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Frankfurt: Graswurzel-Projekt für das Bahnhofsviertel

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Von: Oliver Teutsch

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Ein Shop in der Kaiserstraße 67 ist jetzt Anlaufpunkt für die Initiative „Auf ins Viertel“.
Ein Shop in der Kaiserstraße 67 ist jetzt Anlaufpunkt für die Initiative „Auf ins Viertel“. Foto: Peter Jülich © Peter Jülich

Initiative „Auf ins Viertel“, will die Gegend aufwerten und hat dafür eine App und einen Merchandising-Store in der Kaiserstraße an den Start gebracht.

Die Stimmung in der Kaiserstraße 67 ist regelrecht euphorisch. Mit ganz viel Herzblut hat die Nachbarschaft im Bahnhofsviertel eine Initiative ins Leben gerufen, um die Gegend zwischen Gutleutstraße und Mainzer Landstraße von ihrem Schmuddelimage zu befreien. „Auf ins Viertel“ lautet das Motto, an dem sich über 40 Einrichtungen, Bars, Hotels, Gewerbetreibende und Privatpersonen beteiligen. Ganz so viele sind zur Eröffnung nicht in das ehemalige Kartenvorverkaufskiosk von AD Ticket gekommen, aber doch eine gute Handvoll, die sprudelnd erzählen, was man schon alles auf die Beine gestellt habe und wie das jetzt alles kam.

Ausgangspunkt war die abgesagte Bahnhofsviertelnacht, sagt Babak Farahani, der mit seinem Kiosk Yok Yok Eden seit drei Jahren den Wiesenhüttenplatz aufwertet. Eine gewisse Enttäuschung sei nach der Absage da gewesen, aber wohl nicht bei jedem. Denn in Gesprächen mit der Stadt sei klar geworden, dass Aufwand und Ertrag bei der Bahnhofsviertelnacht einfach nicht mehr in Einklang zu bringen waren. Einst als reine Indoor-Veranstaltung konzipiert, war sie im Laufe eines Jahrzehnts zu einem ausufernden Straßenfest mit viel Lärm und noch mehr Müll mutiert. Das Partyvolk war dann wieder weg, einen nachhaltigen positiven Effekt für das Viertel gab es nicht. Farahani hat daher Verständnis für die Absage, aber ein bisschen gewurmt hat es ihn und einige andere im Viertel schon. „Denn die Straßenfeste auf der Berger, der Schweizer und das Museumsuferfest haben ja stattgefunden.“

Also hat eine Handvoll Leute rund um den Gewerbeverein Bahnhofsviertel nach einer Alternative gesucht. Irgend etwas, das Plätze und Straßen nachhaltig belebt und aufwertet. Herausgekommen ist die Initiative „Auf ins Viertel“. Am Donnerstag konnten Interessierte im Bahnhofsviertel zahlreiche Angebote nutzen. Vom verbilligten Cocktail bis zu einer kostenlosen Führung für Frauen durch ein Bordell in der Elbestraße. Angelegt war der Schnuppertag als Schnitzeljagd. An den einzelnen Stationen konnte mittels einer App ein QR-Code gescannt werden. Wer zehn oder mehr Codes gesammelt hatte, konnte sich in der Kaiserstraße 67 eine Devotionalie des Viertels abholen, für 20 Scans gab es ein T-Shirt.

Mehr im Internet

www.bahnhofsviertel.org

Unter den Teilnehmenden ist auch das Hotel Ameron in der Neckarstraße. Am Jürgen-Ponto-Platz gibt es am Donnerstagabend Musik, Cocktails und Gegrilltes. Leider spielt das Wetter nicht mit, es regnet ununterbrochen. Philipp Suchan, vom Hotel Ameron freut sich trotzdem, dass sich etwas tut. „Wir sind ein Luxushotel im Bahnhofsviertel und haben massivst Interesse daran, das Viertel aufzuwerten.“

An die ganz große Glocke wurde der Aktionstag nicht gehängt. „Wir wollten uns das erst mal anschauen“, so Farahani. Schließlich soll der Aktionstag nicht wieder in eine wüste Party ausarten. Die Initiative verstehe sich eher als Graswurzel-Projekt für das Viertel. Eine Nachbesprechung in den kommenden Tagen soll Aufschluss darüber geben, wie es mit der Initiative weitergeht und in welchen Abständen der Aktionstag womöglich wiederholt wird.

Zu der euphorischen Auftaktveranstaltung war auch Thomas Feda, Chef der Tourismus- und Congress GmbH, erschienen. „Ich finde den Ansatz gut, wir brauchen hier kein Big Bang.“ Auch Klaus-Dieter Strittmatter, der bereits das T-Shirt als neues Markenzeichen des Viertels trägt, ist zuversichtlich. „Das ist ein positives Signal, das wird sich rumsprechen“, glaubt der Vorsitzende des Präventionsrats. Die Euphorie, die von der Initiative verbreitet wird, kann dem Viertel nur gut tun.

Ein Shirt mit Straßennamen des Bahnhofsviertels soll das neue Markenzeichen des Viertels werden und kann in der Kaiserstraße 67 gekauft werden. Foto: Peter Jülich
Ein Shirt mit Straßennamen des Bahnhofsviertels soll das neue Markenzeichen des Viertels werden und kann in der Kaiserstraße 67 gekauft werden. Foto: Peter Jülich © Peter Jülich

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