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Die Eigentümerin hat vier Wochen Zeit, das Sarotti-Häuschen abzuholen.

Rennbahn in Frankfurt

Sarotti-Pavillon auf Frankfurter Rennbahn muss weichen

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Nun ist auch das kleine Sarotti-Häuschen nur noch Geschichte. Die Stadt kann das ehemalige Rennbahngelände an den DFB-übergeben. 

Ein Sicherheitsmitarbeiter hat am Montagmorgen das schwere Eisentor geöffnet, das ächzend den Zutritt zur früheren Galopprennbahn freigab. Menschen stapften durch den eiskalten Regen zum Sarotti-Häuschen, dem letzten Gebäude, das auf der weitläufigen Brachfläche noch steht.

Dann wurde es formal. Eine Gerichtsvollzieherin vollzog den Vollstreckungsbescheid. Schlüssel wurden ausgehändigt. Werkzeuge, die ein Mitarbeiter geschleppt hatte, wurden nicht gebraucht, um das Schloss des Pavillons aufzubekommen. Die Gruppe, darunter Jochen Strack, Leiter des Immobilienmanagements beim Amt für Bau und Immobilien, konnten das Häuschen zum ersten Mal betreten. Von Innen sah es anders aus, als sie erwartet hatten.

Langer Rechtsstreit nun beendet

Am Freitag hatte das Oberlandesgericht Frankfurt zuvor den Antrag auf Vollstreckungsschutz abgelehnt, den die Eigentümerin des Sarotti-Häuschen, Alexa Gräfin zu Solms-Wildenfels, gestellt hatte. Die Stadt hat nun das Recht, das gesamte Gelände zu beanspruchen – auch den Pavillon, der wie das kleine gallische Dorf der Belagerung durch die Römer getrotzt hat. Von den Freunden des Turfs war am Montag niemand gekommen.

Vorausgegangen war ein mehr als drei Jahre währender Rechtsstreit durch mehrere Instanzen über die Frage der Nutzung des früheren Rennbahngeländes. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will dort unter anderem eine Fußball-Akademie für den Leistungssport errichten, bis 2021, wie es vom DFB heißt. Die Stadt plant den sogenannten Bürgerpark. Die Übergabe des Geländes an den DFB hätte schon 2016 sein sollte, verzögerte sich aufgrund des Rechtsstreits aber. Zuletzt hatte der Rennklub darauf bestanden, dass Sarotti-Häuschen müsse an seinem Standort bleiben. 

Rennsportmuseum wird es nicht geben 

Der Holzpavillon sollte demnach zu einem kleinen Rennsportmuseum werden. Auf dem Gelände galoppierten schon ab 1864 die Pferde – bis November 2015 wetteten die Gäste auf Sieg, man trug Sonntagsgarderobe, der Champagner floss. 2018 wurde die Tribüne abgerissen. Von Pokalen und Erinnerungen an die Glanzstunden des Pferderennsports war im Holzpavillon aber nichts zu sehen. Stattdessen stand dort ein Ofen, der nicht lief, zwei Tische, vier Hocker, sechs Stühle, ein Teppich sowie ein mausgroßes Loch am Boden. „Da waren wohl Mäuse drin oder andere Tiere“, sagte Stadtrat Jan Schneider (CDU) sichtlich zufrieden über den kleinen Triumph. „Jetzt weiß der DFB, dass es weitergehen kann.“

Aus DFB-Kreisen hieß es, man freue sich auf die Übergabe, warte darauf aber schon ziemlich lange. Der Vizepräsident des Rennklubs, Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels, war am Montag auf Nachfrage nicht zu erreichen. So blieb die Aussage von Schneiders Sprecher Günter Murr unkommentiert, der Rennklub habe der Stadt das Häuschen für rund drei Millionen Euro zum Kauf angeboten. Das städtische Gegenangebot, den Pavillon im Bürgerpark als Erinnerungsstätte aufzustellen, habe der Rennklub ausgeschlagen. 

„In einem Monat können wir loslegen“

Stadtrat Schneider ließ noch Sarotti-Schokolade an die Anwesenden verteilen – so wie er einst ein „Spazieren in Berlin“-Buch an den früheren Hauptstadtbeauftragen Martin Wimmer verschenkt hatte. Mit dem Beschluss des Oberlandesgerichts vom Freitag sei das letzte Kapitel vor der Übergabe an den Deutschen Fußball-Bund abgeschlossen, sagte er. Die Eigentümerin, Alexa Gräfin zu Solms-Wildenfels, habe nun einen Monat lang Zeit, das Sarotti-Häuschen abzuholen. „In einem Monat und einen Tag können wir auf dem Gelände loslegen.“ Die Stadt habe mit den Entscheid Zugriff auf das gesamte Gelände – das Schloss zum Sarotti-Häuschen wechselten die Mitarbeiter am Montag aus. Wenn die Eigentümerin aufs Gelände wolle, müsse sie vorher mit der Stadt einen Termin vereinbaren. Sonst gelte für sie dasselbe wie für alle, die am schweren Eisentor vorbeilaufen. Dort steht: „Betreten verboten“. Die einzige Frage sei jetzt noch, ob das Häuschen beim Abtransport in einem Stück verbleibe, sagte Schneider, und wies auf dessen maroden Zustand hin. Der Pavillon ist seiner Ansicht nach „bis auf den Grund verfault“. Falls die Gräfin nicht mit einem Tieflader anrücke, würde das Häuschen nach Ablauf der vierwöchigen Frist an den Rand der Baustelle gerückt. Anschließend würde das Häuschen „weiterverwertet“ – sprich abgerissen und entsorgt.

Das denkmalgeschützte historische Eingangsportal soll hingegen stehen bleiben.

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