1. Startseite
  2. Frankfurt

Übergriffe auf Ex-Freundin: „Nutte, ich schlage dich tot!“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Behr

Kommentare

Amtsgericht stellt Prozess gegen 24-jährigen Mann ein (Symbolbild)
Amtsgericht stellt Prozess gegen 24-jährigen Mann ein © Christoph Hardt/imago

Das Frankfurter Amtsgericht hat ein Verfahren gegen einen Mann eingestellt, der seine Ex-Freundin bedroht und genötigt haben soll.

Frankfurt - „Ich bin halt wortstark“, bescheinigt sich Kamal S. vor dem Amtsgericht in Frankfurt. Na ja. Der 24-Jährige muss sich dort am Donnerstagmorgen (10.03.2022) wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung, Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz und Diebstahl verantworten. Wortstärke wirft ihm hier niemand vor. Zu Recht.

Das Ende seiner Beziehung („Für mich war sie nicht vorbei!“) im Herbst 2020 hatte S. nicht allzu gut verkraftet. In Chats drohte er seiner Ex-Freundin, er werde sie in Internet-Anzeigen als Prostituierte anbieten. „Es werden notgeile Penner vor deiner Tür lungern“, versprach S., war dann aber auch der einzige, der dieses Versprechen höchstselbst einlöste.

Prozess in Frankfurt: Ex-Freundin borgte Angeklagtem rund 20.000 Euro

„Ficken null Euro - klingeln“ schrieb der Wortstarke mit Farbstift an den Briefkasten der Frau, „Matratze ich bumms alles“ an ihre Wohnungstür. Ein von der Frau erwirktes Annäherungs- und Kontaktverbot des Amtsgerichts ignorierte er. „Du dumme Nutte, ich schlage dich tot!“, schrieb er seiner Ex, was auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt als „provokant und unhöflich“, aber nicht besonders wortstark ansieht. Dass S. der Frau bei einem ungebetenen Besuch auch noch 15 Euro aus der Börse gemopst hatte, fällt kaum ins Gewicht - die Frau hatte ihm zu Beziehungszeiten etwa 20 000 Euro gepumpt, die er in Alkohol und Haschisch investierte. Zurückgezahlt hat er nichts.

Es tue ihm ja leid, beteuert S., ihm seien damals wohl die „Dinge entglitten“. Der Suff, die Drogen, die Liebe. Das alles sei sehr viel für einen 24-Jährigen, der noch bei seinen Eltern wohnt. Und der als „angelernter Innenausstatter“ keinen Job finde, weil er überqualifiziert sei und die Menschen „einem aufstrebenden jungen Marokkaner“ den Erfolg neideten. Es sei allerdings nicht so, dass er gar nichts arbeiten würde. Gegenwärtig etwa rupfe er mit Freunden Unkraut aus der wilden Natur - aus Daffke und für Gottes Lohn.

Amtsgericht Frankfurt verdonnert Angeklagten zu Geldstrafe

Davon kann sich freilich keiner etwas kaufen. Auch nicht das Opfer, das nach eigenen Angaben „Todesangst“ hatte und noch heute in Therapie ist. Für die Frau findet der Angeklagte immerhin starke Worte der Entschuldigung, die alle Herzen berühren: „Es ist halt blöd jetzt.“

Das Frankfurter Amtsgericht stellt den Fall nach Paragraph 153a der Strafprozessordnung ein - unter der Auflage, dass Kamal S. 600 Euro an seine Ex-Freundin zahlt. Man kann das vielleicht verstehen, wenn man - wie Staatsanwalt und Richter - S. zugute hält, dass er jetzt ein Jahr lang von seiner Wortstärke keinen Gebrauch gemacht und das Maul gehalten hat. Man muss es aber nicht. (Stefan Behr)

Weitere Nachrichten aus Frankfurts Gerichtssälen: Seit Kurzem muss sich eine „Querdenkerin“ aus Dreieich verantworten, weil sie einen Polizisten gebissen und beleidigt haben soll. Im Prozess bewies sie ihre gefestigte Weltanschauung.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion