen Endstation machten. Seitdem sitzt er hier in Untersuchungshaft.

Am ersten Verhandlungstag schweigt Erhard B. in aller Höflichkeit zu den Vorwürfen, weshalb dieser nach Verlesung der Anklage auch schon vorbei ist. Am heutigen Termin aber will er reden. Gegenüber den Ermittlern hatte der Schmugglersenior angegeben, ihm sei für seine Dienste ein Darlehen in Höhe von vier Millionen US-Dollar angeboten worden. Das aber klingt fast schon wieder wie aus einem von Hauffs Märchen. Denn Drogenkuriere werden nur sehr selten mit Darlehen entlohnt – und noch viel seltener in Millionenhöhe. (Stefan Behr)

Erst kürzlich mussten sich sieben Angeklagte vor dem Landgericht Frankfurt wegen Drogenhandels verantworten. Sie waren dem FBI auf den Leim gegangen.

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