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Frankfurt

Frankfurt: Gescheites Schuwerk für Bedürftige

Die Bernd-Reisig-Stiftung verteilt im Diakoniezentrum 100 Paar Schuhe an Bedürftige

Schuhe tragen einen durch den Tag. Wenn jemand keine oder kaputte Schuhe trägt, dann ist das oft ein Zeichen dafür, dass dieser Mensch arm ist. „Gerade Menschen, die auf der Straße leben, sind ständig zu Fuß unterwegs. Dafür braucht man gutes Schuhwerk. Doch das ist teuer“, sagt Jürgen Mühlfeld, Leiter des Weser 5-Diakoniezentrums, Anlaufsstelle für wohnungslose und obdachlose Menschen.

Im Innenhof des Zentrums stehen sie nun auf Bierbänken drapiert: 100 nagelneue und teure Paar Sneaker. Die Initiative „helfen helfen“ der Bernd-Reisig-Stiftung verteilt sie am Donnerstag kostenlos. „Schuhe sind ein großes Thema“, sagt auch Bernd Reisig, Vorsitzender der Stiftung, Eventmanager und Ex- Fußballfunktionär. „Auf der Straße sieht man oft Menschen barfuß oder in zerfetzten Schuhen. Dem wollen wir Abhilfe schaffen.“ Die Stiftung organisiert regelmäßig Aktionen für hilfsbedürftige Menschen im Raum Frankfurt, so auch das seit 2012 stattfindende „Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose“. Die Schuhaktion finde bereits zum dritten Mal statt und solle im Herbst und an Weihnachten wiederholt werden, so Reisig.

An der Pforte warten bereits Menschen und werden nach und nach hereingelassen, um sich in Ruhe Schuhe auszusuchen und sie dann anzuprobieren. Das Team um Reisig, darunter auch Schauspielerin Radost Bokel, unterstützt beim Aussuchen und hält Schuhlöffel bereit. Ein Mann dreht bedächtig die knallbunten Schuhe um, um seine Größe zu finden. Die Sandalen an seinen Füßen sind zerschlissen und um seine geschwollenen Zehen sind Pflaster gewickelt. Er spricht kaum Deutsch und einer der Helfer, der afghanische Fußballspieler Modjieb Jamali, übersetzt, während der Mann olivgrüne Chucks anprobiert. Ein Schicksalsschlag habe den Afghanen, der vor sechs Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kam, aus der Bahn geworfen. Nun lebe er auf der Straße.

Nach Angaben von Jürgen Mühlfeld sind in Frankfurt 3300 Menschen ohne festen Wohnsitz, wobei rund 400 obdachlos seien. Die Dunkelziffer sei vermutlich weitaus höher. Solides und auch modisches Schuhwerk sei ein kleiner Schritt Richtung Normalität, so Mühlfeld: „Man fällt weniger auf, wenn man hochwertige Schuhe trägt.“

Auch eine Frau, deren Rente knapp ist, probiert ein paar Schuhe an, doch ihre Größe ist bereits vergriffen. Sie deutet auf ihre eigenen Schuhe: „Die Sohle ist zu dünn und das Material ist aus Plastik. Ich kann schlecht laufen.“ Sie umklammert ihren Gehstock und bleibt noch einen kurzen Moment sitzen. Nicht alle werden heute fündig, doch viele können sich über ein neues Paar Schuhe freuen.

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