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Tulpen und Narzissen woll’n wir nicht mehr missen. Palmengarten-Idyll.  

Ausstellung

Frankfurt: Auf den Frühling ist Verlass

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Im Palmengarten hat der Lenz schon begonnen – die Schneeglöckchen und Narzissen blühen. Besucherrekord bei den „Winterlichtern“. Illustre Besucher aus dem Tierreich.

Mag sein, dass die Welt immer noch dieselbe ist wie im Dezember. Aber mit Frühling fühlt sie sich halt ganz anders an. Sagt auch Palmengartendirektorin Katja Heubach: „Es ist schon faszinierend – und ansteckend –, was die blühenden Frühlingsboten bei uns bewirken.“ Sie brächten Vorfreude, sagt sie den Eröffnungsgästen bei der am Donnerstag eröffneten Schau, Vorfreude auf längere Tage, Vogelgezwitscher, Spaziergänge in der Sonne: „Sie machen einfach gute Laune.“

Und ob man’s glaubt oder nicht: Fast jedes Jahr fühlt sich der echte Frühling (draußen) offenbar angespornt vom ausgestellten Frühling im Palmengarten (drinnen). Die Sonne scheint, die Vögel singen, es sprießen die ersten Blüten. „Draußen ist es schon enorm weit“, sagt Dominik Heukemes, der mit seinem Galerieteam die Ausstellung gestaltet hat: „Die Narzissen – bumm, aus der Erde.“ Krokusse. Schneeglöckchen.

FRÜHLING & ZAHLEN

Bis zum 23. Februar ist die Frühlingsausstellung des Palmengartens zu sehen – „quasi unsere Preview zum meteorologischen Frühling“, sagt Direktorin Katja Heubach.

Rekorde meldet der Palmengarten derweil für seine „Winterlichter“-Schau zum Jahreswechsel, die rund 70 000 Gäste besuchten (etwa 10 000 mehr als im Vorjahr) und für die Gesamtbesucherzahl 2019: Da kamen 651 000 Menschen, was ebenfalls eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr bedeutet habe, hier um acht Prozent.

Aber nichts gegen die Pracht in der Galerie am Palmenhaus. 50 000 Blumenzwiebeln und -knollen haben die Palmengärtnerinnen und Gärtner sortiert, in Kisten gepackt, ins Kühlhaus gestellt (wenn der Winter nicht mehr kommt, muss man einen nachmachen), bei fünf Grad gelagert, schildert Rebekka Schilde-Richter, um ihnen dann bei steigenden Temperaturen zu signalisieren: jetzt! Worauf die Pflanzen wuchsen und blühten.

Bunt und fröhlich ist das Ergebnis, Balsam für die so lang im Dunkeln gehaltene Seele. Zu sehen sind Narzissen, Tulpen, Primeln, Zwerg-Iris, Traubenhyazinthen. Dazu eine Wasserrand-Situation, eine zufällig zur rechten Zeit umgekippte Weide, die prompt wieder austreibt, und als Hintergrund einige Zweige, die noch das Herbstlaub tragen. Das gibt der Szenerie etwas Natürliches, Ungekünsteltes.

„’Ne Tulpe ist ’ne Tulpe“, sagt Heukemes zu den grundsätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten einer Frühlingsausstellung. Auf die Anordnung kommt es an, auf die Idee dahinter – und auf die begleitenden Angebote. Hier sind es diesmal 15 Schautafeln, die von Frühblühern erzählen und Bilder zeigen: etwa Schachbrettblume, Knotenblume, Narzisse. Die Tafeln sind ein Vorgeschmack darauf, was der Palmengarten künftig generell und mit seinem im Bau befindlichen Blüten- und Schmetterlingshaus noch stärker leisten will: Blütenökologie erklären. „Was kann so eine Blume eigentlich?“, skizziert Heukemes das Themenfeld nachvollziehbar.

Dafür interessiert sich grundsätzlich auch das Rotkehlchen, „unser persönliches Rotkehlchen“, wie es der Galeriechef nennt, weil es im Frühling regelmäßig in die Ausstellung einziehen und dort seine Familie gründen möchte. Tierische Besucher sind aber nicht ungewöhnlich; im Herbst stibitzte ein freches Eichhörnchen die Knabbereien aus einem Schrank, die prinzipiell nur zu Schauzwecken dort lagen – für Menschen.

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