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Frankfurt, Gallus: Wilde Natur in der Stadt erleben

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Grünes Refugium für alle Sinne am Mehrgenerationenhaus im Gallus. Foto: Rolf Oeser
Grünes Refugium für alle Sinne am Mehrgenerationenhaus im Gallus. Foto: Rolf Oeser © Rolf Oeser

Zum Hessischen Tag der Nachhaltigkeit eröffnet im Gallus ein grünes Refugium für alle Sinne

Es hat sich etwas getan auf einer der Grünflächen im Gallus. Zwischen den Häuserreihen an der Ecke Frankenallee und Schneidhainer Straße ist ein Naturerfahrungsraum entstanden, der nun zum 7. Hessischen Tag der Nachhaltigkeit eröffnet wurde.

Dem beengten städtischen Raum geschuldet ist die neue Grünfläche nicht sehr groß, dennoch steckt viel dahinter. Denn der Bereich sticht heraus zwischen den gewöhnlichen Grünstreifen, die meist nur etwas Rasen und den einen oder anderen Baum zwischen Straße, Parkplätzen und Gehwegen vorweisen können.

Dort, wo lange Zeit nur eine solche flache, stets gemähte Rasenfläche war, ist nun ein Ort mit unterschiedlichsten Oberflächen, verbauten Materialien, Erhöhungen und Bepflanzungen entstanden. Ein Ort, an dem sich frei bewegt werden darf und die Natur mit allen Sinnen erfahrbar gemacht werden soll.

Maßgeblich verantwortlich dafür ist der Verein „Kinder im Zentrum Gallus“, dessen Mehrgenerationenhaus und der schon seit mehreren Jahren gehegte Gallusgarten nur wenige Schritte entfernt sind. Die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Vereins, Jessica Wiegand, wünscht sich, dass neben dem Verein selbst, der die neu gestaltete Fläche für verschiedene Veranstaltungen und Aktionen nutzen möchte, vor allem auch Familien aus dem Viertel das Areal entdecken. „Hier dürfen die Steine auch wandern, und die Hölzer dürfen herumgetragen werden“, sagt Wiegand und erläutert weiter, dass es im Naturerfahrungsraum darum gehe, nicht alles starr an Ort und Stelle zu belassen, sondern mit der Natur – speziell der wilden – umgehen zu lernen.

Die Expertise zur Planung der Fläche brachte die Naturgartengestalterin Sabine Kohlstadt mit in das Projekt ein. Ihr sei es ein Anliegen gewesen, durch die Umsetzung die Wertschätzung für Wildpflanzen bei den Menschen in der Stadt zu stärken, sagt sie: „Ich sehe es hauptsächlich als bildungspädagogisches Projekt.“

Denn der Beitrag zur Biodiversität sei zwar sicherlich vorhanden, aber für das große Ganze doch eher marginal. Es sei zwar schön, wenn sich ein paar Insekten oder Vögel ansiedeln würden, die dort zuvor kaum Raum hatten, aber eine Arche für Wildbienen beispielsweise würde die Fläche wahrscheinlich nicht werden. Aber sie sei schon froh, wenn sich zumindest ein paar Insekten fort wohlfühlten.

Kohlstadt möchte, wie sie sagt, „die Wildpflanzen aus der Schmuddelecke holen“. Viel zu oft erlebe sie, dass Menschen in ihren Gärten alle Arten von heimischen Wildpflanzen herausrissen, weil sie nicht wüssten, welche nützlichen Funktionen diese für Natur und Mensch haben. Im Naturerfahrungsraum sei nun die Saat für einen Ort gelegt, der sich ab jetzt frei entfalten dürfe. Die Natur einfach kommen lassen und dann entscheiden, wie man damit umgehe, sei ihr Ansatz für den neu geschaffenen Ort.

So gibt es im Naturerfahrungsraum verschieden angelegte Bereiche, die zwar jetzt noch an Beete erinnern, aber in Zukunft verwildern sollen. An einer Seite der Fläche reiht sich eine Altholzinsel an ein Steinlager; beides soll Lebensraum für verschiedene Insektenarten schaffen, aber natürlich auch beklettert und verändert werden können. Die hier verbauten Materialien, also Steine, Holz und Pflanzen, stammen alle aus der Region. Weiter hinten auf der langgezogenen Fläche wurde außerdem ein Heckenversteck angelegt, in dem aus Sträuchern eine Art Höhle entsteht, die ebenfalls benutzt und erfahren werden soll.

„Ich hatte keine bestimmte Altersgruppe im Kopf bei der Planung“, stellt Kohlstadt klar. Hier könne sowohl der Opa etwas für sich mitnehmen als auch das Kleinkind.

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