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In Frankfurt gibt es Kritik an einer Handreichung für geschlechtergerechte Sprache in der Stadtverwaltung. (Archivbild)

Geschlechtergerechte Sprache

Stadtverwaltung in Frankfurt soll gendern – CDU-Vorsitzender regiert „mit Befremden“

  • vonHelen Schindler
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In Frankfurt setzt sich das Frauen- und Gesundheitsdezernat für geschlechtergerechte Sprache ein. CDU-Vorsitzender Jan Schneider kritisiert Vorgehen.

Frankfurt - Es sei zu sperrig, zu kompliziert oder unleserlich heißt es oft, wenn es um gendergerechte Sprache geht. Die geschlechtergerechte Sprache in Schriftstücken der Stadtverwaltung Frankfurt, wie zum Beispiel Briefen, Bescheiden, Vordrucken oder Broschüren umzusetzen, fällt nicht immer leicht. Deshalb hat das Frauendezernat nun eine Handreichung herausgegeben: „Hilfreiche Tipps und gute Argumente für eine geschlechtergerechte Sprache“.

Frankfurt: Gendern in der Stadtverwaltung – „Sprache konstruiert Wirklichkeit“

Die vom Frauenreferat entwickelte Publikation klärt darüber auf, warum es wichtig ist, geschlechtergerecht zu formulieren* und beschreibt mehrere Möglichkeiten, wie das umgesetzt werden kann. Für die Frankfurter Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache Zeichen einer modernen und offenen Gesellschaft: „Sprache konstruiert Wirklichkeit. Es darf nicht einfach nur weiter mitgemeint und mitgedacht werden, alle werden angesprochen.“

Und die Frauenreferatsleiterin in Frankfurt, Gabriele Wenner, sagt: „Seit Jahrzehnten kämpft das Frauenreferat um Geschlechtergerechtigkeit. Dazu gehört auch, Frauen und Mädchen in der Sprache in Wort und Schrift sichtbarer zu machen.“ Daneben setzt sich auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) dafür ein, dass die Handreichung in seinem Zuständigkeitsbereich verwendet wird.

Frankfurt: CDU-Vorsitzender Jan Schneider kritisiert Vorstoß zum Gendern in der Stadtverwaltung

Der CDU-Vorsitzende in Frankfurt, Jan Schneider, reagiert hingegen „mit Befremden“ auf den Vorstoß der beiden grünen Dezernenten. Die Stadtverwaltung habe in der aktuellen Corona-Pandemie* „schlicht und ergreifend dringendere Aufgaben zu erledigen als Formulare, Vordrucke und Internetseiten mit Gendersternchen oder Schräg- und Unterstrichen zu spicken“.

Die städtischen Bediensteten könnten aktuell nichts weniger gebrauchen als „zusätzliche Belastungen in Form einer letztlich neuen Dienstsprache“, findet der CDU-Vorsitzende. Die Tipps seien zwar gut gemeint, kämen aber zum falschen Zeitpunkt und hätten mit den anderen Magistratsmitgliedern abgestimmt werden müssen, so Schneider. (hsr) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Die Handreichung kann im Frauenreferat bestellt und unter der Webseite des Frauenreferats Frankfurt sowie auf der Kampagnenseite heruntergeladen werden.

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