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Von Glasflaschen wird der Boden abgetrennt und aus den Teilen Lampen gefertigt.

Gallus

Frankfurt-Gallus: Gurkengläser als Solar-Leuchten

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Selbstgemachtes zur Ressourcen-Schonung im Mitmach-Labor des Vereins Umweltlernen. Anfang kommenden Jahres zieht der Verein in Räume an der Mainzer Landstraße.

Das hatten sich Sara und Tasnim ganz anders vorgestellt. Beim „Mitmach-Labor Klima und Energie“, das der Verein Umweltlernen am Samstagnachmittag im „Stadtraum Frankfurt“ an der Mainzer Landstraße veranstaltet, legen die meisten Besucher selbst Hand an.

Im Erdgeschoss eines Bürogebäudes unweit der Galluswarte, in dem auch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten untergebracht ist, basteln Kinder und Erwachsene an 15 Stationen etwa Solar-Leuchten aus Gurkengläsern und Geschenk-Anhänger aus selbstgeschöpftem Papier. Einige probieren sich in Experimenten zu Licht und Stromverbrauch. „Ich dachte, einer steht vorne und redet nur“, sagt die elfjährige Tasnim erfreut. Auch ihrer Cousine Sara hat sich glücklicherweise geirrt: „Ich dachte es wird langweilig.“

Stattdessen sitzen die beiden Mädchen schwer beschäftigt nebeneinander an einem Tisch. Sie schleifen die Kanten von Flaschen stumpf, die sie zuvor mit einem Glasschneider durchschnitten und im Heiß- und Kaltwasserbad endgültig vom Hals getrennt haben. Daraus sollen Windlichter entstehen, die sie ihren Müttern schenken wollen. „Das hat mit viel Geduld zu tun“, sagt die 13-jährige Sara, während sie über den Glasrand fasst und erneut zum Schleifpapier greift.

Mutter Dreifa, die ohne Nachnamen genannt werden möchte, freut sich schon auf das Ergebnis. „Selbstgemachtes ist immer besser als Gekauftes“, sagt die 41-Jährige: „Dann traut man sich auch nicht so schnell, es wegzuschmeißen.“ Mit einer Tasse Kaffee in der Hand schaut sie den Mädchen zu. Die 47 Kaffeebohnen, die man dazu pro Tasse benötigt, habe sie aus einem Körbchen mit anderen Samen eigenhändig vorsortiert, mit einer kleinen Maschine elektrisch geröstet, sodann mit einer Mühle handgemahlen und per Filter-Verfahren aufgebrüht.

Dieser „Kaffee-Parcours“, wo es verführerisch duftet, und den der Umweltlernen-Verein vom „Zentrum Oekumene“ in Hausen ausgeliehen hat, ist auch eine Station an diesem Nachmittag. Vereinsmitglied Ludwig Haas sagt, so sollten sich die Besucher „Gedanken machen über ihren täglichen Kaffee-Konsum und ein Stück weit erleben, welche Mühe dahinter steckt“. An der Station nebenan qualmt es, hervorgerufen durch die Lötkolben, mit denen LED-Lämpchen auf Platinen gelötet werden, die dann ein ausgedientes Gurkenglas erleuchten sollen. Die Energie, die in einem Akku gespeichert wird, kommt von einer kleinen Solar-Platte, die auf den Deckel des Glases geklebt wird.

An einer weiteren Station sitzt Jacob mit einer Helferin zusammen und hält eine Kartoffel in der Hand. In eine Seite ist ein Stern geschnitzt, den er in Farbe tunkt. Mit dieser Kartoffeldruck-Technik presst der Sechsjährige Muster auf eine Pappschachtel. „Die ist für meine Oma“, sagt er. Kirsten Allendorf vom Verein Umweltlernen sagt: „Die Idee ist, dass Familien mit Handlungsoptionen nach Hause gehen, wie sie selbst dazu beitragen können, den Planeten und das Klima zu schonen.“

Anfang kommenden Jahres soll der Verein übrigens fest in die Räume an der Mainzer Landstraße einziehen, um dort regelmäßig seine Seminare, Lernfeste und -werkstätten anbieten zu können.

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