Plakatkampagne3_150820
+
Das sollte für Gentlemen selbstverständlich sein.

Aktion

„Macht euch nicht so breit, Jungs“ - Neue Kampagne gegen Sexismus und Rassismus

  • vonKathrin Becker
    schließen

Das Frauendezernat Frankfurt startet eine neue Plakatkampagne zum Thema Übergriffe gegen Mädchen und Frauen. Durch Corona seien bestehende Probleme noch sichtbarer geworden.

  • In Frankfurt startet eine Kampagne gegen Sexismus und Rassismus im öffentlichen Raum.
  • Dafür werden Litfaßsäulen mit Spruchplakaten beklebt.
  • Viele Mädchen und Frauen haben mit Übergriffen in der Öffentlichkeit zu kämpfen.

Frankfurt - An der Konstablerwache stehen drei junge Frauen vor einer Litfaßsäule. Jede von ihnen trägt ein großes Plakat. „Schluss mit den Beleidigungen“, steht auf einem. „Untersteh dich, mich zu begrapschen“, auf einem anderen. Sie sind Teil einer neuen Kampagne zum Thema sexistische und rassistische Übergriffe im öffentlichen Raum. Bis September sollen über 600 Litfaßsäulen und Großflächen mit den Spruchplakaten beklebt werden. Vorgestellt wurde die Kampagne am Freitag von Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Gabriele Wenner, Leiterin des Frauenreferats.

„Wir stehen heute hier, weil wir die Tendenz sehen, dass wir Frauen nicht gescheit behandelt werden“, erklärte die Dezernentin auf der Pressekonferenz. „Es kann nicht sein, dass wir behandelt werden, als wären wir minderwertig.“ Gemeint sind nicht nur körperliche Angriffe auf Frauen und Mädchen, sondern auch sexistische Sprüche und Beleidigungen, die oft mehrfach diskriminierend sind.

Gegen Rassismus und Sexismus: Kampagne aus Frankfurt richtet sich auch gegen sexualisierte Kommentare

Dazu gehören auch sogenannte „Catcalls“. Das sind übergriffige, sexualisierte Kommentare, die sich zum Beispiel auf das Aussehen oder den Körper beziehen. Auch das Hinterherpfeifen ist eine Form der verbalen Belästigung. In einer Studie der Jean-Jaurès-Stiftung aus dem Jahr 2018 geben rund ein Drittel der über 1000 befragten Frauen und Mädchen in Deutschland an, Erfahrungen mit derartigen Übergriffen gemacht zu haben. Durch Corona seien die Probleme sichtbarer geworden, betonte Gabriele Wenner. „Die Gewalt im öffentlichen Raum ist wie durch ein Brennglas deutlicher geworden.“ Auch Verschwörungstheorien trügen zu einer antifeministischen Haltung bei, ergänzte die Pädagogin Sonja Schindler.

Die Plakatsprüche der Kampagne mit dem Motto „Macht euch nicht so breit, Jungs“ stammen aus einer Aktion rund um den Internationalen Mädchentag im vergangenen Oktober, an der auch Betroffene mitgewirkt haben. „Es ist eine Kampagne getragen von jungen Frauen“, sagte Linda Kagerbauer, Referentin für Mädchenpolitik im Frauenreferat. Ziel sei es, den Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht alleine seien.

Frankfurt - Kampagne gegen Sexismus: „Ich werde nicht leise sein, bis ich das erreicht habe“

Drei der beteiligten Frauen waren am Freitag bei der Präsentation dabei. Die jungen Feministinnen Saher (16), Amna (15) und Tooba (17) zeigten sich kämpferisch. Von Jungs wolle sie sich nicht mehr kleinmachen lassen, sagte Amna. Sie fordert Gerechtigkeit und Respekt für alle Mädchen und Frauen. Und Saher ergänzte: „Ich werde nicht leise sein, bis ich das erreicht habe.“ (Kathrin Becker)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare