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Viele Menschen tummeln sich, doch selten mehr als zwei gemeinsam.

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Frankfurt: Frühling in Zeiten von Corona

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Am warmen Wochenende zieht es die Menschen in Frankfurt nach draußen, aber die Kontakt- und Abstandsregeln werden aus Sicherheit vor dem Corona-Virus von den meisten eingehalten.

Reste roter Folienballons hängen in den Bäumen auf dem Lohrberg. Dort, am Grillplatz mit dem Panoramablick über die Frankfurter Skyline. Herzballons. Zerfetzt, zerrissen, oben in den Ästen. Zeugen einer Zeit, als auf dem Lohrberg noch Hochzeitsgesellschaften zusammenkommen konnten. Oder Geburtstagsgesellschaften. Als überhaupt draußen zusammen gefeiert werden durfte. An diesem Samstagmittag sind die Ballons nur eine Erinnerung an diese Zeit. Schließlich gelten im Moment Kontaktbeschränkungen und Mindestabstände zur Eindämmung der Corona-Krise. Auch beim allerbesten Frühlingswetter mit Sonnenschein und 16 Grad.

Natürlich lockt das die Frankfurter und Frankfurterinnen aber nach draußen. Doch auf dem Lohrberg geht es gemäßigt zu. Jogger, Fahrradfahrer, Spaziergänger – auf der Wiese rechts des Hauptwegs sitzt eine Mutter mit ihrem Kleinkind und pustet Seifenblasen in die Luft. Links hat sich eine Familie mit zwei Kindern niedergelassen. Zwei Radfahrer sind abgestiegen und spielen Frisbee. Gedränge? Keine Spur. Enger geht es am Hügel zu, von dem aus sich so unverstellt auf die Skyline blicken lässt. Doch Mindestabstände werden locker eingehalten. Keiner picknickt, nirgendwo sitzen Gruppen herum. Zwei Sicherheitsleute in gelben Warnwesten kontrollieren das Treiben. Es gibt nichts zu beanstanden.

Sport geht auch ohne Geräte.

Sowohl Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hatten vor dem Wochenende mit viel Sonnenschein die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, nicht nur Lohrberg und Mainufer aufzusuchen. Damit sich dort nicht größere Menschenmengen ballen, so wie es am Samstag zuvor geschehen war. Lieber sollte etwa der Grüngürtel besucht werden. Alexander Arnold ist trotzdem auf den Lohrberg für einen Spaziergang gekommen. „Wenn es zu voll gewesen wäre, wäre ich wieder gegangen“, sagt er. Doch es geht entspannt zu auf dem Frankfurter Hausberg. „Nach einer Woche Homeoffice muss man mal raus.“

Raus wollen alle. Im Günthersburgpark ist die obere Wiese voll. Aber nicht zu voll. Abstand ist noch möglich. Federballspielen auch. Auch dort haben sich Leute nur alleine, zu zweit oder als Familien mit Kindern niedergelassen. Ein Vater kickt mit seinen beiden Söhnen, vier und sieben Jahre alt, ein wenig auf der Wiese. „Wir haben keinen Balkon und kein Auto“, sagt er. „Da kann ich jetzt auch nicht einfach weiter weg fahren, um mal rauszukommen.“ Da muss der Park nebenan reichen.

Ein rares Gut an diesem Wochenende: ein freier Platz auf einer Parkbank. Sie sind in der Stadt quasi überall besetzt. Ob im Günthersburgpark, am Merianplatz, im Bethmannpark, in den Wallanlagen, auf dem Paulsplatz – zumindest wenn die Parkbank in der Sonne steht, ist sie unter Garantie belegt. Alleine, zu zweit – die Leute lesen Bücher, sie sonnen sich, sie unterhalten sich. Manche mit einer Holundersaftschorle, manche mit einem Gläschen Wein oder einem Kaffee. Einige mit Mundschutz, die meisten ohne. „Ich setzte den nur auf, wenn es unbedingt nötig ist“, sagt Inge Weinheim. Und wann ist es unbedingt nötig? Im Günthersburgpark alleine auf der Bank offenbar nicht. „Wenn ich einkaufen gehe“, erklärt sie.

Und am Main? Vom Eisernen Steg aus sieht das Treiben am Ufer nicht nach übermäßigen Menschenansammlungen aus. Doch wer am Ufer entlangflaniert merkt schnell: So einfach ist das dort nicht, die Abstandsregeln einzuhalten. Fußgänger, Jogger, Inlineskater, Fahrradfahrer – alles wuselt aneinander vorbei. Kaum möglich, sich dort im Abstand von eineinhalb bis zwei Metern Entfernung zu passieren. „Der Weg ist viel zu schmal dafür“, sagt eine Frau. „Das kann einfach gar nicht funktionieren.“

Die Stühle der Sommergärten bleiben weggestellt.

Immer wieder fahren Polizeiautos den Uferweg entlang und kontrollieren das Geschehen. Auf einer Mauer am Sachsenhäuser Ufer haben sich mehr als zwei Menschen nebeneinander hingesetzt. Ein Polizist mit Mundschutz steigt aus, spricht mit der Gruppe. Es dauert einen Moment, dann löst sich die Gruppe auf. Auch am Mainufer ist ein Sicherheitsdienst in Warnwesten unterwegs und kontrolliert.

Der Feldberg im Taunus ist dagegen ein sehr beliebtes Ziel am Samstag. Wegen des großen Andrangs musste die Anfahrt zum Großen Feldberg zwar für den Autoverkehr beschränkt werden. Doch trotz des frühlingshaften Wetters in Hessen registrierte die Polizei am Samstag und Sonntag vielerorts kaum Verstöße gegen die Kontaktregeln. Das berichteten die Polizeipräsidien im Land. Wirklich besorgniserregend seien die Fälle am Sonntag jedoch zunächst nicht gewesen, berichtete ein Polizeisprecher in Gießen. „Da sitzen mal eine Handvoll Leute irgendwo rum.“ Auch sein Kollege bei der Polizei Darmstadt zeigte sich bei einer ersten Bilanz zufrieden: Es habe sicher Verstöße gegeben, aber keine größeren.

Mit vereinten Kräften musste die Polizei in Wiesbaden dagegen am Samstagabend eine Versammlung von rund 25 Menschen auflösen, die sich auf einem Platz in der Innenstadt aufhielten. Mehrere Streifenwagen rückten an, da die Männer und Frauen teils betrunken und aggressiv waren, wie die Polizei mitteilte. Ein Beamter sei ins Gesicht geschlagen und leicht verletzt worden. Die Bilanz des Abends: Vier Strafanzeigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, eine Anzeige wegen Drogenbesitzes und mehrere Anzeigen wegen des Verstoßes gegen die Corona-Kontaktregeln.

Mainova-Chef Alsheimer spricht im Interview über den Stromverbrauch in Frankfurt in Corona-Zeiten, die Verantwortung für den Betrieb von Kliniken und Supermärkten und Notfall-Szenarien, falls sich die Lage noch zuspitzt.

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