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Frankfurt: Gemischte Gefühle zu bevorstehenden Lockerungen in Gastro und Clubs

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Von: Kathrin Rosendorff

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Die Betreiberin des Mellow Yellow Cafés Belgin Bekar auf der Berger Straße mit Sohn Tarkan, Sie sagt, es liege durch die angekündigten Lockerungen, Entspannung in der Luft. Monika Müller
Die Betreiberin des Mellow Yellow Cafés Belgin Bekar auf der Berger Straße mit Sohn Tarkan, Sie sagt, es liege durch die angekündigten Lockerungen, Entspannung in der Luft. © Monika Müller

Ab 4. März soll die 3G-Regel in Restaurants gelten und Clubs unter 2G-Plus wieder öffnen dürfen. Das löst bei manchen Gästen Euphorie aus. Andere haben Angst neben Ungeimpften zu sitzen und halten die Lockerungen noch für zu früh. Auch die Gastronomen sind sehr unterschiedlicher Meinung, ob 3G wirklich ein besseres Geschäft bedeutet.

Ihr erstes Gefühl, einen Tag nach den angekündigten Corona-Lockerungen beim Bund-Länder-Gipfel, beschreibt Franziska (23) mit „voller Vorfreude“. „Endlich geht es mit dem bevorstehenden Frühling bergauf. Der Winter war so trist, ich habe mich auch total zurückgezogen. Am meisten freue ich mich darauf, dass ich bald wieder feiern gehen kann, die Clubs wieder aufmachen dürfen.“

Die Frankfurterin sitzt an diesem sonnigen Donnerstagmittag draußen, in einem der vielen angesagten Cafés in der Fahrgasse unweit des Mainufers in der Innenstadt. Die geplanten Lockerungen sollen in drei Stufen erfolgen. Stufe 2 gilt ab dem 4. März und bringt in Hessen die zunächst größte Veränderung mit sich: In Restaurants soll die 2G-plus-Regel aufgehoben werden. Zutritt werden neben Geimpften und Genesenen dann auch wieder Getestete haben (3G-Regel). Gleiches gilt für Hotels. Und Clubs sollen wieder unter 2G plus öffnen dürfen. Das Einzige, was Franziska etwas Unbehagen bereitet, ist, dass dann auch wieder Ungeimpfte im Restaurant oder im Café neben ihr sitzen dürfen.

„Das ist ein komisches Gefühl. Aber da ich geboostert bin und die Option habe, draußen zu sitzen, ist das ein Kompromiss, den jeder Geimpfte für sich individuell entscheiden kann. Aber ich denke, es könnte funktionieren.“ Auch Jörg Bombach (bekannt aus Funk und Fernsehen), der an diesem Tag im Außenbereich des Café Walden die FR liest, befürwortet die Lockerungen: „Das Impfen und die Disziplin müssen nach zwei Jahren belohnt werden.“ Dass nun künftig auch Ungeimpfte neben ihm sitzen können, sei ihm zwar nicht egal. „Aber man muss eine Güterabwägung treffen, ein bisschen Normalität wieder ermöglichen, bevor das ganze Land am Rad dreht.“

Und was sagen die Gastronom:innen zu der zurückkehrenden 3G-Regel? Belgin Bekar vom Mellow Yellow Café in der Berger Straße beschreibt die Lage so. „Es liegt Entspannung in der Luft. Das Café ist für dieses Wochenende bereits komplett ausgebucht. Das Telefon klingelt die ganze Zeit – und das obwohl die Änderungen erst ab Anfang März gelten.“

Sie sagt: „Die Menschen wollen etwas unternehmen, dann sind so Informationen wahre Lichtblicke und geben Hoffnung.“ Durch die Lockerungen erhofft sich die Inhaberin auch wieder mehr Kund:innen und mehr Klarheit. Die ständigen neuen Regeln seien für die Menschen verwirrend.

Normalerweise beginne die Saison des Außenbereichs erst Ende März oder Anfang April, aber es kämen jetzt schon immer mehr Nachfragen, ob es möglich sei draußen zu sitzen. Deswegen hat sich Bekar entschieden, die Saison nach vorne zu verlegen. „Wir haben viel mehr Sitzgelegenheiten und mehr Platz.“ Die Inhaberin geht davon aus, dass sie diesen ab dem 4. März benötigen werde. „Das wird bestimmt nochmal ein Höhepunkt“, sagt sie. Und dann hofft sie auch, ihre Aushilfen wieder einstellen zu können. Momentan arbeiteten hier nur ihre Familienmitglieder.

Von einer ähnlichen Entwicklung geht auch Sara Lukic aus. Sie arbeitet beim Bäcker Eifler in der Berger Straße. „3G ist gut für alle, die im Einzelhandel oder der Gastro arbeiten. 2G-plus ist aufwendig zu kontrollieren“, erzählt sie. Immer wieder gäbe es Diskussionen mit Zweifach- oder Ungeimpften. Kunden würden unhöflich werden. „Wir stellen die Regeln ja nicht auf, aber wir müssen die Reaktionen aushalten. Da kommt es vor, dass wir angeschrien werden“, erzählt Lukic. Der Blick auf andere europäische Länder, in denen immer mehr Corona-Maßnahmen deutlich gelockert oder sogar wie in Norwegen und Schweden alle verbliebenen Restriktionen verabschiedet wurden, mache ihr Hoffnung, dass die Pandemie bald überwunden sei.

„Ich weiß nicht, ob uns 3G so richtig viel weiterhilft“, sagt hingegen Andrea Greco, der Mitbesitzer des gleichnamiges Restaurants. Die Menschen hätten Angst essen zu gehen, daran werde auch die neue Verordnung nichts ändern. Außerdem schrecke das Testen ab, viele hätten keine Lust, den Aufwand zu betreiben, nur um etwas zu essen. Er ist frustriert.

Greco blickt auf die Uhr, sie zeigt genau zwölf an. „Früher war es hier immer voll“, sagt er. Doch das Restaurant ist an diesem Mittag leer; ein Zustand, an den er sich fast schon gewöhnt hat. „Auch mit 3G sind die Menschen nervös oder angespannter als vor der Pandemie. Und im Moment steckt sich ja auch jeder an. Wer in Quarantäne ist, kann nicht ausgehen, da bringt auch 3G nichts“, sagt er fast resigniert. Er hofft aber auf eine baldige Besserung. Im Moment hätten sie im Restaurant nur noch ein Zehntel der Arbeit wie noch vor der Pandemie.

Der 21-jährige Julius, der vor einem Café in der Innenstadt sitzt, findet die Lockerungen zunächst einmal gut für alle, aber auch für sich persönlich, um wieder mehr Geld zu verdienen. Denn der Student, der im „Silbergold“ jobbte, bis die Clubs immer wieder pandemiebedingt schließen mussten, sei selbst ein „Betroffener. „Das waren harte zwei Jahre, ich habe etwas in einem Café gejobbt, und meine Eltern haben mich unterstützt. Die Mieten in Frankfurt sind hoch.“

Gleichzeitig fürchtet er aber, dass Menschen nun noch weniger motiviert seien, sich impfen oder noch mal boostern zu lassen. „Dabei ist doch Impfen sauwichtig, damit wir gut durch den nächsten Herbst und Winter kommen.“

Gerade dann, wenn ab dem 20. März alle „tiefgreifenderen Schutzmaßnahmen“ entfallen sollen, wenn die Situation in den Kliniken es zulässt, und nur noch die Maskenpflicht in den Innenräumen gelten soll. Julius sagt: „2G-plus sollte weiterhin in Restaurants und Clubs gelten.“ Auf der Schweizer Straße in Sachsenhausen holt sich Riccardo (47) gerade einen Döner. Der Italiener sagt: „Ich finde die Lockerungen eine schlechte Entscheidung. Es wäre anders, wäre das Virus nicht mehr gefährlich, dann wäre ich auch froh und würde die Lockerungen feiern. Aber so werde ich weiter vorsichtig sein. In Restaurants werde ich mit meiner Familie künftig nur noch draußen sitzen. Die Gefahr, neben Ungeimpften in einem Innenraum ohne Maske zu sitzen, ist mir zu groß.“

Auch Antje (31), die im Westend mit einer Freundin einen Kaffee trinkt, sagt: „Es ist noch nicht die Zeit für Lockerungen. Die Inzidenzzahlen sind noch zu hoch, und ich finde auch, dass wir doch gerade locker genug leben mit 2G plus in der Gastro. Wenn nun auch Ungeimpfte ins Café dürfen, ist das vor allem eine Gefahr für die Risikogruppen, die sich vielleicht dann nicht mehr trauen, essen zu gehen. Das gefährdet ihre Gesundheit und beschränkt ihre Freiheit.“ (Mit Tabea Berger)

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