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Das Warten und der Aufstieg haben sich gelohnt. Am Wochenende bot sich ein guter Blick vom Goetheturm.
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Das Warten und der Aufstieg haben sich gelohnt. Am Wochenende bot sich ein guter Blick vom Goetheturm.

Frankfurt

Frankfurt: Goetheturm offiziell wieder eröffnet

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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43 Meter hoher Aussichtsturm bietet wieder Ausblicke über die Stadt. Würdigung für Stifter Gustav Gerst.

Seit Samstag haben die Frankfurterinnen und Frankfurter ihren Goetheturm auch offiziell wieder. Neben der Wiedereröffnungsfeier, die das gesamte Wochenende andauerte, wurde auch der Kaufmann Gustav Gerst geehrt, der das Wahrzeichen vor 90 Jahren gestiftet hat.

Nachdem der Turm im Oktober 2017 vollständig abgebrannt und im vergangenen Sommer wieder aufgebaut worden war, verzögerte sich die offizielle Wiedereröffnung um ein weiteres Jahr. Aufgrund der Corona-Pandemie durften Besucher und Besucherinnen in den letzten Monaten nur in begrenzter Zahl hinein.

So ist es auch am Samstag und die Schlange vor dem Turm bleibt lang. Während dahinter unter Lärchen und Douglasien bei Blasmusik, Bier und Bratwurst die „Wiedergeburt“ gefeiert wird, wie es einer der Musizierenden vor einem neuen Stück ausdrückt, warten davor Menschen geduldig darauf, den 43 Meter hohen Aussichtsturm besteigen zu können.

Anita und Deyan Stoychev wollen zum ersten Mal hinauf. Der 29-Jährige hält zum Schutz vor der grellen Nachmittagssonne eine Hand über die Augen und blickt hinauf. So groß hätten sie sich den Aussichtspunkt nicht vorgestellt, sagen beide Eschersheimer. Fast eine halbe Stunde müssen sie warten, bis sie die 197 Stufen erklimmen dürfen.

Mitglieder des Sachsenhäuser Vereinsrings, der das Fest zur Wiedereröffnung veranstaltet, achten darauf, dass nicht mehr als „acht Kleinstgruppen (maximal drei Erwachsene plus Kinder)“, wie auf einem Schild steht, gleichzeitig in dem Turm sind. „Aktuell keine Maskenpflicht“ ist außerdem auf dem Schild am Eingang zu lesen.

Der jüdische Kaufmann Gustav Gerst wird an diesem Wiedereröffnungstag besonders gewürdigt. Vor neunzig Jahren hatte er den Goetheturm finanziert. In diesem Jahr wäre Gerst, der mit seiner Frau Ella vor dem Naziregime zunächst nach Schweden und später in die USA flüchtete, 150 Jahre alt geworden.

Die Replik einer Hinweistafel, die an den Mäzen erinnert, ist seit Sonntag wieder am Turm befestigt. Das Original, das der damalige Oberbürgermeister Walter Kolb (SPD) 1949, kurze Zeit nach Gersts Tod in den USA, am Turm anbringen ließ, wurde beim Brand vor fast vier Jahren zerstört.

„Der Goetheturm ist mehr als eine Aussichtsplattform, nämlich Tradition und Mahnmal zugleich“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Er fügt hinzu: „Das Schicksal von Gustav Gerst zeigt, wozu Rassenwahn führt.“ Es sei „wichtig gewesen, dass der Turm wieder so schnell aufgebaut wird“. Für viele sei er „ein Stück Kindheit“.

Ulrike Betz, die bei Apfelwein und Bier mit Bettina und Reiner Wawerda zusammensitzt, ist der Meinung, „es geht nicht ohne“ und „das Ding gehört hierher“. Die 67-jährige Oberräderin erinnert sich, dass eine Bekannte sie nach der Brandnacht angerufen habe und sie sofort mit Entsetzen gedacht habe, „das kann nur der Goetheturm sein“.

Ihre Sachsenhäuser Freundin Bettina Wawerda erzählt: „Ich war unendlich traurig“. Nun sei sie „glücklich, dass das Wahrzeichen wieder steht“, ergänzt die 57-Jährige, die mit ihrem Mann bereits am Vortag hinaufgestiegen ist.

Der lobt den zügigen Wiederaufbau. „Fast original, eins zu eins“ sei das Bauwerk wieder errichtet worden, so der 64-Jährige. Er freut sich über die neuen Stufen, die „nicht mehr so ausgetreten und in unterschiedlichen Abständen“ angeordnet seien. Der Blick von oben sei auch anders, denn die Silhouette der Stadt habe sich in den letzten Jahren verändert. „Ein paar neue Hochhäuser“ seien dazu gekommen.

Vom Ausblick schwärmt auch Ursula Wöhrmann. „Ich war gerade oben“, berichtet die 86-Jährige, sie habe mal gucken wollen, ob sie es noch schaffe. Von der gesamten Skyline über den Monte Scherbelino bis hin zum Flughafen und in den Taunus habe die „hervorragende Aussicht“ gereicht. „Es war ein bisschen anstrengend, aber es lohnt sich“, sagt die Bockenheimerin.

Bei freiem Eintritt wie eh und je und so, wie es Stifter Gustav Gerst einst gewünscht hatte, zieht es an diesem Tag noch viele andere Menschen die größtenteils hölzernen Stufen nach oben zur überdachten Aussichtsplattform.

Weiterer Bericht Seite F4

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