Proteste gegen die Stadtpolitik.
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Proteste gegen die Stadtpolitik.

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Frankfurt: Aus Geldmangel reduzieren freie Träger der Jugendarbeit Öffnungszeiten und Angebote

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Die FR erklärt Fakten zu Finanzierung und Forderungen der Einrichtungen.

Was ist das große Problem der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA)?
Die freien Träger der OKJA leiden unter einer Unterfinanzierung. Laut eigener Aussage hat es seit 2016 keine Erhöhung der Zuschüsse mehr gegeben. Und auch diese sei nur eine Reaktion auf die Jahre 2012 bis 2014 gewesen, so der Frankfurter Jugendring, in dem viele Träger Mitglied sind. Die Ausgaben sind seitdem stetig gestiegen. Besonders bei den Gehältern hat es spürbare Tariferhöhungen gegeben.

Wie viele Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit gibt es?
In Frankfurt gibt es 137 Einrichtungen, meist sind es Jugendzentren. Davon werden 117 von 68 freien Trägern betrieben, der Rest wird von einem kommunalen Betrieb abgedeckt.

Was machen die Einrichtungen?
Die Angebote reichen von Freizeitgestaltung in Form von offenen oder Gruppentreffs, Freizeiten und Ferienspielen, Gesundheitsförderung durch Sport, Bewegung und Ernährung, Angebote der politischen und kulturellen Bildung aber auch Unterstützung bei schulischen Fragen, individuelle Beratung bei Fragen und Problemen sowie Hilfe bei der beruflichen Orientierung.

Was fordern die freien Träger?
Die Träger haben zehn Forderungen formuliert. Dabei verlangen sie beispielsweise die Umsetzung eines Punkts im Koalitionsvertrag. Darin hat die Römer-Koalition festgelegt, dass im Verlauf der Wahlperiode dafür gesorgt werde, dass sich die Tariferhöhungen in den Leistungen an die Träger wiederfänden. Konkret fordern sie jährlich 1,96 Millionen Euro mehr. Dies würde zumindest die Personalkostensteigerungen der vergangenen Jahre abdecken. Dazu kommen laut Jugendring noch steigende Mieten und Mietnebenkosten, höhere Sachkosten und neue Herausforderungen für die OKJA durch die wachsende Stadt. Es fehlen inzwischen 29 Vollzeitstellen. Die freien Träger fordern außerdem zusätzliche Mittel für regelmäßige Renovierungsmaßnahmen, zusätzliche Mittel für die Ausstattung oder eine moderne digitale Infrastruktur in den Einrichtungen.

Was sind die Folgen des fehlenden Gelds?
Einige Angebote müssen reduziert oder ganz eingestellt werden. Das betrifft zum Beispiel den Mädchentreff, der in einigen Einrichtungen angeboten wird, oder die Hausaufgabenhilfen. Zudem werden die Einrichtungen einmal im Monat komplett geschlossen. Diesen „Tag der geschlossenen Tür“ versuchen die Träger zum Protest zu nutzen. Seit Frühjahr 2019 sind auch die Qualitätsstandards der Jugendarbeit durch den Jugendhilfeausschuss ausgesetzt worden.

Was ist mit den städtischen Trägern?
Die Kommunale Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Frankfurt ist ein städtischer Betrieb, der unter anderem auch mehrere offene Kinder- und Jugendeinrichtungen betreibt. Der Betrieb bekommt einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von der Stadt, der alle wesentlichen Kosten deckt. Darin sind auch die Personalkosten enthalten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind städtische Angestellte und Beamte, die ebenfalls eine Tarifsteigerung erhalten, wenn Angestellte beziehungsweise Beamte der Stadt eine erhalten.

Was macht die Frankfurter Stadtpolitik?
Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) hat im November 2019 angekündigt, den freien Trägern nicht verbrauchte Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen, um den Investitionsstau im Sachkostenbereich zu verringern. Jede Einrichtung bekommt mindestens 2000 Euro, je nach Mitarbeiterzahl steigt die Summe auch noch. Zudem hat die Dezernentin erklärt, 2020 und 2021 bei den Personalkosten jeweils drei Prozent mehr zu bezahlen. 2019 umfasste das Budget der freien Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit 19,67 Millionen Euro. In diesem Jahr soll es bei 20,24 Millionen Euro liegen. Die freien Träger kritisierten, dass die Mittel für den Doppelhaushalt nur ein Tropfen auf den heißen Stein seien. Der Betriebskostenzuschuss für alle Arbeitsbereiche der Kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe belief sich im Jahr 2019 auf 14,59 Millionen Euro. Für 2020 sind 14,83 Millionen Euro angemeldet.

Zusammengestellt von Steven Micksch

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