Draußen haben Cafés und Restaurants jetzt viel Platz, aber auch drinnen sollen nun mehr Menschen sitzen können.  
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Draußen haben Cafés und Restaurants jetzt viel Platz, aber auch drinnen sollen nun mehr Menschen sitzen können.  

Gastronomie

Frankfurt: Gastronomen sind erleichtert

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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  • Helen Schindler
    Helen Schindler
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Restaurant- und Cafébesitzer freuen sich, dass sie ab heute mehr Gäste empfangen dürfen. Trotzdem bleibt die Lage für viele schwierig.

Ab jetzt wird es besser“, sagt Paolo Cimino von der Pizzeria Paolo in Bockenheim erfreut. Denn vom heutigen Donnerstag an fällt die sogenannte Fünf-Quadratmeter-Regel weg, nach der Restaurants und Cafés nur einen Gast pro fünf Quadratmeter Fläche empfangen durften. Wie die hessische Landesregierung am Dienstag verkündete, sollen alle anderen Corona-Regeln wie der Abstand von eineinhalb Metern aber weiterhin gelten.

Für Cimino bedeutet die Änderung, dass er nun wesentlich mehr Gäste bewirten darf. „Für uns war das schade. Es lohnt sich nicht, 100 Prozent da zu sein für 20 Prozent des Umsatzes.“ Im größeren Raum der Pizzeria gibt es eigentlich 70 Sitzplätze, zuletzt durften dort aber nur 16 Menschen sitzen. Cimino schätzt, dass ohne die Fünf-Quadratmeter-Bestimmung 50 Gäste mit Abstand sitzen können.

Sevil Erdinc-Cakici, Inhaberin des Café Roseli in der Innenstadt, erklärt die Absurdität der nun abgeschafften Vorgabe: „Die Regel hat der anderen Regel, dass zwei Familien gemeinsam kommen dürfen, widersprochen. Zum Beispiel musste ich am Samstag eine Vierergruppe wegschicken, weil schon zwei Familien mit insgesamt acht Personen an einem Tisch saßen“, erzählt sie. Denn insgesamt durfte sie in ihr knapp 50 Quadratmeter großes Café nur neun Leute reinlassen. „Das tut weh in dieser Situation.“ An wie vielen Tischen jetzt Menschen sitzen dürfen, weiß sie noch nicht. „Ich muss noch ausmessen.“

Auch Alexander Grund, Mitinhaber des Ebbelwoi Unser in Sachsenhausen, freut sich. Bisher hatte er sein Apfelweinlokal geschlossen gelassen, ab dem morgigen Freitag macht er wieder auf. Trotzdem sei es schwierig für sein Lokal, denn an den großen Tischgruppen im Ebbelwoi Unser kommen normalerweise viele verschiedene Hausstände zusammen. Das sei nun, unter Einhaltung der Abstandsregeln, nicht machbar. So könne man lediglich 40 bis 50 statt bis zu 140 Menschen bedienen, sagt Grund. Deshalb bleibe mehr als die Hälfte des Restaurants leer.

Freude und Erleichterung

Die Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) hat den Wegfall der Fünf-Quadratmeter-Regel mit „Freude und Erleichterung“ zur Kenntnis genommen. „Der Wegfall dieser hessischen Regelung ist ein Erfolg“, sagt Madjid Djamegari, Vorstand der IGF. Seine Vereinigung hatte die Verordnung – die es nur in Hessen gab – von Anfang an scharf kritisiert. Unter diesen Bedingungen sei ein kostendeckender Betrieb unmöglich. Viele Gastronomen hatten ihre Restaurants daher gar nicht erst wiedereröffnet.

Stellvertretend für die Initiative hatte das Frankfurter Restaurant Vaivai vorige Woche per Eilantrag beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel Klage gegen die Regelung eingereicht. „Wir hatten guten Grund zu der Annahme, dass das Gericht diese willkürliche Regel in der Verordnung kippt“, sagt Djamegari. Man sei nun aber froh, dass die Landesregierung dem Urteil zuvorgekommen sei. Gastronomen in Hessen könnten wieder ein wenig zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Dennoch mahnt sein Vorstandskollege Goran Petreski, die Gastronomie sei noch nicht über den Berg. Er hofft auf weitere Hilfsangebote für die Branche.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Frankfurt begrüßt die Entscheidung ebenfalls. „Es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagt Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Dehoga Frankfurt. „Dass der Abstand von eineinhalb Metern weiter gelten muss, ist logisch.“ Trotzdem seien die Betriebe von der Wirtschaftlichkeit weit entfernt.

„Wegen der Hygienemaßnahmen wird mehr Personal gebraucht, wegen der Abstandsregeln und weil die Gäste noch zögern, wird aber weniger Umsatz gemacht“, sagt Junghans. Laut Dehoga liegt der Umsatz momentan bei 30 bis 50 Prozent im Vergleich zu früher. Auch der Dehoga fordert einen Rettungsfonds.

Denn noch längst nicht alle Lokale können wieder öffnen. Die kleine Bar Old Fritz im Frankfurter Ostend ist momentan geschlossen und das wird wohl auch erst mal so bleiben. Trotz Wegfall der Lockerung sei eine Öffnung nicht wirtschaftlich, sagt Besitzer Yuka. Normalerweise quetschen sich in die 70 Quadratmeter große Bar an Wochenenden bis zu 50 Menschen – derartige Szenen sind momentan nicht vorstellbar.

Wie viele Gäste nun unter Wahrung des Mindestabstands in die Räumlichkeiten passten, müssten er und sein Team durchspielen, sagt Yuka. Das Motto: „Wir verändern uns mit der Situation.“ Wann und wie es weitergehe, stehe noch nicht fest.

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