Aktionstag gegen Gewalt an Frauen. Foto: Christoph Boeckheler
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Aktionstag gegen Gewalt an Frauen. 

Frauen

Frankfurt: Gewalt am Pranger

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Rund 200 Demonstrierende folgen dem Aufruf der „Fridays For Future“ und dem Frauenstreik-Bündnis und protestieren gegen Verbrechen an Frauen.

Küche, Ehe, Vaterland, unsere Antwort Widerstand“, steht auf einem Banner mit lila Hintergrund – der Farbe des Feminismus. Rund 200 Teilnehmende sind dem gemeinsamen Aufruf der „Fridays for Future“, des „Frauen*streik-Bündnisses“ und weiterer feministischer Initiativen am Freitagnachmittag gefolgt, um gegen die vielfältigen Formen von Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren.

Warum Frauen auch ein wichtiger Teil der Klimabewegung sind, fasste Angelina, eine Sprecherin der „Fridays for Future“, kurz vor Beginn der Demo zusammen: „Frauen sind zuerst und stärker von den Folgen der Klimakatastrophe betroffen, vor allem im globalen Süden. Ihre Stimmen bleiben oft ungehört.“

Der Protestzug führte vom Zoo über die Konstablerwache bis zum 1. Polizeirevier. Die vielen, überwiegend jungen Frauen, die an diesem Freitag gekommen sind, haben Forderungen. Sie sind gekommen, weil ihr Kampf alltäglich sei. „Wir stehen heute auf, denn Gewalt gegen eine von uns ist Gewalt gegen uns alle“, sagt Helena vom Frauen*streik-Bündnis. Gewalt habe viele Gesichter und finde an vielen Orten statt. „Sie fängt mit einer blöden Anmache auf der Straße oder auf der Arbeit an, ist aber auch im Privaten ständig zu spüren und endet letztlich im Feminizid“, sagt sie.

Kritik an Polizei

Am Rand der Demonstration wird spürbar, warum sie diesen Kampf kämpfen. Einige Männer blicken kritisch zu den Demonstrierenden, ein Mann nuschelt und sagt, das sei „übertrieben“. Währenddessen rufen die Demonstrierenden: „Gegen Macker und Sexisten, fight the power, fight the system.“

Die Kritik der Feminist*innen richtet sich auch an die Gerichte und Polizei. Denn diese stünden für Orte der Unterdrückung, sagte Helena. „Gewalt trägt viele Namen. Sie hat den Namen des Richters, der uns im Namen des Gesetzes verurteilt anstatt unsere Täter.“ Sie trage auch die Namen der Polizistinnen und Polizisten, die sie nach einer Vergewaltigung fragen würden, was sie angehabt hätten. „Aus diesem Grund sind wir hier, vor dem ersten Oberlandesgericht und dem ersten Polizeirevier. Wir wollen zusammen diese Orte benennen, zeigen, markieren. Wir wollen zu diesen Orten der Unterdrückung unseren Widerstand bringen“, sagt Helena.

Die Proteste gehen an diesem Wochenende weiter. Am 8. März zum Internationalen Frauentag ruft das Frauen*streik-Bündnis zu weiteren Aktionen auf. Es will dabei nach eigenen Angaben die doppelte Ausbeutung durch Lohn- und Sorgearbeit in den Fokus rücken. „Wir rufen alle Frauen und Queers auf: Lasst die Arbeit liegen und kommt zu den Streikcafés und zur Streikversammlung.“ Los geht’s ab 10 Uhr gleichzeitig im DGB Jugendclub, im Café KOZ, im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld und im Internationalen Zentrum. Von den Streikcafés aus geht es dann zur Streikversammlung an den Römerberg um 13 Uhr.

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