Goethepreis

Frankfurt: Goethepreis geht an Dževad Karahasan

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Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan erhält den alle drei Jahre verliehenen Goethepreis der Stadt Frankfurt. Der 67-Jährige sei ein Vermittler zwischen Ost und West, heißt es zur Begründung.

Der mit 50 000 Euro dotierte Goethepreis der Stadt Frankfurt geht in diesem Jahr an den bosnischen Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Dževad Karahasan. Das umfangreiche Werk des 67-Jährigen habe sich „der Vermittlung zwischen Ost und West, zwischen Islam und Christentum verschrieben“, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Seinen Romanen, Dramen und theoretischen Schriften sei „ein aufklärerischer, vermittelnder Impetus“ gemeinsam.

„In Zeiten eines wachsenden Nationalismus auch in Europa“ stehe Karahasan „für das dauerhafte Überwinden von Grenzen, seien sie politisch oder kulturell“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der auch Vorsitzender des Goethepreis-Kuratoriums ist. Die Stadt bekenne sich mit der Ehrung zu Toleranz und Verständigung. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte, Karahasan sei ein „großer europäischer Schriftsteller“. Der Preisträger wisse „um die Fragilität des Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen und Kulturen“ und sei „als literarischer Brückenbauer für das geistige Klima Europas unverzichtbar“.

Dževad Karahasan wurde 1953 im damaligen Duvno in Jugoslawien geboren, lehrt als Dozent an verschiedenen europäischen Universitäten und lebt in Sarajevo und Graz. Zu seinen wichtigsten Romanen gehören „Sara und Serafina“, „Das Buch der Gärten“ oder „Der Trost des Nachthimmels“. Karahasan wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, etwa 2004 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 2012 mit der Goethe-Medaille.

Ob der Preis in gewohnter Weise überreicht werden kann, ist wegen der Coronavirus-Pandemie ungewiss. Dazu liefen derzeit Gespräche, sagte Jana Kremin, Sprecherin von Kulturdezernentin Hartwig, der Frankfurter Rundschau. Der Goethepreis wird seit 1927 am 26. August verliehen, dem Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe. Seit 1952 wird er nur noch alle drei Jahre vergeben. Bisherige Preisträger waren etwa Amos Oz, Hermann Hesse und Sigmund Freud.

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