AntiTransphobie01FR-9_211120
+
Rund 100 Trans*Personen und queere Menschen versammelten sich an der Hauptwache.

Diskriminierung

Frankfurt: Gedenken an Opfer von transphober Gewalt

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
    schließen

Eine Woche nach dem Angriff auf eine queere Person auf der Zeil in Frankfurt versammeln sich rund 100 Leute an der Hauptwache

Jedes Jahr, am 20. November, veröffentlicht die Organisation Transgender Europe alle dokumentierten Morde an Trans*menschen. 350 sind im Jahr 2019 weltweit ermordet worden. Deswegen versammelten sich am Freitagabend am „Trans Day of Remembrance“ (zu Deutsch: Gedenktag für die Opfer von Transphobie) rund 100 Menschen an der Hauptwache, um der Opfer von transphober Gewalt zu gedenken. Oranisiert wurde die Kundgebung vom Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt, Suq – Solidarisch Unaufgefordert Queer und der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität.

Vor 22 Jahren wurde der Gedenktag das erste Mal abgehalten. Im November 1998 wurde in den USA die afro-amerikanische Trans* Frau Rita Hester ermordet. Am darauffolgenden Freitag versammelten sich über 250 Menschen, um ihrer Trauer und Wut über den Mord Ausdruck zu geben. Seitdem findet der Gedenktag jährlich am 20. November statt. An der Hauptwache ist auch „Loolou“ dabei. Sie will in der FR nur mit ihrem Spitznamen erwähnt werden. Die Diskriminierungen gegen Trans*personen seien ein gesellschaftliches Problem, sagt sie. „Wir polarisieren halt, aber alle Menschen sollen doch so Leben können wie sie möchten.“ Auch Loolou hat schon Übergriffe erlebt. „Einmal wurde mir ein Bein gestellt, ein anderes Mal wurde ich als scheiß Transe beleidigt. All das nur, weil wir nicht in die Norm passen“, sagt sie.

Es ist sehr still an der Hauptwache, vor allem dann, wenn die Anzahl der Ermordeten vorgelesen wird. Von 2008 bis zum 30. September 2020 wurden weltweit 3664 Trans* Menschen ermordet, davon 350 zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020. „Dies sind nur die statistisch erfassten Fälle. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt“, sagt Jessica Purkhardt, Vorsitzende der Aids-Hilfe.

„Wir müssen leider immer wieder die Erfahrung machen, dass Trans* sein gefährlich ist“, sagt eine Redner:in von Suq. „Denn wir leben in einer Welt, in der das Leben von Trans* Menschen nicht ernst genommen wird. In der unsere Leben nicht gelten und egal sind. In der wir dafür kämpfen müssen, leben zu dürfen.“

Petra Weitzel, Vorsitzende von dgti, erinnert die Teilnehmenden an der Kundgebung auch an die Opfer von Konversionsversuchen und Therapieverweigerung zu gedenken. Also um Menschen, die durch „Umpolungsversuche“, durch Gespräche, Therapien, Gebete, die transsexuellen Gefühle losbekommen werden sollen. Ein Opfer war etwa Leelah Alcorn. „Sie ging nach vier Jahren seelischer Qualen in den Tod“, sagt Weitzel. Aber ohne Alcorns Abschiedsbrief gäbe es immer noch keine Verbote von Konversionsversuchen. „Erst ihr Tod war der Ausgangspunkt vieler weltweiter Kampagnen“, sagt Weitzel.

Am Ende der Kundgebung wurden alle Namen der 350 Todesopfer im Jahr 2019 vorgelesen. Die Teilnehmenden lauschten. Es war still, nur die Töne eines Straßenmusikers und das tuscheln von umherlaufenden Menschen waren noch zu hören.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare