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Bei der Arbeit am Magazin des Bauvereins.

Nachruf  

Gedenkfeier für Alfons Kaiser in Frankfurt 

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Die Menschen im Westen nehmen Abschied von ihrem „Bürgermeister“.

Höchst und die westlichen Stadtteile waren schon seit 1928 nach Frankfurt eingemeindet, doch in gewisser Weise hatten sie auch Jahrzehnte danach noch ihren eigenen Bürgermeister. Fast 30 Jahre lang übte der Sindlinger Sozialdemokrat Alfons Kaiser dieses Amt aus, das offiziell „Leiter der Verwaltungsstelle“ hieß. Jetzt ist der heimliche Bürgermeister in seinem Winterdomizil auf Teneriffa gestorben. Kaiser wurde 86 Jahre alt. Eine Gedenkfeier ist am 23. Februar im Neuen Theater Höchst geplant.

Er war ein Dauerläufer. Der frühere Fußballer des 1. FC Viktoria Sindlingen lief ausdauernd durch das Zeilsheimer Feld oder den Schwanheimer Wald. Genauso ausdauernd wirkte Alfons Kaiser in seinem Amt. Von 1966 bis 1994 führte er das Büro im Bolongaropalast. Auch wenn im Römer zwischendurch mit Walter Wallmann ein CDU-Politiker ans Ruder kam, blieb der SPD-Mann Alfons Kaiser, was er war: Bürgermeister für den Frankfurter Westen. Dafür gab es gute Gründe. „Ich habe mein Parteibuch immer außen vor gelassen“, sagte Kaiser der FR im Gespräch in den 90er Jahren.

Bürgernähe war ihm immer ein besonderes Anliegen, aber auch eine Selbstverständlichkeit. Kaiser kämpfte dafür, dass die Verwaltungsstelle in Höchst blieb und er persönlich ansprechbar war. Er machte sich für die Fußgängerzone stark und für den Erhalt der Altstadt. „Ich gehe raus. Ich lasse nicht die Dinge auf mich zukommen“, lautete sein Credo. Dabei strahlte er eine Ruhe und Gelassenheit aus, die ansteckend wirkte und Konflikte zu beruhigen vermochte, mit seiner sonoren Stimme und unverkennbarem Frankfurter Idiom.

Kaisers Herz hing besonders am Bauverein für Höchst und Umgebung. In dessen Sindlinger Siedlung war die Familie seit Generationen zu Hause. Ihm gefiel, wie schnell dort gehandelt wurde, ganz anders als in einer manchmal trägen Bürokratie. „Beim Bauverein ist montags Vorstandssitzung, da beschließen wir was, und Dienstag machen wir das“, sagte er.

Kaiser war liebenswürdig und blieb bodenständig. Seine Frau Katrin stammt aus Zeilsheim. Doch die Familie hat sich neugierig die Welt angesehen. Aus China brachte sie Zeichnungen mit, die zu Hause in Sindlingen hingen, und auch in Mexiko, Marokko oder Alaska war Kaiser unterwegs. Derweil wuchsen im Büro im Bolongaropalast die Stapel: Akten für den Bürgermeister von Höchst.

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