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Stalking Stalker
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Vor dem Amtsgericht Frankfurt muss sich ein Mann wegen Stalking verantworten. (Symbolbild)

Belästigt und bedrängt

„Meschugge geworden“ - Doktorand stalked Dozentin an der Uni Frankfurt

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Ein Soziolgie-Doktorand steht wegen massiver Belästigung einer Dozentin in Frankfurt vor Gericht. Er will von Stalking aber nichts wissen.

Frankfurt - Marcel L. hat an der Goethe-Uni in Frankfurt ein Studium der Soziologie mit Schwerpunkt Sozialpsychologie abgeschlossen und ist darüber meschugge geworden. Da ist er weiß Gott nicht der erste und niemand macht ihm deshalb einen Vorwurf. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn vielmehr wegen Stalkings an.

Von Februar 2017 bis Dezember 2018 soll er eine Soziologie-Dozentin massiv und beharrlich belästigt haben. Sowohl schriftlich als auch durch Präsenz. Was unter anderem dazu geführt haben soll, dass die entnervte Professorin, wenn sie sich alleine in ihrem Uni-Büro aufhielt, die Tür von innen verschlossen habe. Auf einer von ihr initiierten Tagung, für die L. Hausverbot hatte, soll er die Teilnehmer:innen gegen deren Willen über seine Erkenntnis informiert haben, dass sich die Dozentin in ihrer Freizeit für „Prostitution“ und „Inzest“ interessiere.

Prozess wegen Stalking in Frankfurt: Angeklagter bringt knapp 100 Seiten Text mit

Marcel L. will etwas zu den Vorwürfen sagen. Und zwar die Wahrheit. Nur sei das mit der Wahrheit so eine Sache, „es gibt die Wahrheit im eigentlichen Sinne und eine Rollenwahrheit“, aber bevor er darauf zurückkomme, wolle er erst einmal Grundsätzliches … Der Richterin am Amtsgericht Frankfurt schwant Übles und sie fragt L., ob die knapp 100 handbeschriebenen Seiten, die er vor sich aufgezettelt hat, so eine Art Redemanuskript seien.

Es sei kein Stalking gewesen, erörtert L. detailreich. Eher so ein akademisches Ehrenhändel, ausgefochten mit dem Florett des Intellekts. Weil er angenommen habe, die Dozentin wolle sich zwischen ihn und die Alma Mater drängen, mit ihren ganzen Haus- und Kontakt- und Denkverboten. Angefangen habe aber die Dozentin. Die habe einstmals seine Bewerbung für eines ihrer Seminare abgelehnt, „die war angeblich zu lang“, habe aber nicht gestimmt.

Angeklagter enthüllt „narzisstische Seite“ bei Prozess wegen Stalking in Frankfurt

Und er habe die Dozentin nie eine Dirne geheißen. Seine Hinweise an die nicht abgelehnten Teilnehmer:innen seien lediglich allgemeingültige „Reflexionen über Prostitution“ gewesen. Wenn irgendetwas an seinem Verhältnis zu der Dozentin prickelnd gewesen sei, dann „die Angst“, die er vor ihr empfunden habe. „Denn ein amerikanischer Wissenschaftler hat herausgefunden, dass gehängte Männer oft Erektionen“ gehabt hätten. Und überhaupt müsse man doch mal fragen dürfen: „Was ist Verleumdung eigentlich?“ Ach ja, ehe er es vergesse, „ich habe so eine narzisstische Seite, an Eitelkeit fehlt es mir manchmal nicht“.

An sein Studium der Soziologie will der 37 Jahre alte L., sobald er seinen Doktor gemacht hat, noch eines der Philosophie dranhängen. Drauf hat er es ja: „Ich bin ein höflicher Mensch. Ich trete keine Tür ein, ohne dass mich jemand hereinbittet.“ Der Prozess wird fortgesetzt. (Stefan Behr)

Was können Opfer von Stalking tun? Therapeut Ortiz-Müller berichtet über seine Arbeit mit Tätern und Opfern von Stalking.

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