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Wenn der Boden friert, reicht auch ein bisschen Schnee um den Hang am Buchwald Richtung Ostpark hinabsausen zu können. Foto: Christoph Boeckheler
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Wenn der Boden friert, reicht auch ein bisschen Schnee um den Hang am Buchwald Richtung Ostpark hinabsausen zu können.

Winter in Frankfurt

Frankfurt: Gezuckerte Hänge, gefrorene Wege

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Der Wintereinbruch trifft Südhessen nicht so hart wie den Norden des Landes. Das Frankfurter Grünflächenamt und der Winterdienst der FES raten dennoch zur Vorsicht in den Parks und auf den Straßen

Es ist nicht das schönste Geräusch auf der Welt, aber ein echter Winterklang. Und an einem Montagmorgen auch nicht schlimmer als ein Wecker. Dessen Klingeln hat Dörte Netzer gar nicht mehr mitbekommen, das Röhren der Schneefräse des Nachbarn hatte die Oberurselerin zuvor schon aus dem Schlaf gerissen. Aber alles Wehklagen hilft nicht: Der Gehweg vorm Haus muss gesäubert werden, zwischen 7 und 20 Uhr besteht ja Räumpflicht.

Der Weg zur Arbeit ist dafür unspektakulär. Trotz der Wetterlage. Zumindest für Pendlerinnen und Pendler aus Frankfurt und Umgebung. Das sagt auch Arne Löffel. Er fährt täglich von Rüsselsheim zu einem Verlag in Frankfurt. Am Sonntagabend ist er deswegen ein bisschen besorgt, der Wetterbericht prophezeit Unheil. Aber dann: „Die Straße war nicht glatt, die Schneedecke war eher eine Tischdecke.“

Auch der Winterdienst der Frankfurter FES hat keine größeren Vorfälle aus dem Straßenverkehr zu berichten. Vielleicht, weil er bereits am Freitag eindringlich vor der für Frankfurt doch recht interessanten Wetterlage gewarnt hat. „Sensibilisieren ist wichtig“, sagt FES-Sprecher Stefan Röttele. Es sind aber auch weniger Autos unterwegs als in anderen Wintern, viele Menschen sind im Homeoffice.

Sicher ebenfalls hilfreich: Das große Streufahrzeug der FES ist seit 4 Uhr morgens im Einsatz. Es wird auf den wichtigsten Routen auch noch eine zweite Runde, vielleicht sogar eine dritte drehen. Ein bis zwei Zentimeter Schnee kommen am Nachmittag noch vom Himmel herab, schätzt die FES-Leitstelle. Außerdem bleibt es kalt. Dann kann die Nässe auf den Straßen schnell überfrieren.

Die FES räumt auch Fuß- und Radwege, Ampelkreuzungen, die Zugänge zum öffentlichen Nahverkehr. „Wir stellen uns darauf ein, dass es winterlich bleibt“, sagt Röttele, wenn auch mit etwas weniger Niederschlag. Den Verkehrsteilnehmern in Frankfurt rät Röttele weiterhin zur umsichtigen Fahrweise. Sie sollen längere Bremswege einplanen, vorsichtiger unterwegs sein.

Nicht alle nehmen sich das zu Herzen. Zur Mittagszeit sind die Autos am Ratsweg so schwungvoll unterwegs wie eh und eh. Wie die zwei Mädchen, die jauchzend mit dem Holzschlitten den Abhang vom Buchwald zur Ostparkstraße hinunter sausen. Der Schnee reiche aus, versichert die eine lachend und eilt wieder zur Startposition hinauf. Tatsächlich erreichen sie beachtliches Tempo. Dabei sieht der Hang eher gezuckert aus als dicht bedeckt.

Auch der angrenzende Ostpark präsentiert sich als grünweißes Feld. Die Spaziergängerinnen und Luftschnapper tippeln dort recht vorsichtig, geradezu vorbildlich. Der Boden ist gefroren, die Wege noch mehr, weshalb manche lieber neben der Spur laufen. „Wir sind in Frankfurt relativ glimpflich davongekommen“, sagt Bernd Roser vom Grünflächenamt über den Wintereinbruch. Verglichen mit Nord- oder Mittelhessen.

Die Frankfurterinnen und Frankfurter sollten aber dennoch vorsichtig sein, empfiehlt er mit Blick auf die städtischen Parks. Winterdienst leistet die Stadt nur, wo ein offizieller Schulweg durch die Grünanlage führt.

Auch die Gewässer sind im Winter tückisch. Die Weiher setzen Eis an, sind aber noch lange nicht durchgefroren. „Da muss man sehen, wie lange es kalt bleibt“, sagt Roser. Freigegeben sind die Eisflächen ohnehin nicht, niemand darf sie betreten. Das Grünflächenamt müsste ansonsten genau die Eisdicke prüfen und die Tragfähigkeit dauerhaft überwachen. Dazu fehlt es an Personal. „Wer Schlittschuh laufen möchte, sollte die Eissporthalle besuchen“, sagt Roser.

Tatsächlich ist der Ostparkweiher am Montag noch eisfrei. Enten tummeln sich dort. Die Nilgänse lagern auf der Wiese. Außer den beiden Rodlerinnen sind keine Wintersportler zu entdecken. Joggerinnen und Jogger ziehen ihre Kreise. Gut eingepackt gegen die Kälte. Christopher Rasch trägt nur kurze Turnhose und T-Shirt. Er schwitzt beim Seilspringen. Der 30-Jährige trainiert Crossfit, ein Sport, der Turnen, Gewichtheben und Eigengewichtsübungen mit Leichtathletik kombiniert. „Da gibt es immer was zu tun“, sagt er. Zumal er ansonsten wenig Bewegung hat, beim Studium vor dem heimischen Computer. „Ich kann nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen.“ Wettkämpfe seien wegen Corona nicht in Sicht, Rasche möchte dennoch fit bleiben. Wobei ihm das Training im Sonnenschein etwas mehr Spaß mache.

Anka Holz dagegen bevorzugt den Winter. Zumindest seit es die Pandemie gibt, ist es „im Sommer sehr voll“ im Ostpark. Zumal sie mit ihrer Scottish-Terrier-Dame Polly gerne auf die Hundewiese am Carl-Heicke-Weg geht. Damit Polly ein bisschen rennen kann. Im Park muss sie an die Leine. Auch auf der Hundewiese ist es wegen Corona gedrängter als früher, hat Holz beobachtet. Seit 30 Jahren sei sie mit Hund unterwegs. So viele Neuankömmlinge wie in der Corona-Zeit hat sie bei den Vierbeinern noch nie gesehen.

Gerade für die neuen wünscht sich Holz eine Einzäunung oder eine Hecke. Denn die seien noch nicht so gut trainiert. Und liefen womöglich auf die Straße. Die Stadt wolle aber keine Begrenzung wegen des Denkmalschutzes. Holz schüttelt den Kopf. Die Natursteinmauer am Röderbergweg ist über und über mit Graffiti beschmiert, da poche auch niemand auf den Denkmalschutz, sagt sie.

Mehr öffentliche Toiletten wären ebenfalls eine Bereicherung für die Stadt, sagt Holz. Gerade der „wunderschöne Ostpark“ werde doch recht häufig für die menschliche Notdurft missbraucht. Der Verdacht falle dann immer auf die Hunde, ärgert sich Holz. Dabei hätten alle Herrchen und Frauchen stets Tüten dabei, um die Hinterlassenschaften einzusammeln. Tütenspender gebe es ebenfalls zur Genüge. Holz ist selbst Patin von zweien.

Die Hinterlassenschaften im Gebüsch seien anderen anzurechnen. Den Taxifahrerinnen und -fahrern etwa, den Lkw-Lenkern, den Wanderarbeiterinnen und -arbeitern, die sommers im Auto am Park campierten. Auch manche Spielplatzbesucherinnen und -besucher würden keineswegs die öffentliche Toilette an der Obdachlosenunterkunft aufsuchen. Da wäre eine zusätzlich öffentliche Toilette höchst willkommen, sagt Holz.

Der Winterdienst der FES streut am Röderbergweg.
Ganz egal wie das wetter auch wird, Joggerinnen und Jogger sind immer unterwegs in Frankfurt. Zu jedweder Uhrzeit.

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