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Frankfurt: Gefeierter Forst

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Von: Thomas Stillbauer

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Die Urkunde machte den Wald zum städtischen Forst. Foto: Christoph Boeckheler
Die Urkunde machte den Wald zum städtischen Forst. Foto: Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Illustre Gäste und viel Kultur beim Festakt zum 650. des Stadtwalds am Mittwochabend.

Der Bundeslandwirtschaftsminister, für Waldangelegenheiten zuständig, hatte den Aufnahmetermin für seine Videobotschaft hinausgezögert. Bis nach dem Finale, sagte Cem Özdemir. „Dieses Jahrhundertspiel!“ Und so konnte er der Frankfurter Festgemeinde am Mittwochabend gleich doppelt gratulieren: zum Stadtwaldjubiläum und zum Europapokalsieg der Eintracht. Manuela Rottmann, Parlamentarische Staatssekretärin in Özdemirs Ministerium, Bundestagsabgeordnete und frühere Frankfurter Umweltdezernentin, „hat hier auch die Korken knallen lassen“, berichtete ihr Chef.

Ein stimmungsvoller Abend, der Festakt zum 650. des Stadtwalds, eine Feierstunde auch für eine Gruppe FR-Leserinnen und Leser, die beim Gewinnspiel Karten ergattert hatten.

„Privileg Nr. 189“ sicherte die Rechte am Wald - und das Schultheißenamt

Sie erlebten die Premiere des Stadtwaldfilms von Thomas Claus, dem Mann, der schon mit seiner Dokumentation über den Wiederaufbau des Goetheturms die Herzen der Menschen erreicht hatte. Jetzt, zur Feier des Tages, zeigte er in 25 Minuten, was den Stadtwald ausmacht. Da steht Forstchefin Tina Baumann auf dem Monte Scherbelino und schaut über die grüne Weite. Da wird mit weißen Handschuhen vorsichtig die Urkunde hervorgeholt, „Privileg Nr. 189“, die die Nutzung des ehemaligen „Reichsforsts in der Dreieich“ an die Stadt überträgt. Der Preis für diesen Pfandbrief, der zugleich das Schultheißenamt umfasste: 8800 Gulden. Darunter können sich heute nicht mehr viele Menschen etwas vorstellen, aber Michael Matthäus vom Institut für Stadtgeschichte kann. „Eine ungeheure Summe Geldes“, sagt er im Film, „dafür hätte man die Gebäude der gesamten Altstadt kaufen können.“

Der Wald aber brachte der schon damals flächenmäßig relativ kleinen Stadt mehr Platz und Sicherheit. Dass dieser Wald viele Hügelgräber enthält, dass Rainer Berg im Stadtwaldhaus seit 1995 Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt, all das zeigt der fabelhafte Film von Thomas Claus. Das Publikum mit zahlreichen illustren Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Kultur war davon angetan.

BÜRGERFEST UND WALD FÜR ALLE

Am Sonntag , 29. Mai, sind alle eingeladen, das 650-jährige Bestehen des Stadtwalds zu feiern. Im und am Stadtwaldhaus in der Nähe der Oberschweinstiege gibt es Programm für die ganze Familie von 12 bis 17 Uhr, unter anderem mit Infoständen, Kinderprogramm, Jagdhornbläsern und Führungen.

Verschiedene Wandervereine nutzen die Gelegenheit für eine Sternwanderung zum Stadtwaldhaus: die Hochspessartfreunde, der Taunusklub-Stammklub, die Naturfreunde, der Rhönclub, der Vogelsberger Höhenclub und der Pfälzerwald-Verein. Die Treffpunkte und weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Stadtwaldhauses: stadtwaldhaus-frankfurt.de

Auf ebendieser Internetseite ist auch das weitere Programm zur Feier des Stadtwalds zu erfahren. Der Sonntag ist nämlich nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen: vom Waldkindertag am 3. Juni (Motto: „Einmal Wildschwein sein im Schwanheimer Wald“) über die Waldführung „Zum Wald der Zukunft – mit naturgemäßer Waldwirtschaft oder Prozessschutz?“ ( 16. Juni), die Wald-Kinowoche im Filmforum Höchst mit spannenden Filmen rund um das Thema Wald (16. bis 22. Juni), Insektenfest (26. Juni), Waldlesung (10. Juli), Volksradfahren (17. Juli) bis hin zur Waldführung „Zum Rohsee in den wilden Wald“ (18. September) und zum Weihnachtsmarkt am Stadtwaldhaus (19. November) reicht das umfangreiche Programm. ill

Stolz auf den Deal

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagte in ihrer Festrede, viele andere Städte beneideten Frankfurt um den Deal mit dem Kaiser im Jahr 1372 und hätten sich eine ähnliche Vereinbarung gewünscht. „Aber so hat Frankfurt den größten zusammenhängenden kommunalen Wald Deutschlands, und darauf sind wir schon ein wenig stolz!“ Der Name Goethe sei ebenso mit dem Stadtwald verbunden wie mit dem Großen Hirschgraben, sagte Heilig, „und selbst die kritischen Geister aus der Neuen Frankfurter Schule um Robert Gernhardt, F. K. Waechter und Greser und Lenz haben keine Hemmungen, sich in ihrer Komischen Kunst zum Stadtwald zu bekennen“. Letztere auch ganz aktuell: Das Zeichnerduo Greser und Lenz entwarf ein Plakat zum Jubiläum. Und Volksbühne-Chef Michael Quast gratulierte live mit einer Einlage.

Doch der Wald steht „massiv unter Stress“

Doch Heilig mahnte auch: Wenn der Begriff „Enkelfähigkeit“ eine Bedeutung habe, dann im Zusammenhang mit dem Stadtwald. „Wir müssen ihn schützen vor Flächenfraß und den Folgen des Klimawandels. Auch das soll neben der bunten Jubiläumsfeier im Mittelpunkt von 650 Jahre Frankfurter Stadtwald stehen.“ Der Wald habe manche Krise hinter sich, doch keine sei so bedrohlich gewesen wie die aktuelle Klimakrise. „Der Wald steht massiv unter Stress.“

So sieht es auch Heiligs Parteifreund Özdemir, der („Sie werden sich wundern“) sehr häufig im Frankfurter Stadtwald ist – aber nur auf der Durchreise mit dem Zug. Sein Ministerium arbeite an Gesetzen, um den Wald besser zu schützen, sagte er.

Und damit genug der Reden beim Festakt. Am Sonntag feiern alle zusammen – im Wald.

Passende Musik beim Festakt. Foto: Christoph Boeckheler
Passende Musik beim Festakt. Foto: Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

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