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Asta-Büro, Veranstaltungsräume und Café in einem Gebäude.

Frankfurts Studierendenhaus

Das Studierendenhaus - ein Ort der Revolte in Frankfurt

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Zur Geschichte des Studierendenhauses, das auf die US-Amerikaner zurückging.

Im Jahre 1953 war Frankfurt am Main die amerikanischste Stadt Deutschlands. Geprägt von der Präsenz mehrerer Zehntausend US-Soldaten und ihrer Familien. Im ehemaligen IG-Farben-Gebäude im Westend residierte damals das Hauptquartier der US-Armee in Deutschland.

Frankfurt am Main war mit seinem großen Militärflughafen der wichtigste US-Stützpunkt in Europa. Von den Amerikanern in der Stadt gingen viele Impulse auch für die deutsche Gesellschaft aus. Da war zum Beispiel die Musik, die über den Atlantik kam und auch die junge Generation der Nachkriegsdeutschen elektrisierte: Rock und Jazz.

Zu hören zunächst in den US-Soldatenclubs in der Stadt. 1952 wurde dann der Jazzkeller, Kleine Bockenheimer Straße 18 a, gegründet, in dem auch viele US-Musiker auftraten. Am 20. Januar 1953 hatte der neue US-Präsident Dwight D. Eisenhower sein Amt angetreten, der als Republikaner dem Demokraten Harry S. Truman nachfolgte. Die US-Regierung entschloss sich, in Deutschland ein Zeichen für den Wiederaufbau einer demokratischen Gesellschaft nach den Gräueln des Nationalsozialismus zu setzen.

Als Ort wurde Frankfurt auserkoren. Die Amerikanische Hochschulkommission hatte Geld für die Errichtung eines Studierendenhauses auf dem Campus der Goethe-Universität in Bockenheim gesammelt. Das Gebäude war als Treffpunkt für das studentische Gemeinschaftsleben gedacht.

Am 21. Februar 1953, also vor 66 Jahren, hielt der damalige Universitätspräsident Max Horkheimer die Rede bei der Eröffnung des neuen Studierendenhauses. Für den prominenten Vertreter der Frankfurter Schule war es ein bewegender Anlass. Horkheimer war als jüdischer Emigrant in die USA geflohen, die Gesellschaft dort hatte ihn aufgenommen. Horkheimer sollte den USA dankbar bleiben. Einige Zeit später, im Jahr der Revolte von 1968, verteidigte der Wissenschaftler öffentlich in einer Rede in Frankfurt sogar noch den US-Krieg in Vietnam, gegen den die Studierenden protestierten.

1953, in seiner Rede bei der Eröffnung des Studierendenhauses, skizzierte er sein Ideal einer „akademischen Jugend“. Sie sollte sich „nicht bloß wissenschaftliche Verfahrensweisen aneignen“. Horkheimer hoffte auf Studierende, die „zugleich den Umgang mit Menschen anderer Nationen und Religionen, die freiwillige Hingabe an soziale, künstlerische, sportliche Tätigkeiten, die Liebe zum Denken und Forschen, zum Diskutieren, zur kreativen Muße, kurz den Geist der realen und tätigen Demokratie“ praktizieren sollten.

Horkheimer setzte darauf, dass das Studierendenhaus zum „Zentrum“ der Universität werden würde. Fünf Jahre später, bei der Revolte von 1968 gegen die verkrusteten Verhältnisse, war das Gebäude mit seinem großen Saal tatsächlich der Ort wichtiger Veranstaltungen; so kam etwa der erste Frankfurter Frauenkongress damals hier zusammen.

Der seinerzeit 20-jährige Joschka Fischer und der 23-jährige Daniel Cohn-Bendit gingen hier ein und aus. Über Jahrzehnte blieb das Haus ein Brennpunkt von Diskussionen und Treffen, von Ausstellungen und Filmvorführungen, die spiegelten, wie sich die Gesellschaft in Frankfurt und in der Republik veränderte. Und ein Ort, an dem sich der künstlerische Aufbruch zeigte.

2008 sprach der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer im Saal des Studierendenhauses zum 40-Jahre-Jubiläum der 68er-Revolte. Und 2018 zog die Ausstellung „Kunst der Revolte – Revolte der Kunst“ eine Bilanz der ästhetischen Umwälzungen 50 Jahre zuvor.

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