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Jan M. (Mitte), hier mit seinen Anwälten Gabriele Bender-Paukens und Hans Euler, bestreitet jegliche Tatbeteiligung.

Mord im Niddapark

Frankfurt: Gastronom streitet Mord an Geschäftspartnerin ab

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Der angeklagte Gastronom Jan M. streitet ab, seine Geschäftspartnerin Irina A. im Niddapark ermordet zu haben. Am Dienstag begann unter großem Andrang der Prozess vor dem Frankfurter Landgericht.

Der Angeklagte betritt den Saal mit dunkelgrauer Hose und weißem Hemd. Als ihn der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan nach seinem Geburtsdatum fragt, flüstert er eher. Auf die Frage, ob es korrekt sei, dass er momentan in der JVA I in Preungesheim einsitze, kommt ein knackiges „Jawoll“. Dann sagt Jan M. für sehr lange Zeit nichts mehr. Das Wort haben jetzt Staatsanwaltschaft, seine Verteidiger und der Vorsitzende Richter.

Seit Dienstag muss sich der 51-Jährige vor dem Frankfurter Landgericht für den Mord an der 29-jährigen Irina A. verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Gastronomen vor, seine Geschäftspartnerin heimtückisch und aus Habgier mit mindestens 21 Messerstichen getötet zu haben. M. soll die junge Frau am Abend des 8. Mai unter dem Vorwand, dass sie nun endlich ihr Geld zurückerhalten werde, zum Treffen mit einem Geldgeber in den Niddapark bestellt haben. Die Anklage wirft M. zudem Betrug und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit seinem Unternehmertum vor. Angesichts des Mordvorwurfs zwar eher zu vernachlässigen, doch der Staatsanwaltschaft geht es darum nachzuweisen, dass die finanzielle Lage des vielfach engagierten Gastronomen nicht sonderlich rosig war und Habgier für ihn daher durchaus ein Motiv gewesen sein könnte.

Waffe auf einer Grünfläche deponiert

Der Anklagevorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes dürfte dazu dienen, den seriösen Anstrich des gelernten Bankkaufmanns zu erschüttern. Seine halbautomatische und mit sechs Schuss geladene Pistole habe er vor seiner Festnahme in unmittelbarer Nähe seiner Penthouse-Wohnung im Westend auf einer Grünfläche deponiert, die an den Hinterhof der Bettinaschule grenzt. Ein Mitarbeiter des Grünflächenamts hatte die Waffe in der Woche nach dem Mord gefunden.

Die Verteidigung konzentriert sich indes auf den Vorwurf des Mordes. Das erscheint angesichts der Blutspuren, die M. in Tatortnähe hinterließ, schwer genug. Das Mandat für den 51-Jährigen hatten vor seinen jetzigen schon drei weitere renommierte Verteidiger. Verteidiger Hans Euler verliest für seinen Mandanten eine zehnseitige Einlassung, in der sich M. für unschuldig erklärt. „Ich habe Irina nicht umgebracht oder etwa umbringen lassen“, heißt es zu Beginn. Kennengelernt habe er sie vor sieben, acht Jahren über eine gemeinsame Bekannte. Jene Stanislava T., die zwei Tage nach dem Mord bei der Polizei vorstellig wird und M. belastet und die von der Verteidigung nun selbst als mögliche Täterin ins Spiel gebracht wird. 

Die Gerichtsakten zum Prozess gegen Jan M. bieten viel Lesestoff.

Die Einlassung schildert dezidiert wie M. den Tag vor der Tat und den Tattag erlebt habe. So sei er am Tag zuvor auf Wunsch der 29-Jährigen mit ihr im Niddapark gewesen, um dort auf einen dubiosen Geschäftsmann zu warten, der nicht kam. Am Tattag selbst habe er sie nicht gesehen, obwohl sie sich erneut mit ihm habe treffen wollen. Erst nachts um drei Uhr, als er nicht habe schlafen können, sei ihm aufgefallen, dass er nichts mehr von ihr gehört habe. Mit seinem Motorrad sei er in den Niddapark gefahren, um nach Irina zu suchen und habe diese schließlich tot aufgefunden. Er habe dann den Entschluss gefasst, seine Anwesenheit im Park zu verschweigen. „Ich hatte einfach Angst, ich könne mit dem Tod von Irina in Verbindung gebracht werden“, heißt es in der Einlassung. Die Angst war berechtigt.

Geld für „Feuerwerk“ gegeben

Als erster Zeuge wird schließlich der Ermittler David S. gehört. Der 40 Jahre alte Polizeibeamte der Mordkommission hatte die erste Vernehmung M.s vorgenommen, an dessen Ende der Tatverdächtige eine freiwillige Speichelprobe abgab. S. schildert zunächst, dass am Tatort „klare Tropfspuren“ gefunden worden seien, die später M. zugerechnet wurden. In der Vernehmung habe M. zunächst eine halbe Stunde lang über seine Beziehung zu Irina A. monologisiert. Sie sei „ein wildes Pferdchen“ gewesen, er hingegen ihr väterlicher Freund, der ihr häufig Geld für „Feuerwerk“ gegeben habe. Eine Umschreibung für Kokain.

Recht bald in der mehrstündigen Vernehmung am Dienstag kommt auch die finanzielle Situation des Angeklagten zur Sprache. Nach eigenem Bekunden bezifferte er in dem Verhör sein jährliches Nettoeinkommen auf 140 000 Euro. Beim Verkauf des First Inn, jenes mehr schlecht als recht laufenden Ladens auf der Freßgass’, seien 280 000 Euro hängengeblieben, je 140 000 Euro für ihn und seine Geschäftspartnerin. A. habe ihn jedoch gebeten, ihren Anteil erst mal zu behalten. „Wenn ich es habe, gebe ich es eh gleich aus“, soll A. zu M. gesagt haben. Zum Zeitpunkt des Mordes habe A. ihren Anteil aber vollständig ausbezahlt bekommen, sagt die Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft ist anderer Ansicht. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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