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Die Runde in der Nuur-Moschee diskutiert das Thema Radikalisierung.

Religion

Frankfurt: Gemeinsam gegen Hetze

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Die Ahmadiyya-Gemeinde lädt zum interreligiösen Dialog ein. Vertreter aus Politik, Religion, Polizei und Schulen diskutieren.

So viele Schuhe stehen sonst selten vor dem Eingang. Zum Tag der offenen Tür in der Nuur Moschee am Donnerstag zog eine Podiumsdiskussion zahlreiche Besucher in das muslimische Gotteshaus der Ahmadiyya-Gemeinde an der Babenhäuser Landstraße, unweit der Sachsenhäuser Warte.

Mit rund 70 Besuchern war der kleine, achteckige Gebetsraum, der, wie das gesamte Gebäude, in Weiß und Grün gehalten ist, komplett voll und keiner der aufgestellten Stühle mehr frei. Unter dem Titel „Radikalisierung der Gesellschaft – Welche Gefahren bringt sie mit sich und wie können wir damit umgehen?“ diskutierten Vertreter aus Politik, Religion, Polizei und Schule.

Unter anderem wurde das Internet als rechtsfreier Raum angesprochen, in dem sich Hass und Hetze verbreiteten.

Die Frage eines Zuschauers, wie sie die Sicherheitslage an ihrer Einrichtung einordnet, beantwortete die Leiterin der Religionsschule der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Gabriela Schlick-Bamberger, folgendermaßen: „In der Tat ist die Situation an unserer Schule unsicher.“ Schüler erlebten regelmäßig Beschimpfungen, Familien seien Übergriffen ausgesetzt. Polizeipräsenz vor jüdischen Einrichtungen sei die Regel. Sie forderte eine „Pflege des Dialogs“.

Forderung nach mehr Schutz

Im Gegensatz dazu müssten Moscheen nicht stärker bewacht werden, sagte Abdullah Uwe Wagishauser. Er ist seit mehr als drei Jahrzehnten Bundesvorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinde. Am Donnerstag saß er mit einem Fahrradtrikot, mit der Aufschrift „Muslime für Frieden“, auf dem Podium. Mit einem halben Dutzend weiterer Gemeindemitglieder war Wagishauser von seiner Heimatgemeinde in Groß-Gerau zu dem bundesweiten „Tag der offenen Moschee“ mehrere Gebetshäuser im Rhein-Main-Gebiet abgefahren. Wagishauser sagte weiter, es würden häufig lediglich Zäune als Schutz um Moscheen gezogen. Wenn dann mal eine Flasche über den Zaun fliegen würde, liege das daran, dass viele der muslimischen Gotteshäuser in Industriegebieten, und weit weg von Wohnsiedlungen, stehen würden.

Der innenpolitische Sprecher der Linken, Hermann Schauss, hob hervor, dass Prävention vor einer Radikalisierung der Gesellschaft „soziale Gerechtigkeit“ sei. „Wo Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, besteht Sprengstoff in einer Gesellschaft“, sagte Schauss. Auch die Unterschiede am Arbeitsplatz zwischen Mann und Frau, was die Bezahlung anginge, gehörten zu Ungerechtigkeiten, die geändert werden müssten.

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill sprach sich dafür aus, dass „Eltern einen Erziehungsauftrag für ihre Kinder“ erfüllen müssten und individuell gegen Radikalisierung vorgegangen werden müsse.

Er räumte ein: „Wir haben einen Rechtsruck in der Gesellschaft.“ Der Frankfurter Stadtverordnete Eugen Emmerling (SPD) bezeichnete „Radikalität als Chance“, wenn sie gesellschaftliche Missstände aufgreife.

Einigkeit unter den Diskussionsteilnehmern und Zuschauern herrschte darüber, dass mehr miteinander gesprochen werden müsse, um Ressentiments abzubauen. Der Präsident der Frankfurter Ahmadiyya-Gemeinde, Imtiaz Shaheen, forderte, mehr über Gemeinsamkeiten als über Unterschiede zu sprechen.

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