Die ersten 14 Meter des Goetheturms sind schon fertig.
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Die ersten 14 Meter des Goetheturms sind schon fertig.

Wahrzeichen

Frankfurt: Termin steht fest - Goetheturm wird noch im Sommer schon stehen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Der Wiederaufbau des 2017 abgebrannten Turms im Stadtwald hat offiziell begonnen. Die Wiedereröffnung ist für den Herbst geplant.

Ein Stück Goetheturm steht schon, 14 Meter, um genau zu sein. Große Balken aus hellem Holz stützen am Mittwoch bereits die Treppen. Bauleiter Tobias Döbele von der beauftragten Firma Amann ist etwas überrascht über die Verbundenheit der Frankfurter mit dem Bauwerk. Im Schwarzwald, wo er herkomme, gebe es auch Aussichtstürme, aber solche Emotionen kämen da nicht hoch. Seit Montag, als die ersten Teile geliefert wurden, schauten immer wieder viele Menschen vorbei. Und auch am Mittwoch, beim Pressetermin zum Baubeginn, ist viel los.

Goetheturm in Frankfurt: Persönliche Erinnerungen rund um das Wahrzeichen

Aber irgendwie können die meisten ja auch eine Geschichte zum Wahrzeichen im Stadtwald erzählen und verbinden viele persönliche Erinnerungen mit ihm. Als der Turm 2017 abbrannte, habe sie nur geflennt, berichtet Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) läuft es noch kalt den Rücken hinunter, wenn er an den Tag zurückdenkt. War der Turm doch schon seit Kindertagen – wie für so viele Frankfurter – ein oft besuchtes Ausflugsziel.

Zahlen und Fakten

Der Goetheturm wird für rund 2,4 Millionen Euro rekonstruiert, davon übernimmt rund 2,13 Millionen die Versicherung, 100 000 die Stadt. Das Baumaterial besteht aus 120 Kubikmetern (circa 72 Tonnen) Holz aus Edelkastanie (48 Rundstützen, Streben, Riegel), 30 Kubikmeter (rund 24 Tonnen) Eiche (Stufen, Podestbelag, Geländer) sowie 35 Tonnen Stahl (Treppenunterkonstruktion, Verbindungsteile). Der Turm wird im Auftrag des Grünflächenamtes errichtet, die Projektleitung liegt beim Amt für Bau und Immobilien. Bis 1999, als er vom Jahrtausendturm in Magdeburg abgelöst wurde, war der Goetheturm der höchste öffentlich zugängliche Holzbau Deutschlands. jkö

Im Oktober nun sollen die Menschen das Wahrzeichen wieder besteigen können. Und es wird im Grunde so aussehen wie das alte. Dafür, den Turm wieder originalgetreu aufzubauen, hatten sich rund 80 Prozent bei einer Umfrage ausgesprochen. Futuristische Ideen wollten die wenigsten. Auch die Höhe von 43 Meter wird die gleiche seien. Die charakteristischen Rundstützen sowie die horizontalen wie diagonalen Verstrebungen entsprechen geometrisch der ursprünglichen Konstruktion. Und wer ganz nach oben will, muss wieder 200 Stufen erklimmen.

Frankfurt: Goetheturm wird errichtet aus Edelkastanien

Dieses Mal kommt das Holz nicht aus dem Stadtwald, sondern stammt von Edelkastanien aus Südfrankreich und Nordspanien sowie von Eichen aus dem Schwarzwald. Damit nichts fault, sind die Verbindungselemente aus Stahl, erklärt Baudezernent Jan Schneider (CDU). Zudem sei es bei der neuen Konstruktion viel einfacher, beschädigte Teile auszutauschen.

Ein großer Unterschied zum 1931 erbauten früheren Goetheturm ist auch seine helle Farbe. Der alte sei mit Teeröl behandelt gewesen, nicht nur ein schädliches Material, sondern auch hoch brennbar, berichtet Schneider. Ein Grund, warum er vor drei Jahren so schnell brannte. Das unbehandelte Holz werde aber auch verwittern und dunkelgrau werden.

Goetheturm in Frankfurt wird von 250-Tonnen-Kran errichtet

Interessant ist auch, dass die einzelnen Segmente neben dem Goetheturm montiert werden. Ein 250-Tonnen-Kran werde die drei Puzzlestücke dann aufeinandersetzen, so Schneider. Um Bauzeit auf der Baustelle zu sparen, werde man so viel wie möglich im Werk vormontieren, sagt Döbele. Dort wurde das Holz in den vergangenen Wochen vorbereitet. Schon im Juli solle der Turm stehen und die Kanzel aufgesetzt werden – alles muss dann nur noch verschraubt werden.

Der Goetheturm wird anschließend mit einem dünnen, transparenten Netz verkleidet und so gesichert, dass ein Betreten außerhalb der Öffnungszeiten nicht möglich sein soll. Auch ein Zaun ist vorgesehen. Dann werden die Außenflächen, die durch den Brand sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden, komplett neu angelegt. Unter anderem werden neun Bäume gepflanzt.

Die Kosten belaufen sich auf rund 2,4 Millionen Euro, den Großteil zahlt die Versicherung. Fast 200 000 Euro kamen durch Spenden zusammen. Das Dach im Wert von bis zu 30 000 Euro wird etwa von einer Frankfurter Dachdeckerei übernommen.

Übrigens ist der Goetheturm auch für Neu-Isenburger ein beliebtes Ziel. Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) freut sich auf die Wiedereröffnung, seine Stadt spendet die neuen Bäume.

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