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Die Stadtregierung hatte es 1941 auch auf die Wohnungen der Deportierten abgesehen, so die Historikerin Susanne Heim.
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Die Stadtregierung hatte es 1941 auch auf die Wohnungen der Deportierten abgesehen, so die Historikerin Susanne Heim.

Holocaust

Gedenken an deportierte Juden aus Frankfurt – Auch Kinder und Alte wurden verschleppt

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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In der Paulskirche in Frankfurt wird den Gräuel des Holocausts gedacht. Die Ereignisse in Nazi-Deutschland sind so wichtig wie nie.

Frankfurt – Die melancholischen Töne, die Hermann Kretzschmar vom Ensemble Modern auf dem Flügel anschlug, passten ohne Zweifel zur Gedenkveranstaltung am Dienstagnachmittag in der Paulskirche. Nicht zuletzt, weil sie vom Musiker Wolfgang Köhler komponiert wurden, der in jungen Jahren mit der Reichsmusikkammer in Konflikt geriet und 1943 schließlich ein Berufsverbot erhielt. Im Plenarsaal der Paulskirche gedachten fast 70 Menschen der ersten Massendeportation von Jüdinnen und Juden in Frankfurt am 19. Oktober 1941.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) schilderte zunächst die Ereignisse jenes Sonntags im Herbst 1941. Erinnerte an die gewaltsam aus der Stadt verschleppten und später ermordeten Männer und Frauen, Jugendlichen, Kinder, Säuglinge. 1100 Frankfurterinnen und Frankfurter verschwanden aus dem Stadtbild. Im Keller der Großmarkthalle mussten sie noch eine Nacht ausharren. Es habe Misshandlungen, Demütigungen und Raub durch ihre Peiniger gegeben, so Hartwig. Nur drei der verschleppten 1100 Personen hätten den Holocaust überlebt.

Auf Hartwigs Ansprache folgte ein wissenschaftlicher Vortrag der aus Berlin angereisten Historikerin und Politikwissenschaftlerin Susanne Heim. Die Dezernentin betonte die „besondere Verantwortung der Geschichtswissenschaft“, da die Zahl der Zeitzeugen endgültig schwinde.

Was 1941 in Frankfurt geschah: 1100 Juden deportiert

Susanne Heim schilderte den 19. Oktober 1941 aus Sicht der Frankfurter Familie von Mettenheim. Cläre von Mettenheim war gebürtige Jüdin und verheiratet mit einem nichtjüdischen Kinderarzt. Durch diese Ehe war sie zunächst vor der Deportation geschützt. Die 1100 Deportierten hatten keinen solchen Schutz.

Heim berichtete, dass zwischen 6 und 7 Uhr in der Früh bewaffnete SA-Männer und Hilfspolizisten in die Wohnungen kamen und den Jüdinnen und Juden befahlen, ihre Sachen zu packen. Was die Gestapo aus der Wohnung nicht für sich beanspruchte, wurde schließlich versteigert. 100 Mark durften die dem Tode Geweihten behalten, 90 davon mussten sie für ihre „Reise“ ausgeben. Anders als in Berlin, Wien oder Prag wurden in Frankfurt auch Kinder und Alte verschleppt. Die Stadtregierung habe es auf die Wohnungen der jüdischen Menschen abgesehen gehabt, besonders jene im Westend. Die Brutalität und Verzweiflung an jenem Tag muss sehr groß gewesen sein. Quellen berichten von vielen Toten, allein elf durch Suizid.

Kein Aufbegehren in Frankfurt: Erinnerung an den Holocaust muss bleiben

Besonders erschreckend sei der Hohn und die Stumpfheit vieler anderer Menschen in Frankfurt gewesen: kein Aufbegehren, eher Zustimmung.

„Die Erinnerung an die Taten ist nicht obsolet“, sagte Heim. Nachfolgenden Generationen dürften nicht nur Jahreszahlen und ein dünnes Gerüst einer düsteren Zeit überlassen werden, in dem es am Ende nur noch Anne Frank und Sophie Scholl gebe. Die Lebensgeschichten der Ermordeten seien vielfältig, häufig einzigartig und werfen noch immer neue Fragen auf, die die Wissenschaft beantworten müsse. Es brauche eine genaue Kenntnis der Fakten, um Geschichtsverdrehung und -relativierung entgegenzutreten. (Steven Micksch)

Auch heute sind antisemitische Vorfälle keine Seltenheit. Die Stimmung der Juden in Frankfurt ist gedrückt.

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