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Frankfurt: Für die Liebe, gegen den Hass

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Von: Thomas Stillbauer

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„Steh auf gegen Hass“: Menschen stellen sich in Herzform an der Hauptwache auf.
„Steh auf gegen Hass“: Menschen stellen sich in Herzform an der Hauptwache auf. © Michael Schick

Der „Idahobita“-Aktionstag in der Innenstadt setzt ein starkes, buntes Zeichen für Toleranz. Es geht auch um klare Kante gegen Putin.

Das Leben könnte so bunt und lustig sein – wenn alle so leben und lieben könnten, wie sie wollen. Und wenn niemand sie deswegen diskriminierte. Das ist die Botschaft, die am Samstag laut und selbstbewusst die Frankfurter Hauptwache dominiert. Ein fröhliches Fest mit ernstem Hintergrund und klaren Ansagen.

„Wir als Land Hessen stehen an eurer Seite“, hat etwa Kai Klose als Ansage mitgebracht, der hessische Sozial- und Integrationsminister von den Grünen, „denn Liebe ist stärker als Hass.“ „Idahobita*“, Untertitel: „Steh auf gegen Hass“, so heißt die Veranstaltung. Der Begriff wird „Eidahobita“ ausgesprochen, weil er aus dem Englischen kommt und übersetzt als Abkürzung für Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter*-, Trans* und Asexuellenfeindlichkeit steht. Den Gedenk- und Aktionstag gibt es seit 1990. Seit dem damaligen 17. Mai stuft die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität nicht mehr als Krankheit ein.

Eine späte, aber immerhin doch lobenswerte Einsicht. Wieso muss man daraufhin jedes Jahr weltweit demonstrieren und appellieren?

„Weil es wichtig ist, weiter Sichtbarkeit zu schaffen“, sagt Kai Logaric vom Moderationsteam, und weil die geltenden Gesetze immer noch nicht genug auf die Bedürfnisse von Gruppen wie trans- oder intersexuell orientierten Menschen eingingen, fügt Marco Linguri hinzu.

Der Gedenktag, 17. Mai, war also eigentlich der vergangene Dienstag, und auch da seien Menschen in Frankfurt auf die Straße gegangen, sagt Sue Ehmisch vom Organisationsteam. „In Deutschland werden homosexuelle oder transidente Personen immer noch als unnormal oder krank diskriminiert und sogar angegriffen“, kritisiert Ehmisch und erinnert daran, dass es erst vor wenigen Tagen eine solche gewalttätige Attacke in Frankfurt gegeben habe. Es kämen aber nur zehn bis 20 Prozent der Übergriffe zur Anzeige.

Der Platz vor der Hauptwache ist in allen Farben des Regenbogens und darüber hinaus dekoriert. Eine Ausstellung informiert über die verschiedenen Formen der sexuellen Orientierung, über Gesetze weltweit und über Forderungen. Eine Maschine pustet Seifenblasen in die Luft der City, die selten so voller Liebe war.

Die Liste der Rednerinnen und Redner ist lang und hochkarätig. Annette Ludwig von der IG Metall ist da, Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz, Susanna Thorner vom „Lesbisch-Schwulen Kulturhaus“, Petra Weitzel von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität. Diskussionsrunden befassen sich mit Bisexualität, der Liebe zu nicht nur einem Geschlecht, und Non-Binarität, sich selbst nicht als ausschließlich männlich oder weiblich zu definieren. Es gibt viel Musik und einen Auftritt des Antagon-Theaters.

Hilime Arslaner, die Frankfurter Stadtverordnetenvorsteherin, verblüfft mit dem Einstieg in ihre Rede: „Offen gestanden freue ich mich nicht, heute hier dabei zu sein.“ Und meint damit: „Es wäre besser, wenn es solche Tage gar nicht geben müsste. Wenn jede und jeder für sich selbst definieren könnte, wie sie oder er leben möchte.“ Die Grünen-Politikerin ruft zu Akzeptanz und Toleranz auf. Übergriffe seien nicht zu dulden. „In meinem Frankfurt soll niemand Angst haben, sich zu dem zu bekennen, was er oder sie ist.“ Die Gesellschaft müsse ganz besonders auf junge queere Menschen aufpassen.

Kai Klose sagte, dass der Aufruf gegen Hass in diesem Jahr besonders vielfältige Bedeutungen habe. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sei von Hass unterfüttert und von toxischer Männlichkeit. „Die Queerfeindlichkeit des russischen Präsidenten ist schon lange bekannt“, sagt er. „Wir wissen, dass er damit auch uns meint.“ Die Konsequenz, die Klose daraus zieht: „Wir müssen dagegen kämpfen und eine klare Haltung aller Menschen einfordern.“

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