In Frankfurt herrscht Sommerhitze. Das treibt viele Menschen ins Freie - trotz Corona.
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In Frankfurt herrscht Sommerhitze. Das treibt viele Menschen ins Freie - trotz Corona.

Reportage aus der Stadt

Keine Angst vor Corona: Die Hitze in Frankfurt treibt Menschen ins Freie

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Lang bestand die Hoffnung, die Hitzewelle würde Frankfurt verschonen. Daraus wurde allerdings nichts.

  • Die aktuelle Sommerhitze hat Frankfurt im Griff.
  • Das Wetter treibt die Menschen ins Freie, zum grillen, feiern und demonstrieren.
  • Mit der Maskenpflicht ist es bei vielen nicht weit her.

Frankfurt - Fast schon eine uralte Weisheit besagt, dass ein Picknick immer verregnet ist. Aber auch wenn ein furchtbarer Sommertag meteorakelt worden war, tun die Grillprofis, die sich an diesem Samstag zu den beliebten Großfamilienraststätten Lohrberg und Ostpark aufgemacht haben, ihr Bestes, um den Wettergott gnädig zu stimmen: Prasselnde Grillfeuer werden mit Spirituszugaben noch prasseliger gemacht, der Rauch mannigfaltiger Opfergaben steigt aromatisch gen Himmel, und tatsächlich, es nutzt was: Den ganzen Nachmittag über täuscht das Wetter vor, gleich abzuregnen, tut es dann aber doch nicht. Kontinuierlich ist kurz vor Wolkenbruch, aber die Griller ziehen unbeeindruckt ihr Ding durch.

Die übliche Sonnenanbeter-Armada meidet bei dem diffusen Wetter ausnahmsweise Mainufer und Anlagenring. Schwül ist es dennoch, und in der Hitze der Stadt schmoren die ersten Hirne durch. „Also für mich sind Kommunismus und Nationalsozialismus das selbe“, sagt ein junger Mann, der ein bisschen so aussieht, als leite er ein Motel und leide an einem Mutter-Komplex, ausgerechnet am Stand der „Omas gegen Rechts“, die vor dem Hugendubel gegen Rassismus demonstrieren. Da ist er bei den Omas aber an die Unrechten geraten: In klarer Überzahl erklären sie dem Orientierungslosen stimmgewaltig die Unterschiede, und der junge Mann scheint ganz glücklich, dass jemand mit ihm redet.

Sommer in Frankfurt: Von Gauklern und Demonstranten

Auch auf dem Römerberg wird gegen Rassismus demonstriert, und ein Redner weist das gute Dutzend an Zuhörern darauf hin, dass immer wieder Menschen schikaniert würden, „weil sie am Ende des Tages ihre Haut nicht ausziehen können“. Einer, der das konnte, war der Heilige Bartholomäus, dessen Schädeldecke als zaubermächtigste Reliquie nördlich der Alpen den Frankfurter Dom ziert, aber bei dem Heiligen findet man heute auch keine Abkühlung: Der Dom ist wegen Heirat dem Publikum versperrt. Macht nichts. Bestimmt regnet es sowieso gleich.

Vorher aber zeigt noch ein Gaukler auf dem Römerberg seine akrobatischen Künste. Auf einem Dosenberg balancierend, hält er ein Schild mit der Aufschrift „I love Frankfurt“ in die Höhe, aber Applaus und Spendenaufkommen bleiben verhalten, weil das Publikum offensichtlich aus dem Umland kommt. Der Gaukler kann das nicht wissen, er hat Münchener Migrationshintergrund und keinen Blick für Wetterauer Couture, aber er quittiert die Knauserigkeit der vermeintlichen Frankfurter mit der wohl schönsten und subtilsten Beleidigung der Handkäsmetropole, die man seit langem gehört hat: „Ich sage immer: Frankfurt allerbeste Stadt! Fragt mich nicht, warum.“

Die Lokale in Frankfurt sind voll mit Maskenmuffeln

Das fragt man sich am Ende des Tages ohnehin selbst. Es ist zum aus der Haut fahren. Denn tatsächlich fällt kaum ein Tropfen Regen. Stattdessen verziehen sich die Wolken, und der Abend hält, was für den Tag versprochen worden war. Die Sonne lockt freilich auch das lediglich in Lauerstellung verharrte Party- und Eventpublikum aus der Bude. Je später der Abend, desto voller die Kneipen – in einigen Lokalen der City herrscht ein dermaßen dichtes Gedränge an Maskenmuffeln, dass man sich selbst am Plattensee dafür schämen würde. Die Polizei ist machtlos, denn sie muss am Opernplatz Klebeband verlegen – einem der wenigen Orte, an denen man dem Sommerirrsinn entfliehen könnte.

Gegen 6 Uhr morgens haben dann wohl die letzten Griller ausgegrillt und der Wettergott ein Einsehen. Es blitzt und donnert und gießt wie aus Wasserwerfern. Aber da ist es natürlich schon viel zu spät. (Stefan Behr)

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