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Gedenkfahrt durch Frankfurt.

Verkehr

Gedenk-Gottesdienst für Motorradfahrer

  • vonSabine Schramek
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Im vergangen Jahr sind 58 Biker und vier Bikerinnen in Hessen tödlich verunglückt. Zur Andacht in Frankfurt reisen 320 Teilnehmer auf ihren Maschinen an.

Fritz war erst 16 Jahre alt, als er sein Leben bei einem Motorradunfall verlor. Joseph war 85 Jahre alt. Um ihnen und 60 weiteren Unfallopfern zu gedenken, brummen, knattern und tuckern 320 Harleys, Hondas, Yamahas, BMWs und andere Bikes gemeinsam vom Rebstockgelände über den Alleenring nach Sachsenhausen und weiter zur Hauptwache.

Begleitet von acht Polizeimotorrädern parken sie ihre Maschinen auf dem Rathenauplatz. Frauen und Männer mit schweren Lederanzügen, Helmen und Motorradschals mit Clowns, Reißverschlüssen, Totenköpfen und bunten Mustern stapfen in Motorradstiefeln Richtung Katharinekirche. Wegen Corona finden nur 120 Einlass. „Wir machen das jedes Jahr“, sagt „Golon“, der schon seit Anfang an mit dabei ist. „Wir gedenken denen, die im letzten Jahr verstorben sind.“

Biker-Pfarrer Thorsten Heinrich trägt ebenfalls Motorradhose – und ein hölzernes Kreuz. Auch er ist mitgefahren. „Es ist ein trauriger 40. Jahrestag“, sagt er. Vier Frauen und 58 Männer sind tödlich auf ihren Bikes seit Oktober 2019 in Hessen verunglückt. „Ich dachte, die Zahl der Verkehrstoten sei zurückgegangen. Für Motorradfahrer in Hessen scheint es nicht so zu sein.“

Heinrich spricht mit warmer Stimme, begrüßt jeden, der die Kirche betritt persönlich. Die meisten kennt er. „Das Anlassen im April mussten wir wegen Corona ausfallen lassen“, sagt er fast entschuldigend. „Für heute haben auch viele abgesagt, weil sie zur Risikogruppe gehören und lieber zu Hause bleiben. Sie sind in Gedanken bei uns und wir bei ihnen“, fügt er hinzu.

Weg vor Alter sieht aus wie Fahrbahn

In der Kirche sitzen Angehörige und Freunde von Menschen, die einen tödlichen Motorradunfall hatten. Eine junge Familie ist zum zweiten Mal dabei. „Wir haben uns letztes Jahr hier so wohl, geborgen und aufgehoben gefühlt. Deshalb sind wir wieder da“, sagt die Frau zu Pfarrer Heinrich. Er nickt und spricht mit ihr. Über den Verlust, die Trauer und die Zukunft.

Vor dem Alter sieht der Weg aus wie eine Fahrbahn. Auf den Stufen liegt ein silbernes Kreuz aus Alufolie, Kerzen stehen darunter, Motorradhelme sind links und rechts vor ihnen aufgestellt. Ein Kranz in einem Motorradreifen aus gelben und orangenen Blüten umrundet von grünen Blättern. „Ready for the storm“ singen und spielen fünf Mitglieder der Band „Fisherman’s Friends“ mit Masken.

Heinrich predigt über Abstand und Nähe. Wegen Corona und auf der Straße. Das Motto lautet „Lebens-Er-Fahrung“. Er spricht von unterschiedlichen Erfahrungen. Im Leben und auf dem Bike. Von schlechten und schönen Erfahrungen. Nach und nach werden von Motorradfahrern die Namen der Verstorbenen vorgelesen. Für jeden zünden zwei junge Frauen eine Kerze an. Ein Licht zum Mitnehmen für die Angehörigen. „Zu einem Platz, der würdig für diese Menschen ist“. Fürbitten kommen von der Polizei, dem ASB und von der Notfallseelsorge.

Bitte um Trost und Kraft

Ein junger Polizeibeamter bittet um „Einsehen für die, die uns und Rettungskräfte angreifen. Um Einsicht, dass auch sie in Not geraten könnten und uns als Retter brauchen.“ Ein ASB-Mitarbeiter bittet „um Kraft für alle in helfenden Berufen, die besonders gebraucht werden.“ Der Notfallseelsorger, der sonst als letzter Einsatzstellen verlässt, bittet „um Trost, Kraft und Zuversicht auch für uns. So, wie wir sie weitergeben.“

Im nächsten Jahr wollen sich die Biker wieder treffen. Zum evangelischen Kirchentag in Frankfurt hat Heinrich einen Motorradgottesdienst beantragt. Der Pfarrer sagt dazu: „Es liegt in Gottes Händen. Wir planen weiter und lassen uns auch von Corona nicht unterkriegen.“

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