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Drohende Gasknappheit: Frankfurter Wohnungsgesellschaft stellt Pläne vor

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Von: George Grodensky

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Wie andere Wohnungskonzerne will auch die städtische ABG die Heizungstemperaturen absenken.
Wie andere Wohnungskonzerne will auch die städtische ABG die Heizungstemperaturen absenken. © Monika Müller

Wohnungsgesellschaften stellen die Heizungen neu ein und empfehlen, die Vorauszahlungen zu erhöhen. Haus und Grund rät zu Dialog zwischen Mietenden und Vermietenden.

Frankfurt – So skurril das in der Hitzewelle in Deutschland anmuten mag: Das Thema Heizen drängt sich in den Vordergrund. Der bange Blick richtet sich gen Russland, wo sich wohl am Ende der Woche entscheidet, ob wieder Gas durch Nord Stream 1 nach Westeuropa und damit auch Hessen fließt oder nicht. Und welche Auswirkungen das auf die Energiepreise hat.

Frank Junker, Chef der Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG Holding, will das nicht abwarten. Er hat angekündigt, die ABG werde zur kommenden Heizperiode die Gasheizungen von rund 34.000 Wohnungen absenken. Statt wie bisher 21 Grad könnten sie dann noch 20 Grad warm werden, 18 Grad nachts. „Das spart sechs bis sieben Prozent“, sagt Junker. Alle großen Wohnungsgesellschaften planten Ähnliches.

Heizungstemperatur senken: Frankfurter Wohnungsgesellschaft bereitet sich auf Gaskanppheit vor

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt stelle die Heizungen bereits seit 2. April neu ein, sagt Sprecher Jens Duffner. Die Anlagen seien auf die gesetzlich vorgeschriebenen Mindesttemperaturen von 18/20 Grad zur Energieeinsparung justiert. „Darüber hinaus gehen wir allerdings nicht.“ Zumal der zentrale Einkauf gut gearbeitet und längerfristig günstige Konditionen gesichert habe. „Aber das ist natürlich hinfällig, wenn bei der Gasversorgung die Notfallstufe ausgerufen wird“, sagt Duffner. Dann hätten Gasversorger die Möglichkeit, die höheren Bezugspreise weiterzugeben.

So oder so, Duffner sieht Handlungsbedarf: „Wir bereiten eine Mieterinformationskampagne vor zum Thema Energieeinsparung.“ Die soll vor Beginn der Heizperiode laufen. Die Nassauische überlege auch, Mieterinnen und Mieter zu bitten, die monatlichen Vorauszahlungen anzuheben. Nicht nur, weil die Unternehmensgruppe bei den Nebenkosten in Vorleistung treten müsse. Die Vorauszahlungen zu erhöhen, liege auch im Interesse der Mieterinnen und Mieter, findet Duffner. So könnten sie sich gegen Preissprünge wappnen und hohe Nachzahlungen vermeiden.

Erhöhte Gaspreise: Frankfurter Wohnungsgesellschaft schlägt höhere Vorauszahlung vor

Das empfiehlt auch Jens Jacobi vom Eigentümerverein Haus und Grund. „Erste Priorität sollte sein, dass die Wohnungen weiterhin mit Energie und Strom versorgt werden“, sagt er zunächst. „Die Wohnqualität muss gegeben sein.“ Kein Mensch solle leiden, aber auch kein Gebäude, stellt er klar. Frostschäden und Schimmelbildung wegen zu niedrig eingestellter Heizungen seien unbedingt zu vermeiden.

Was die Kosten angeht, wirbt er für den Dialog. Die Wohnungseignerinnen und -eigner sollten ausloten, was die Mieterinnen und Mieter mittragen würden, auf welchen Komfort sie verzichten könnten und, ob sie nicht ihre Nebenkostenvorauszahlungen erhöhen könnten.

Gasknappheit im Winter: Frankfurter Wohnungsgesellschaft sucht nach Lösung

Heizöl habe sich um das Drei- bis Vierfache verteuert im Vergleich zum Vorjahr, sagt Jacobi. Das belaste die Vermietenden. Schnell mal die Heizquelle auf erneuerbaren Energien umzurüsten, gehe nicht. Selbst wenn Wille und Kapital da seien, fehle es derzeit an „Heizungen und Handwerkern“. Ob Mieterinnen und Mieter im kommenden Jahr ihre womöglich horrenden Nachzahlungen stemmen können, ist auch so eine Frage, die Hauseignerinnen und -eigner beschäftige. Jacobi glaubt allerdings, dass dazu der Politik noch etwas einfallen werde – staatliche Bürgschaften oder Heizkostenzuschüsse. Nicht nur der Bund könne helfen, auch die Kommunen.

Die bemühen sich. Kassel hat just einen Zuschuss beschlossen. Das Frankfurter Stadtparlament hat seinen Magistrat am vorigen Donnerstag (14. Juli) immerhin beauftragt, ein kommunales Handlungskonzept zur Vermeidung von Energieschulden und Energiesperren zu entwickeln. Menschen dürften nicht in eine prekäre Lage geraten und letztendlich in einer kalten Wohnung sitzen oder diese auf Grund von zu hohen Energieschulden gar verlieren, heißt es zur Begründung.

Stadt Frankfurt sucht nach Sparpotential: Gasknappheit im Winter könnte kommen

Die Stadt solle auch selbst prüfen, an welchen Stellen sie einsparen könne. Etwa Verwaltungsräume weniger heizen oder Schwimmbäder. „Wir wollen keine Sportstätten oder Bäder schließen“, versichert allerdings Mark Gellert, Sprecher des Sportdezernenten Mike Josef (SPD). (George Grodensky)

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