Reifen-Doktor Manni.
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Reifen-Manni

Frankfurt-Gallus: Der Winterreifen-Prophet zieht weiter

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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„Reifen-Manni“ Ehrhardt hat das Gallus verlassen, um in Niederursel weiterzumachen - mit 83 Jahren. Seine Fähigkeiten sind legendär.

Frankfurt - Die Winterreifen müssten bei den Autofahrern jetzt mal drauf, es wird höchste Zeit. Aber: Wo ist denn der Reifen-Manni? Eine Zeit lang war er wie von der Werkstattgrube verschluckt, der skurrile Schrauber aus der Hellerhofstraße. „Ich hab gehört, er kommt morgens schon noch rein“, sagte die Frau am Kiosk im September, „aber was los ist, weiß ich auch nicht.“ Die Schilder draußen: alle abmontiert. Auch im Autozubehör-Shop auf der Frankenallee wusste bis Oktober niemand was.

Dann ging er endlich ans Telefon. „Hallo?“ – „Ja, hallo! Gibt’s Sie noch?“ – „Na klar!“

Ehrlich gesagt: So klar war das nicht, denn der Reifen-Manni, eigentlich Manfred Ehrhardt, ist nicht mehr der Jüngste, bei allem Respekt. Der Mann ist 83.

Reifen-Manni aus dem Gallus ist umgezogen

Normalerweise würde man als Werkstattbesitzer in dem Alter vielleicht sagen: Gut, ich hatte ein ausgedehntes Arbeitsleben, so langsam könnte ich es mir ja mal gemütlich machen. Die Füße hochlegen. Besonders, wenn man größere Umstände in Kauf nehmen muss, um weiterzuarbeiten. Auch wenn er an alter Wirkungsstätte schon durchaus mal die Füße hochlegte, am Vormittag, und eine Mütze voll Schlaf nahm.

„Nee, ich bin doch umgezogen mit dem Geschäft“, sagt der Reifen-Manni bestens gelaunt. „Heddernheimer Landstraße 140. Immer die Rosa-Luxemburg-Straße hoch, am Nordwestzentrum rechts raus, die übernächste wieder rechts, können Sie gar nicht verfehlen.“

Reifen-Manni im Gallus: Vom Boxer zum Reifen-Fachmann bis zum Philosophen

Wer Manfred Ehrhardt kennt, der vermutet gleich, dass er da wieder seinen Punching Ball montiert hat. Der Mann ist ja nicht nur Reifenfachmann, er hat auch geboxt früher, und zumindest vor vier Jahren hatte er noch einen ordentlichen Wumms. Er war aber nicht nur Boxer, er hat Tankwart gelernt, er war auch Taxiunternehmer, und er war vor allem: Philosoph. Und Prophet. Einmal weissagte er dem CDU-Politiker Walther Leisler Kiep einen drohenden körperlichen Angriff, weil er in der Zeitung gelesen hatte, der Mann habe seinen Mantel vergessen. Schlechtes Omen. Zwei Wochen später gab es einen Anschlag. Kiep geschah aber nichts.

Was macht ein Mann mit solchen Fähigkeiten? Er schrieb an die Regierung, an den Papst, Briefe über Briefe. „Ich hab halt Wissen, das hat kein Mensch auf der Welt“, sagte er einmal. Das meiste wollten Regierung und Papst offenbar nicht für bare Münze nehmen. Das haben sie nun davon. Andererseits: Vielleicht besser so, wenn nicht alles in die Tat umgesetzt wird, was „Manni, der Reifendoktor“ (Selbstbeschreibung) so ausheckt. Seine politischen Ansichten waren schon immer ein wenig speziell.

Warum der Umzug gen Norden? „Das Gelände im Gallus ist verkauft“, sagt er. „In Frankfurt brauchen sie doch jetzt überall Platz, um Häuser zu bauen.“ Er lacht. „Und das Gelände hier ist groß, da könnte man einen Fußballplatz drauf bauen.“

Was denn nun mit Winterreifen sei, will Manfred Ehrhardt wissen. Nee, die Zeiten sind vorbei, keine Winterreifen mehr nötig. Ach so, sagt er. „Aber wenn Sie mal Probleme haben, können Sie herkommen.“ Mal sehen. An den gegenwärtigen Problemen wird wohl selbst der Reifen-Manni nicht viel ändern können.

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