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Frankfurt: Furchtlos zur Corona-Impfung unter Krokodilen

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Von: Thomas Stillbauer

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Starkes Team: Sara Sophia Marquez (links), Ärztin Samra Bektic und in Gelb: Enti.
Starkes Team: Sara Sophia Marquez (links), Ärztin Samra Bektic und in Gelb: Enti. © Peter Jülich

Impfung für Kinder im Senckenberg-Museum, ein tolles Abenteuer. Wer sich anmeldete, bekam am Freitag eine besondere Belohnung.

Von vielen jungen Heldinnen und Helden an diesem Tag ist Sara Sophia Marquez eine der jüngsten – und eine der tapfersten. Die Achtjährige präsentiert sich im Meriansaal des Senckenberg-Museums völlig furchtlos. „Hast du Angst?“ – „Nö.“ Sie hat schließlich Verstärkung dabei. Erstens ihre Mama Johanna, zweitens ihre gelbe Stofftier-Ente namens Enti. Was soll also schon passieren?

Drinnen in der Impfkabine geht dann alles ruckzuck. Die einfühlsame Impfärztin Samra Bektic fragt, ob Sara hinschauen möchte oder nicht. Bonifatius-Schülerin Sara sagt nein, schaut dann aber doch hin – und verzieht beim Piks keine Miene. Die Ärztin vom mobilen Team Impfpraxis ist sehr zufrieden, alle anderen auch.

Bitte noch ein kurzes Interview für die Zeitung. „Hat’s wehgetan, Sara?“ – „Nö.“ – „Kennst du noch andere Kinder, die schon geimpft sind?“ – „Ja, in meiner Klasse.“ – „Und jetzt?“ – „Gehen wir ins Museum!“

Zur Belohnung dürfen nämlich alle, die sich am Freitag impfen lassen, anschließend kostenlos ins Naturmuseum. „Die Aktion heute ist auch ein Dank an alle, die sich in den vergangenen zwei Jahren dafür eingesetzt haben, diese Pandemie in den Griff zu bekommen“, sagt Senckenberg-Generaldirektor Klement Tockner. „Dadurch konnten wir unser Museum offen halten.“ Die Forschungseinrichtung wolle gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, damit alle möglichst schnell zum normalen Leben zurückkehren können. „Senckenberg ist ein Vertrauensort“, sagt Tockner im Gespräch mit der FR, „Wissenschaft ist Vorsorge, impfen schützt. Wir wollen Vorbild sein.“

Ein Vorbild ist auch die 13-jährige Jana Ondraczek. Sie lässt sich heute im ehrwürdigen Meriansaal unter den fliegenden Krokodilen, Saurierknochen und Stoßzähnen an der Zimmerdecke nicht etwa zum ersten Mal impfen, auch nicht zum zweiten – es ist bereits ihre dritte, die Boosterimpfung. „Vorher denke ich immer: oh Gott!, aber dann ist es gar nicht schlimm“, sagt sie hinterher erleichtert. Und schließt gleich noch ein kurzes Plädoyer für die Impfung an: „Ich bin dafür, dass sich alle impfen lassen – es schützt vor einem schweren Verlauf.“ Nicht nur sie selbst. „Wenn es viele machen, sind auch die anderen geschützt.“

Jana und ihre Mutter Heike sind eigens aus Butzbach angereist – auch weil es anschließend „ein Leckerli“ gibt, sagt Heike Ondraczek: den Museumsbesuch. „Das passte gerade so gut in die Zeit.“ Am Freitag gab es schließlich Zeugnisse, da war nach der dritten Stunde die Schule aus. Jana interessieren im Museum vor allem die Meerestiere, Sara Sophia Marquez hingegen zieht es ganz besonders „zu den Tieren, die echt und ausgestopft sind – die finde ich cool“. Einziger Nachteil: „Aber man darf die Tiere nicht anfassen.“ Das dürfen nur die Präparatorinnen und Präparatoren. Vielleicht eine Idee fürs Berufsleben dereinst. Bis dahin gibt es ja immerhin Enti.

Weit über 100 Anmeldungen hatte Senckenberg für seine besondere, mit Dinos beworbene Impfaktion, darunter auch jede Menge Erwachsene; es waren ja alle im Alter von fünf Jahren an eingeladen. 25 kamen schon in der ersten Stunde.

Für das mobile Ärzteteam Impfpraxis ist die Kooperation mit Senckenberg die Fortsetzung eines im Juni begonnenen Engagements. „Wir wollten das Impftempo beschleunigen“, sagt der leitende Arzt Saqib Cheema. Die Nachfrage an den verschiedenen Standorten sei für die Ärztegruppe stetig gewachsen – seit der Booster-Impfung ganz besonders. Auch in Wiesbadener Ministerien sei das Team schon tätig geworden. Hätten das Angebot anfangs oft etwa Kirchengemeinden oder Menschen mit Verständigungsschwierigkeiten in der deutschen Sprache wahrgenommen, so sei die Personengruppe inzwischen „total gemischt“. Und am Freitag vor allem: sehr jung.

13 Jahre alt und schon zum dritten Mal geimpft: Jana Ondraczek. Im Hintergrund oben: die fliegenden Krokodile und Saurierknochen.
13 Jahre alt und schon zum dritten Mal geimpft: Jana Ondraczek. Im Hintergrund oben: die fliegenden Krokodile und Saurierknochen. © Peter Jülich

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