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Frankfurt: Geothermie soll Rebstockbad und Römerhöfe beheizen

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Von: Florian Leclerc

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Im November 2021 wurde auf dem Rebstockgelände bereits in 100 Metern Tiefe nach Erdwärme gebohrt.
Im November 2021 wurde auf dem Rebstockgelände bereits in 100 Metern Tiefe nach Erdwärme gebohrt. Foto: Peter Jülich © Peter Jülich

Frankfurt gilt als Hotspot für oberflächennahe Erdwärme. Nun wird in 800 Meter Tiefe gebohrt. Das Land finanziert das Projekt.

Am heutigen Dienstag steht wieder ein Bohrturm auf dem Rebstockgelände, wie schon vor einem Jahr. Damals ließen die Landesenergieagentur (LEA) und das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) oberflächennah bohren, 100 Meter tief, um nach Erdwärme zu suchen. Mit gutem Ergebnis: Das Rebstockbad, das 2026 fertig sein soll, könne mit Erdwärme beheizt werden, hieß es damals.

Die Auswertung der Daten zeigte auch: Im westlichen Innenstadtgebiet von Frankfurt gibt es eine Anomalie. In 100 Meter Tiefe liegen die Temperaturen bei 18 bis 23 Grad Celsius. Das ist deutlich mehr als die 12 bis 14 Grad in der Umgebung. Frankfurt ist demnach ein Hotspot für oberflächennahe Geothermie.

Erwartet werden Temperaturen von etwa 40 Grad Celsius

Wie sieht es in tieferen Schichten aus? Das wollen die Stadt und das Land nun herausfinden. Das Land finanziert eine Bohrung in 800 Meter Tiefe; das HLNUG liefert die Expertise; das Frankfurter Klimadezernat hat den Auftrag erteilt. Erwartet werden Temperaturen von etwa 40 Grad Celsius. Damit könnten neben dem Rebstockbad auch die geplanten Römerhöfe klimaneutral beheizt werden. Die Untersuchung soll im Mai 2023 abgeschlossen sein.

Das Land setzt große Hoffnungen auf Geothermie, wie Carin Müller, Sprecherin des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir (Grüne), ausführte. „Nach aktuellen Schätzungen könnten insgesamt bis zu 75 Prozent der regenerativen Wärme durch oberflächennahe, mitteltiefe und tiefe Geothermie bereitgestellt werden“, sagte Müller. Aus Sicht der Landesregierung sei Geothermie „ein unverzichtbarer Baustein für die Wärmewende“. Schon jetzt liege der Anteil von Geothermie an der Wärmeerzeugung mit erneuerbaren Energien in Hessen bei zehn Prozent (Stand 2020).

Laut HLNUG gibt es im Land derzeit etwa 9500 Anlagen mit Erdwärmesonden und Wärmepumpen, die oberflächennahe Geothermie nutzen. Dazu zählen in Frankfurt das Henninger-Turm-Areal und das Profi-Camp von Eintracht Frankfurt.

Geothermie

Oberflächennahe Geothermie nutzt Wärme von bis zu 25 Grad Celsius aus einer Tiefe von bis zu 400 Metern. Am häufigsten kommen laut Bundesverband Geothermie Erdwärmesonden zum Einsatz. Sie werden mit U-förmigen Rohren in den Boden eingelassen. Die Rohre sind in der Regel mit Wasser und Frostschutzmittel gefüllt und transportieren Wärme aus dem Erdreich zu einer Wärmepumpe, die als Heizung dient. In Deutschland nutzen gut 440 000 Häuser, Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude oder Gewerbebetrieben diese Technik. (Stand 2020). Jährlich kommen etwa 20 000 Anlagen hinzu.

Mitteltiefe Geothermie dringt in etwa 400 bis etwa 1000 Meter vor, wo circa 40 bis 60 Grad Celsius herrschen, die ebenfalls über Erdwärmesonden erschlossen und genutzt werden.

Tiefengeothermie greift auf Thermalwasser in Tiefen von mehr als 1000 Metern zu. Für die Stromerzeugung im Kraftwerk sind demnach Temperaturen von etwa 120 Grad Celsius nötig. Reservoire mit ausreichender Wassermenge gibt es im Oberrheingraben, im norddeutschen Becken und im Molassebecken des Alpenvorlands, wovon München profitiert.

München hat fünf Tiefengeothermieanlagen, darunter die deutschlandweit größte. Sie kann rund 80 000 Haushalte mit Wärme versorgen. fle

„Es besteht aber durchaus Potenzial für die Erschließung von Tiefengeothermie. Gute Voraussetzungen bietet vor allem der Oberrheingraben“, sagte die Sprecherin.

Die Grundlagen hätten die Technische Universität Darmstadt und das Deutsche Geo-Forschungszentrum Potsdam mit ihrer „3-D-Modellierung der geothermischen Tiefenpotenziale von Hessen“ erforscht. Dabei hätten sie die Potenziale für die geothermische Wärmegewinnung im hessischen Oberrheingraben und in Nordosthessen ermittelt.

Weitere Erkundungsbohrungen

Das Land führt den Angaben zufolge seit 2019 etwa 100 Meter tiefe Erkundungsbohrungen an hessischen Standorten durch. Für 14 Standorte gebe es exakte Planungsdaten. Ergebnisse für 17 weitere Orte sollen Ende des Jahres vorliegen.

Laut Bundesverband Geothermie wandeln in Deutschland 42 Tiefengeothermiekraftwerke Energie aus heißem Wasser in Strom um, davon liegt aber keines in Hessen. Der Grund laut Wirtschaftsministerium: Die Potenziale in Hessen seien nicht so einfach nutzbar wie etwa in den Voralpen. „Das Potenzial ist aber beachtlich und sollte möglichst verfügbar gemacht werden“, so die Sprecherin.

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