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Große Gala- und Kostümsitzung der „Krätscher“ im Saalbau Ronneburg: Eva Kumant singt.

Fastnacht in Frankfurt

Galasitzung der Frankfurter „Krätscher“ begeistert auch Fastnachtsmuffel

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Ausverkaufte Galasitzung der „Krätscher“ begeistert auch die, die früher Fastnachtsmuffel waren.

Schon beim Einmarsch der Karnevalisten wird klar: Am Samstagabend dominieren die jungen Tänzerinnen und Tänzer bei der Sitzung des Carneval- und Tanzsportclubs „Die Krätscher“. In Fünferreihen stehen die Akteure hintereinander auf der rappelvollen Bühne und begrüßen das Publikum. Aus den vorderen Reihen winken die Tanzgruppen. Knapp 300 Zuschauer sitzen an Tischen im ausverkauften Saalbau Ronneburg. Die meisten von ihnen haben sich verkleidet.

Mit den „Sweet Diamonds“ zeigen gleich zu Beginn die Jüngsten ihr Können und reißen das Publikum mit. Zu donnernden Technobeats springen die drei Jungen und 13 Mädchen in meist synchronen Tanzschritten über die Bühne.

Fast ein Jahr hätten die „Minis“, deren jüngste Mitglieder erst vier Jahre alt sind, für ihren Auftritt geübt, seien sogar ein paar Tage im Trainingslager gewesen, berichtet Trainerin Andrea Vay. „Mal ernst, mal spielerisch, mit Spaßtänzen“, habe sie ihre Truppe vorbereitet, sagt Vay. Sie steht im ersten Stock des Saalbaus, im Flur vor den Umkleideräumen und dirigiert ihre Schützlinge, während sich die Älteren – im Tanzdress und üppig geschminkt – aufwärmen, mit Gummibändern dehnen und Spagate einüben. Der Geruch von Haarspray liegt in der Luft, das noch auf die eine oder andere Frisur gesprüht wird.

Jacqueline Hansch, Tänzerin und Trainerin, hat gerade ihren Soloauftritt mit einem Radschlag beendet. Die 25-Jährige ist außer Puste. Nach kurzem Durchschnaufen sagt sie: „Das Gefühl, auf der Bühne zu stehen, ist unbeschreiblich“. Dafür habe sich die neunmonatige Vorbereitung gelohnt. Mit ihrer Tanzgruppe, den „Diamonds“, tanzt sie auf Turnieren des Deutschen Verbands für Garde- und Schautanzsport in der zweiten Bundesliga.

Dem elfjährigen Tim gefällt am Tanzen, „auch mal im Mittelpunkt zu stehen“, obwohl das sonst nicht so sein Ding sei. Seine Mutter und Geschwister tanzen ebenfalls im Verein. Mit vier Jahren habe er zum ersten Mal mitgemacht. Dann muss er schon weiter: umziehen für den nächsten Auftritt.

Ausgelassenes Tanzen vor der Bühne

Von der hektischen Betriebsamkeit draußen bekommt das Publikum im Saal wenig mit. Dort heizt ihm Musikerin Eva Kumant mit Trompete und Akkordeon ein. Einige hält es nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie tanzen ausgelassen vor der Bühne. Die etwas steife Sitzordnung wird so aufgebrochen und die Szenerie wirkt ausgelassener.

André und David Dulc, die in Ganzkörperkostümen von Einhorn und Wolf stecken, berichten, sie hätten sich früher nicht für Fastnacht begeistern können. Die beiden Brüder sind durch Andrés Partnerin zu der Sitzung gekommen, die, ebenso wie ihre Kinder, im Verein tanze. „Die Stimmung ist gut und die Kinder haben gut getanzt“, sagt der 28-Jährige und fügt hinzu: „Früher war ich Faschingsmuffel und skeptisch, was mich erwartet“. In diesem Jahr sei er das dritte Mal dabei und überzeugt, erstmals mit seinem Bruder sogar kostümiert. Der wird im Nu von einer Polonaisegruppe bei den Schultern gepackt und durch den Saal gezogen.

An einem der hinteren Tische sitzt eine Gruppe von Frauen, die als Nonnen verkleidet sind. Sie seien Mitarbeiterinnen einer Kita am Dornbusch und unterstützten ihre Kollegin, die heute hier mit den Diamonds auftrete, berichten sie.

„Akrobatisch, turnerisch und tänzerisch“, so findet Annika Schmidt die Darbietungen. Sie sei selbst Turnerin, fügt sie hinzu. „Ich find’s schön“, sagt die 25-Jährige, die zum ersten Mal dabei ist und Fastnacht sonst nur in der alemannischen Variante aus ihrer badischen Heimat kennt.

Ihre 62-jährige Kollegin Geli Müller, die als gebürtige Kölnerin den Karneval liebt, sagt: „Ich bin nicht so ein Vereinsmensch, aber es ist bemerkenswert, wie viele Leute das hier auf die Beine stellen“.

Insgesamt 80 Menschen wirken vor und hinter der Bühne mit, davon 50 Tänzer. „Viele Aktive, von Klein bis Groß, sorgen dafür, dass der Saal tobt“, sagt Anne Retsch, eine der drei Moderatoren des Abends, die kurz hinter die Bühne geeilt ist. Kurz darauf muss sie schon wieder vor, um den nächsten Programmpunkt anzusagen.

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