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Demonstrierende Frauen vor dem Hauptbahnhof.

Weltfrauentag

Erster Frankfurter Frauenstreik

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Der erste Frankfurter Frauenstreik zeichnet sich durch eine Rekordbeteiligung und eine bunte Vielfalt aus.

So viele sind schon seit langem nicht mehr am Internationalen Frauentag für Gleichberechtigung und Toleranz, gegen Gewalt und Rassismus auf die Straße gegangen. Eine Stunde nach Beginn des ersten Frankfurter Frauenstreiks im Frankfurter Kaisersack am Freitagnachmittag zählte die Polizei 3500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Das ist ordentlich“, meinte der Beamte anerkennend. „Und es wird Zeit“, fügte er erklärend hinzu – seine Uroma sei eine Sufragette gewesen.

„Wenn wir die Arbeit niederlegen, steht die Welt still“, lautete das Motto des Demonstrationszugs, der sich später durch die Innenstadt bewegen sollte. „Wir halten diesen Laden hier am Laufen“, sagte eine Sprecherin des Frauenstreikbündnisses. „Also können wir ihn auch lahmlegen.“ Immer wieder wurden der Zorn und die Wut über die herrschenden „Gewaltverhältnisse“ deutlich. Man wolle deutlich machen, dass Frauen auf der ganzen Welt nicht nur durch schlecht bezahlte Erwerbsarbeit, sondern auch zu Hause durch unbezahlte Sorgearbeit ausgebeutet würden, erklärte Cornelia Domino (29), Pressesprecherin des Frauenstreikbündnisses im Gespräch mit der FR.

Viele Studentinnen waren gekommen. „Nicht nur der Löffel kann mehr als kochen“, hatte eine auf ihr Plakat geschrieben. Auch Männer könnten das, meinte sie. Die Gleichberechtigung von Frauen gebe es bislang nur auf dem Papier. Sie fände es gut, wenn aus dem Internationalen Frauentag ein Feiertag würde, so wie es Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) vorgeschlagen haben.

„Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus und Nationalismus – das alles muss weg“, erklärte eine 49-Jährige, während sich der Zug in Zeitlupentempo formierte. Auch die Gewerkschaften waren vertreten: „Bei uns sind die Frauen selbstbewusst und setzen sich durch“, sagte der Frankfurter IG-Metall-Chef Michael Ehrhardt. Überhaupt waren Männer willkommen und in jeder Altersgruppe präsent. Väter hatten ihre Kinder mitgebracht, die anfingen zu drängeln – weil der Frauenstreik so lange im Kaisersack verharrte.

Fast schon selbstverständlich: Auch die klassische „alte“ Frauenbewegung aus den 70er Jahren war zur Stelle: Annette Wippermann hatte, wie eine Reihe anderer Demonstrantinnen ihre rosafarbene Strickmütze aufgesetzt – ein Zeichen gegen die sexistischen Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump. Wippermann organisiert die Proteste gegen die sogenannten Lebensschützer vor der Beratungstelle von Pro Familia. „Selbstbestimmung über unsere Gebärmütter“ hat sich eine andere, etwas über 60 Jahre alte Demonstrantin aufs Plakat geschrieben – so wie es vor über 30 Jahren in der Anti-Paragraf-218-Bewegung üblich war. Die Zeit sei überfällig, wieder auf die Straße zu gehen, sagte sie.

Vor dem Frauenstreik war ein gutes Dutzend Attac-Aktivistinnen dem „unsäglichsten Phallussymbol“, das sie kenne, an den Kragen gegangen, so eine Sprecherin von Attac. Das Kunstwerk heißt „Inverted Collar and Tie“ und steht vor der DZ-Bank in der Mainzer Landstraße. Die „kleine Aktion“ von Attac erinnerte an die Altweiberfastnacht: Hurtig wurde der Sockel der „fliegenden Krawatte“ erklommen und eine überdimensionale Schere gezückt. Dazu ein lila Transparent befestigt: „Patriarchat und Ausbeutung? Ohne uns!“ „Hebt die Schere etwas höher“, kam die Regieanweisung von unten. Die Worte wurden vom Wind davongetragen, wie der Konfettiregen: „Das ist der solidarische Glitzer, den wir in die Welt streuen.“

Einen eigenen Beitrag zum Thema Sorgearbeit hatte die evangelische Kirche in Hessen zusammengetragen: Unter dem Motto „starke Frauen“ wurden ein Jahr lang jeweils zwei Frauen, die in der Pflege arbeiten, vorgestellt. Am Internationalen Frauentag wurde nun der Abschluss der Initiative gefeiert und eine Wanderausstellung präsentiert, die über die E-Mail-Adresse sonja.driebold@diakonie.de gebucht werden kann.

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