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Gaststättenwechsel: Ali Bashavak löst seine Schwiegermutter Margit Groß ab.  

Ausgehen im Gutleutviertel

Frankfurt: Biertonne schließt und macht in der Gutleutstraße wieder auf

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In der Gutleutstraße in Frankfurt macht bald die Kneipe Biertonne wieder auf. Dafür muss eine Traditions-Gaststätte aus dem Gutleutviertel weichen.

Frankfurt - Eine „gutbürgerliche Gaststätte ohne Hipster- und Yuppie-Firlefanz. Hier regieren noch Schnitzel und Handkäs’, aber dafür richtig“, steht in einer Bewertung für das Lokal „Zum Deutschen Michel“. Firlefanz sucht man tatsächlich vergeblich. Stattdessen: Holzmobiliar, Spielautomaten, rote Vorhänge vor Butzenfenstern, Fliesen auf dem Boden und vertäfelte Decken.

Zum Deutschen Michel: Ein Gast übernahm seine Stamm-Gaststätte

Diesen Monat läuft die Zeit des Lokals an der Gutleutstraße in Frankfurt  ab. Am Dienstag, 17. Dezember, ist Schluss. Das Problem sei das Personal, sagt die Wirtin Margit Groß. Ihr Kellner werde 70. Und sie selbst könne nicht mehr täglich bis zu 15 Stunden arbeiten. 

Vor vier Jahren hat die 63-Jährige die Gaststätte übernommen. Die damalige Besitzerin, die alle nur „Loni“ nannten, hatte den Deutschen Michel rund 40 Jahre geführt. Als sie starb, stand die Kneipe vor dem Aus. Das wollte Groß, selbst langjähriger Stammgast, verhindern und übernahm das Lokal.

Biertonne: Die Kneipe zieht an neuen Standort und öffnet im Januar

Groß steht auch selbst am Herd, kocht das Mittag- und Abendessen für ihre Gäste. Doch die werden immer weniger. Dabei gebe es kaum noch Restaurants mit gutbürgerlicher deutscher Küche im Gutleutviertel in Frankfurt, sagt sie. 

Um sie herum eröffneten viele Eritreer und Äthiopier. Groß bietet Schnitzel mit Pommes Frites für 9,90 Euro, das Rumpsteak mit Champignons und Pommes kostet 18,90 Euro und der Salat mit Putenstreifen 8,80 Euro.

Nun sollen die jungen Leute ran, sagt Groß. Und die jungen Kunden folgen. Ihr Schwiegersohn übernimmt. Am 2. Januar wird dort die „Biertonne“ eröffnen. 

Frankfurt: Chef der Biertonne hat viel vor im neuen Standort

Die Kneipe muss aus ihren Räumen an der Mainzer Landstraße 103 in Frankfurt ausziehen, wo sie fast 17 Jahre ansässig war. Der Vertrag sei nicht verlängert worden, erzählt Ali Bashavak, der sie leitet. Groß freut sich, dass das Lokal in Familienhand bleibt, Inhaberin ist ihre Tochter.

Auch eine andere Traditions-Gaststätte steht zum Verkauf. Das Denkmalamt verhandelt mit Interessenten der Gaststätte „Zur Sonne" in Bornheim.

Viel verändern will Bashavak nicht. Die Inneneinrichtung bleibe, er werde ein wenig umräumen, einen Kickertisch aufstellen und ein paar neue Bilder aufhängen. Geplant sind auch Veranstaltungen und Partys. „Mal schauen, wie die Nachbarn so drauf sind, mit den alten hatten wir keine Probleme.“ 

Er hofft, dass seine Stammkunden ihm ins Gutleutviertel in Frankfurt folgen werden, angekündigt hätten sie es jedenfalls, sagt der 43-Jährige. Essen will er künftig nicht mehr anbieten. Aber Fußball wird weiter gezeigt. Und geraucht werden darf ebenfalls.

Frankfurt: Gäste traurig über Schließung von "Zum Deutschen Michel"

„Den runden Tisch nimmst du aber nicht raus, oder?“, fragt Groß. An diesem sitzt eine kleine Gruppe vor ihren halbvollen Gläsern. Sie arbeiten um die Ecke. „Wir verbringen hier oft unseren Feierabend“, sagt Lothar Brenndörfer. Das Essen sei lecker und das Bier schmecke gut, die Preise seien für Frankfurt sehr human.

 „Schade, dass der Deutsche Michel schließt.“ Denn auch die Stimmung sei lustig. „Egal wie schlecht der Tag gelaufen ist, hier kommt man runter.“ Gemütlich und entspannt, wie das Personal, von dem höre man nie ein böses Wort. Brenndörfer kommt seit vielen Jahren. Auch mit seinem Sohn, „der ist praktisch hier aufgewachsen“.

Das Ende des Deutschen Michels bedeutet nicht, dass Margit Groß sich zur Ruhe setzen will. Sie macht weiter, in ihrem anderen Lokal, dem „Fennischfuchser“ an der Mainzer Landstraße 95 – dort arbeitet auch ihre Tochter.

Zum Deutschen Michel, Gutleutstraße 139, Telefon 23 29 28, geöffnet 11 bis 1 Uhr, sonntags Ruhetag. Zur Eröffnung der Biertonne am 2. Januar gibt es Live-Musik, die Feier beginnt voraussichtlich um 16 Uhr.

Von Judith Köneke

Das Café Paris auf der Freßgass' in Frankfurt macht dicht* – nach wenig mehr als einem Jahr. Dabei hatte alles so gut begonnen.

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