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Vorne die Wippe, hinten – etwas versteckt – das Buffet.

Gallus

Ein Fest mit den neuen Nachbarn

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Monikahaus eröffnet Wohngruppe für alleinerziehende geflüchtete Frauen und ihre Kinder.

Kinder sitzen auf der Wippe, am Buffet bedienen sich die Gäste an Sate-Spießen, Kuchen und Linsensuppe, eine Trommelgruppe musiziert, an einem Stand schreiben Besucher auf, was für sie Nachbarschaft bedeutet – mit einem Nachbarschaftsfest hat das Monikahaus an der Kriegkstraße sein neuestes Angebot vorgestellt: eine Wohngruppe für geflüchtete alleinerziehende Frauen mit Kindern.

Auf 300 Quadratmetern wohnen dort sechs Frauen im Alter von Anfang 20 bis Mitte 30, mit insgesamt zehn Kindern. Zwei davon sind Säuglinge, zwei sind ein Jahr alt, fünf gehen in den Kindergarten. Hinzu kommt eine Achtjährige. „Und einer der Frauen ist derzeit schwanger“, sagt Birgit Bertelsmann, die die Wohngruppe leitet.

Sie erklärt auch, warum sich der Sozialdienst katholischer Frauen, der für das Monikahaus als Trägerverein verantwortlich ist, für das Konzept der Mutter-Kind-Gruppe mit Fokus auf ganz kleine Kindern verständigt hat. „So werden die Mütter stärker gefordert, sich selbst zu entwickeln. Denn sie müssen gleichzeitig für die Entwicklung ihrer Kinder sorgen“, sagt Bertelsmann.

Dabei werden Mütter und Kinder aber nicht alleine gelassen. Durch sozialpädagogische Fachkräfte gibt es Beratungen, sie begleiten das Zusammenleben der Bewohnerinnen und entwickeln Angebote zur beruflichen und freizeitpädagogischen Integration. So soll eine „Entwicklung hin zu mehr Selbstbestimmung“ gefördert werden, beschreibt es die Leiterin. Ziel sei es, sie in eine positive und gelingende Zukunft zu führen“, fasst es Brigitte Weber, Vorstandvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen, zusammen.

Zwei Jahre sind als Ideal gesetzt, bis die Frauen so weit sein sollen, in eine eigene Wohnung zu ziehen. „Doch beim derzeitigen Wohnungsmarkt in Frankfurt wird das mehr als schwer“, gibt Bertelsmann zu.

Und so konzentrieren sich die Bemühungen darauf, die Frauen in Kontakt mit den Anwohnern zu bringen. So wie gestern beim Fest im Hof der Einrichtung. Die Frauen haben seit dem Vorabend gekocht und das Buffet mit den Speisen erweitert. Sie mischen sich unter die Leute, bleiben aber noch etwas scheu am Rand.

Dafür genießen die Gäste das Beisammensein und loben den ersten Schritt hin zu mehr Annäherung unter Nachbarn. Egal, wen man fragt: Sie alle sind sich sicher, dass die Integration gelingt. Die Neugier auf die neuen Nachbarn ist da, „und in einer Stadt wie Frankfurt klappt das alles eh immer leichter als anderswo“, sagt ein Besucher.

Auch von der Stadt ist eine Vertreterin da, Katrin Wenzel von der Stabsstelle Unterbringungsmanagement und Flüchtlinge. Sie erklärt, dass die Frauen bis zuletzt in städtischen Unterkünften gewohnt hatten. Die aber standen nicht mehr zur Verfügung. Da passte es, dass die Verantwortlichen des Monikahauses auf die Stabsstelle zukamen, mit der Idee, leerstehende Räume in ihrer Einrichtung wieder nutzen zu wollen.

Aktuell seien noch rund 4900 Geflüchtete auf eine Unterbringung durch die Stadt angewiesen, darunter knapp 250 alleinerziehende Frauen mit fast 400 Kindern. Mit einer Wohngruppe wie der im Monikahaus ist zumindest für sechs Frauen eine Lösung gefunden.

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