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Der Gabenzaun am Merianplatz im Frankfurter Nordend wird rege genutzt. In dem Regal spenden Bürger Kleidung, Hygieneartikel und Lebensmittel für Hilfsbedürftige.

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Frankfurt in der Corona-Krise: Gabenzäune sorgen für Streit und Kritik

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An den Gabenzäunen hängen Tüten mit Kleidung, Hygieneartikel und Lebensmittel für Hilfsbedürftige. Die Stadt Frankfurt lehnt die Spendenaktion jedoch ab. 

  • Stadt Frankfurt kritisieren Gabenzäune
  • Linke und SPD sehen ein anderes Problem für Bedürftige
  • Corona-Krise erschwert Leben von Obdachlosen

Die Corona-Zeit ist auch die Zeit des Helfens, des Engagements, der Solidarität. Um eine Art der Hilfe aber gibt es in Frankfurt eine Diskussion: Gabenzäune. Dort können Bürger Tüten mit Lebensmitteln, Sanitärartikeln oder warmer Kleidung anonym anhängen oder in Kisten legen, bedürftige Menschen nehmen sie sich dann weg – das alles geschieht ohne direkten Kontakt zwischen den Menschen. Die Stadt rät von dieser Art der Unterstützung ab, was nicht alle verstehen können.

Einer dieser Gabenzäune stand Ende März in Preungesheim. Die Diakonie stellte einen Zaun am Stadtraum in der Homburger Landstraße auf. Laut einer Sprecherin der Diakonie war die Resonanz überschaubar. Nur rund um Ostern sei mehr los gewesen.

Stadt Frankfurt sieht „nicht hinzunehmende Bloßstellung“

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt Frankfurt aber bereits eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie von Gabenzäunen abrät. Diese seien „kein probates Mittel zur Unterstützung hilfebedürftiger Menschen“.

Zum einen sprächen ethische Gründe gegen die Aktion. Hilfebedürftige Menschen würden „geradezu genötigt, ihre Mittellosigkeit vor den Augen der Öffentlichkeit zu offenbaren“, heißt es. Diese „nicht hinzunehmende Bloßstellung notleidender Menschen“ gelte es zu verhindern.

Zum anderen sprächen hygienische Aspekte gegen die Zäune, da Lebensmittel bei hohen Temperaturen schnell verderben könnten.

Linke und SPD kritisieren Stadt Frankfurt

Die Diakonie hat auf die Stellungnahme reagiert und das Projekt Gabenzaun in Preungesheim für beendet erklärt. „An Stelle dessen setzen wir vor allem auf Spenden und die vermehrte kostenlose Ausgabe von Lunchpaketen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe“, erklärt die Preungesheimer Quartiersmanagerin Rabab Flaga dazu.

Verständnis für die Sichtweise der Stadt hat aber nicht jeder. Etwa die Fraktion der Linken im Römer. „Nicht die Gabenzäune sind das Problem, sondern die Abhängigkeit vieler Menschen von Gaben“, findet Fraktionsvorsitzende Dominike Pauli.

Auch der SPD-Ortsverein Sachsenhausen spricht sich für einen Erhalt der Gabenzäune während der Corona-Pandemie aus. Über die Aussagen der Stadt sei man schockiert gewesen. Im Moment „können die Tafeln und zahlreiche weitere Hilfsdienste nicht wie gewohnt angeboten werden“, sagt Jelena Rothermel, stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins. Die Gabenzäune seien für viele Menschen derzeit der einzige Weg, Lebensmittel, Hygieneartikel oder Kleidung zu erhalten. „Die Stadt hat es bisher nicht geschafft, eine adäquate Versorgung Bedürftiger sicherzustellen.“ Umso zynischer sei es deshalb, nun auch das private Engagement der Bürgerinnen und Bürger infrage zu stellen.

Frankfurt: Gabenzäune im Nordend und Rödelheim

Und längst nicht alle folgen der Empfehlung der Stadt. Das Ordnungsamt habe zwar keine weiteren Meldungen über Gabenzäune bekommen, wie ein Sprecher bestätigt. Aber wer durch die Stadt fährt, sieht sie noch hier und dort.

Zum Beispiel in der Nähe der U-Bahn-Station „Merianplatz“ im Nordend, wo noch am Mittwoch ein Regal mit allerlei Kleidungsstücken gefüllt war. Oder in Rödelheim, sowohl vor dem autonomen Zentrum die Au als auch am linken Zentrum Centro in der Straße Alt-Rödelheim.

Die Motivation, an den Gabenzäunen festzuhalten, zeigt beim Centro ein entsprechender Aushang. Der Zaun richte sich „vor allem an Menschen, für die es jetzt durch Corona noch schwieriger geworden ist, sich mit dem Nötigsten zu versorgen“. Damit sind unter anderem Wohnungslose und Menschen ohne gesicherten Aufenthalt gemeint.

Dem Hygiene-Argument der Stadt stellt der Aufruf des Centro – wie bei vielen anderen Gabenzäunen auch – einen zentralen Satz entgegen: „Bitte spendet keine verderblichen Lebensmittel!“

Fabian Böker

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