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Gedränge auf der Buchmesse (Archiv).

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Frankfurter Buchmesse: Gratwanderung zwischen Geschäft, Event und politischem Anspruch

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Die Gefahr ist groß, dass die Buchmesse sich verzettelt, dass ihr inhaltliches Profil verschwimmt.

Die Umbrüche in der Medienlandschaft sind gewaltig. Und die Frankfurter Buchmesse als größte Medienschau der Welt beeilt sich, mit ihnen Schritt zu halten.

Immer mehr Menschen zum Beispiel schlagen nicht mehr den klassischen Weg über einen Verlag ein, um ein Buch oder etwas Geschriebenes zu veröffentlichen. Sie publizieren ihre Texte selbst, sie gestalten einen Internetblog. Prompt bietet die Buchmesse für diese verlagsunabhängigen Autorinnen und Autoren in diesem Jahr erstmals einen eigenen Bereich an: „Frankfurt Authors“ – sogar ein Auftritt auf einer Bühne kann da gebucht werden.

Frankfurter Buchmesse: Buchhandel kann stärker profitieren

Auch die Öffnung des Buchmessensamstags für den Kauf von Medien ist eine Reaktion. Sie antwortet auf die rückläufige Zahl der Buchkäufer in Deutschland. Die Hoffnung ist, Menschen neu an den Erwerb von Büchern heranzuführen, die bisher nicht zum klassischen Käuferkreis gehörten. Gelänge dies, würde über die Messe hinaus sogar der Buchhandel davon profitieren.

An etlichen Fronten erweitert die Buchmesse so ihr Terrain. Längst hat sie die Brücken zur Filmbranche geschlagen. Zum zweiten Mal werden in diesem Jahr die „Film Awards“ verliehen, in den Kategorien beste Literaturverfilmung und beste Kinder- und Jugendbuchadaption.

Frankfurter Buchmesse lockt literaturbegeistertes Publikum

Zugleich versucht die Messe auch, mit den Veranstaltungen ihres Festivals „Bookfest“ in der Stadt Fuß zu fassen und ein literaturbegeistertes Publikum anzulocken. Eine klare Konkurrenz zum Lesefest „Open Books“ der Stadt, die darüber nicht glücklich ist.

Die Gefahr ist groß, dass die Buchmesse sich verzettelt, dass ihr inhaltliches Profil verschwimmt. Denn da ist ja auch die Funktion des Frankfurter Treffens als Plattform für Meinungsfreiheit, gegen Zensur, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Diese Aufgabe wird 2019 wichtiger denn je sein. Die Frankfurter Buchmesse in einer Zeit großer Umbrüche: Sie gerät immer mehr zur Gratwanderung zwischen hartem Geschäft, Event und politischem Anspruch.

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