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Die beliebteste Ecke in der "Franziska": bester Blick auf die Skyline.

Henninger Turm

Frankfurt zu Füßen

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Wo Frankfurt wirklich Mainhattan ist: ein Besuch im neuen Restaurant des Henninger-Turms

Die Gläser sind blau, grün, violett, das Besteck strahlt golden, doch das Geschirr verblasst vor dem Ausblick, der sich dahinter eröffnet. Die bodentiefen Panoramafenster des Restaurants „Franziska“ im 39. Stock des Henninger-Turms bieten einen spektakulären Rundumblick auf das Rhein-Main-Gebiet, vom Taunus bis zum Odenwald. Im wahrsten Sinne des Wortes im Vordergrund steht für die Gäste natürlich die Skyline. Die EZB liegt einem zu Füßen, der ICE, der lautlos Richtung Südbahnhof gleitet, erinnert an eine Spielzeugeisenbahn. „Hier ist Frankfurt wirklich Mainhattan“, staunt ein Gast.

Es hat lange gedauert, bis die Frankfurter wieder einen solchen Blick von Dribbdebach genießen konnten. 1961 als spektakuläres Drehrestaurant im Fass des Frankfurter Wahrzeichens eröffnet, war das Gebäude spätestens in den 90er Jahren sanierungsbedürftig. Die jährlich mehr als 300 000 Besucher mussten sich ab 1997 mit einer Notlösung zufriedengeben, ab 2002 wurden die Aussichtsplattform und der Imbiss, den es noch gab, ganz geschlossen. Es gab niemanden, der die Sanierungskosten übernehmen wollte, nachdem es die Henninger-Brauerei nicht mehr gab.

Als vor etwa fünf Jahren klar war, dass es wieder einen Gastronomiebetrieb im neuen Henninger-Turm geben soll, wandte sich Investor Daniel Hopp an Christian Mook. Der hat mit mehreren groß inszenierten Restaurants in Frankfurt schon sein Können bewiesen. „Herr Hopp ist ein Fan des Ivory Clubs und von Zenzakan und hat mich gefragt, ob ich das machen will“, erinnert sich Mook.

Einstiges Wahrzeichen von Sachsenhausen

Für ihn war das keine Frage, schließlich hat er eine ganz besondere Beziehung zu dem einstigen Wahrzeichen in Sachsenhausen. „Von meinem Kinderzimmer habe ich direkt auf den Turm geschaut.“ Großgezogen hat ihn seine Großtante Franziska, die ihn auch bekochte. „Sie war eine grandios innovative Köchin und hat legendäre Handkäs-Ravioli gemacht“, erinnert sich Mook. Das Restaurant im 39. Stock des neuen Wohnturms ist daher eine Hommage an die Großtante. Nicht nur wegen des Namens, sondern auch wegen der Speisekarte des Restaurants.

So bietet Chefkoch Frank Möbes kreativ verfeinerte Hausmannskost. Als Vorspeisen werden etwa Tartar, Blutwurst, Russische Eier oder Handkäse-Variationen geboten, und als Hauptspeisen stehen falscher Hase, Gulasch oder Königsberger Klopse auf der Speisekarte. „Progressive German Vintage Cuisine“ nennt Mook das und will damit vielleicht das gehobene Publikum ansprechen. Denn allzu volkstümlich gibt sich „Franziska“ trotz der bodenständigen Speisekarte nicht. Nur mal den spektakulären Ausblick genießen ist nicht drin. „Wir sind keine Aussichtsplattform“, stellt Mook klar. Die Investitionskosten von zwei Millionen Euro müssen irgendwie wieder reinkommen.

Wer abends zum Essen kommen will, braucht eine Reservierung. Immerhin ist es möglich, am Abend die kleine, aber feine Bar im Westteil des Restaurants auch ohne Reservierung zu besuchen. Ab sofort soll es auch mittags richtig losgehen; noch hat Küchenchef Möbes sein Personal nicht komplett. Möbes fühlt sich an seinem Arbeitsplatz aber schon jetzt wohl. Er blickt von seiner offenen Küche aus in Richtung Osten und strahlt: „So einen Arbeitsplatz haben nur wenige Köche auf der Welt.“

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