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Frankfurt: Frust über Verspätungen

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Lief schon mal runder auf der Schiene.
Lief schon mal runder auf der Schiene. © christoph boeckheler*

Fahrgäste empfinden Bahnfahren derzeit als Abenteuer. Der RMV nennt Baustellen als Hauptgrund für die Probleme.

Es ist ein Dienstagabend, brütend heiß, eine Menschenmenge steht am Frankfurter Südbahnhof. Die RB58 nach Laufach nahe Aschaffenburg ist mehr als 30 Minuten zu spät, am Bahngleis steht ein Mann im Anzug und murmelt vor sich hin: „Nichts funktioniert hier.“ Er ist nicht der Einzige, der so denkt.

Wenige Tage später sitzt Micky Jaal am Frankfurter Hauptbahnhof, Gleis 20. Er fährt viel Bahn in Frankfurt, muss pendeln. Auf den Schienenverkehr im Raum Frankfurt angesprochen, sagt er: „Das ist eine Katastrophe.“ Der angestaute Frust quillt nur so aus ihm heraus: „Immer heißt es Zug verspätet, Zug fällt aus“. Auch Iris Wist, die am Hauptbahnhof wartet, empfindet Bahnfahren aktuell als „Abenteuer“, sie sagt man „müsse mit Überraschungen rechnen“. Iris Wist glaubt aber, dass es im Nahverkehr noch besser sei als im Fernverkehr.

Dominoeffekt

Warum es aktuell gefühlt mehr Verspätungen gibt, erklärt RMV-Sprecher Maximilian Meyer mit einem „Dominoeffekt“ aus mehreren Problemen, die am Ende zu einer teils „extremen“ Überlastung des Schienennetzes im Rhein-Main-Gebiet führten. Zuerst seien da die Baustellen: Aufgrund der Vollsperrung zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel müssten Züge umgeleitet werden, teils auch deutlich weiter südlich über Hanau. Zusätzlich belasteten Unpünktlichkeiten des DB-Fernverkehrs und des Güterverkehrs das Schienennetz rund um Frankfurt.

Fern- und Güterzüge teilen sich Gleise mit Regionalbahnen und sogar S-Bahnen. Das könne dazu führen, „dass es am Ende hier in Frankfurt eine Verspätung gibt, weil ein ICE aus Berlin zu spät abfährt“, sagt Maximilian Meyer. Und das passiert leider oft bei einer aktuellen Pünktlichkeitsrate im DB-Fernverkehr von historisch niedrigen 58 Prozent. Dazu gebe es neben coronabedingtem Personalmangel und dann auch Zugausfällen ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im RMV-Einzugsgebiet aufgrund des 9-Euro-Tickets, welches zu Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen an den Haltestellen führt.

Rein von der Statistik her kann allerdings nicht ganz geklärt werden, wie groß das von Fahrgästen wie Micky Jaal empfundene Problem wirklich ist: Die Deutsche Bahn gibt nur Daten für ihr gesamtes Bundesnetz heraus, bei der DB Regio sei die Pünktlichkeit von 95,5 Prozent im Januar auf 88.5 Prozent im Juni gefallen. Beim RMV liegen keine nach Monaten aufgeschlüsselten Daten für das Gesamte RMV-Netz vor, jedoch war etwa der RE50 von Frankfurt nach Bebra im Juni nur zu 68 Prozent pünktlich. Pünktlich ist in den Augen des RMV und der DB üblicherweise ein Zug, der maximal 5 Minuten und 59 Sekunden später am Ziel ankommt als geplant.

Jedoch erwartet Maximiian Meyer „einen positiven Effekt auf die Pünktlichkeit im September mit Ende der Bauarbeiten“.

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