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Hofft noch darauf, das 30-jährige Bestehen ihres Salons feiern zu können: Fernanda Pinto im Schamlos. renate hoyer
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Hofft noch darauf, das 30-jährige Bestehen ihres Salons feiern zu können: Fernanda Pinto im Schamlos. renate hoyer

PORTRÄT DER WOCHE

Frankfurt: Friseurin Fernanda Pinto über Friseure in Zeiten von Corona

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Ab Montag dürfen Friseursalons wieder öffnen. Darüber freut sich Fernanda Pinto vom Salon Schamlos. Aber sie kritisiert die späte Auszahlung von Finanzhilfen im zweiten Lockdown.

Ich hatte jetzt zweieinhalb Monate Zwangsurlaub, der für mich aber kein Urlaub war, weil ich voller Sorgen war“, sagt Fernanda Pinto. Nun sei sie froh, dass Friseursalons ab heute wieder öffnen dürfen. Seit 30 Jahren ist Fernanda Pinto mit ihrem Salon „Schamlos“ auf der Eckenheimer Landstraße eine feste Nummer im Nordend, doch die vergangenen Monate waren auch für sie hart. Wie alle anderen Friseursalons musste das „Schamlos“ seit dem 16. Dezember geschlossen bleiben. „Als ich das damals hörte, war ich noch guter Dinge“, erinnert sich Pinto. Denn den ersten Lockdown erlebte sie durchaus positiv: Damals, im Frühjahr 2020, hatte sie Soforthilfe beantragt und zügig ausgezahlt bekommen. „Das war unkompliziert und transparent“, erinnert sie sich. Und notwendig: Denn das Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiterinnen ließ auf sich warten, außerdem musste sie mehrere Angestellte weiterbezahlen, weil beispielsweise Auszubildende keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben. Mit der Soforthilfe konnte Pinto das gut überbrücken.

Auch persönlich konnte sie, wie so viele, dem ersten Lockdown einiges abgewinnen: „Ich fand diese Pause ganz toll, ich habe selten so viele empathische Menschen in diesem Land erlebt“, sagt die gebürtige Portugiesin. Doch im Sommer, so Pintos Wahrnehmung, kippte die Stimmung, die vielen Rufe nach Freiheit empfand sie als unsolidarisch. Freiheit auf Kosten anderer ist für Pinto keine Option. „Für mich wäre es das Schlimmste, wenn ich jemanden anstecke und derjenige wegen mir sterben müsste“, sagt sie. Fernanda Pinto achtet penibel darauf, dass in ihrem Salon alle Hygienemaßnahmen umgesetzt werden, sagt sie. Das kostet Zeit und ist anstrengend. Da verärgert sie es umso mehr, wenn sie mitbekommt, dass sich andere nicht an Maßnahmen halten.

Den zweiten Lockdown habe sie als sehr schlimm empfunden. Bis heute habe sie keinen Cent für diesen Zeitraum erhalten – wie so viele in ihrer Branche. „Es ist eine Zumutung, was die mit uns machen“, sagt Pinto und meint, dass die versprochenen Finanzleistungen bisher nicht ankamen. Seit Mitte Februar können Friseur:innen die sogenannte Überbrückungshilfe III überhaupt erst beantragen. Und das auch nicht mehr wie im ersten Lockdown selbst, sondern nur über eine:n Steuerberater:in. Um Betrüger:innen keine Chance zu geben, vermutet Pinto. Ständig seien Verordnungen geändert worden, die finanzielle Last muss sie bis jetzt alleine tragen.

„Da ist keiner, der einem hilft. Das hat mich geärgert.“ Pinto findet, der Lockdown sei absolut notwendig gewesen. „Aber ich frage mich, ob man die Hilfen nicht besser, unbürokratischer hätte organisieren können.“ Sie stelle sich darauf ein, frühestens im April oder Mai Geld zu bekommen. „Ich kann mich glücklich schätzen, dass es weitergeht.“ Dazu beigetragen hat auch Pintos Vermieterin, die ihr einen Monat eine Mietminderung gewährte. Doch einen dritten Lockdown würde der Salon wohl nicht überleben, sagt Pinto.

Groß vorbereiten auf die Wiedereröffnung mussten sich Pinto und ihr Team nicht, das Hygienekonzept gab es bereits. Im Salon hängen Zettel, die an die Maskenpflicht erinnern, Desinfektionsmittel steht bereit. Am Tag kommen rund 20 bis 25 Kund:innen in Pintos Salon, nach jeder Kundin müssen der Platz und das Werkzeug desinfiziert werden, alle zwanzig Minuten wird gelüftet. Durch diesen zusätzlichen Aufwand bleibe zwischen den einzelnen Kund:innen nicht mal ein paar Minuten Zeit zum Durchatmen und Runterkommen. Auch muss Pinto darauf achten, dass nicht zu viele Kund:innen gleichzeitig im Salon sind. Da kommen ihr die warmen Temperaturen entgegen: Vor ihrem Salon hat sie eine Plane als Überdachung aufgespannt und Stühle und Tische hingestellt. Dort werden Kund:innen platziert, in deren Haare Farbe einwirkt.

Während der vergangenen Monate und auch im ersten Lockdown hat Pinto sehr viel positives Feedback von ihren Kund:innen bekommen, die ungeduldig darauf gewartet haben, endlich wieder Termine ausmachen zu können. Die Termine aus dem Dezember, Januar und Februar werden jetzt nachgeholt und auch ansonsten sei die Nachfrage groß. Vier, fünf Monate im Voraus sei sie bereits ausgebucht, sagt Pinto. Sie müsse unheimlich viele Kund:innen wegschicken, weil sie keine Kapazität habe. Weil sich weniger Kund:innen gleichzeitig im Salon aufhalten dürfen, haben Pinto und ihre Mitarbeiterinnen ihre Arbeitszeiten erhöht und Urlaube verschoben, die Öffnungszeiten bleiben aber gleich.

Fernanda Pinto kommt aus Guarda, einem „kleinen pittoresken, aber edlen Städtchen zwischen Porto und Lissabon“, wie sie sagt. Mit neun Jahren kam sie nach Frankfurt, aber sie versucht ein Stück der portugiesischen Mentalität beizubehalten: im Moment leben, nicht zu sehr an die Zukunft denken. Und das scheint zu funktionieren; trotz allem wirkt Pinto optimistisch.

Am 9. April feiert ihr Salon „Schamlos“ 30-jähriges Bestehen. 1991 hatte sie ihren eigenen unkonventionellen Laden, der Handwerk mit Kunst verbinden sollte, eröffnet. Für den runden Geburtstag hatte Pinto bereits große Pläne. Als Fan der 1920er Jahre würde Pinto, die auch Drehbücher für künstlerische Tanzperformances schreibt, gerne in verschiedenen 20er-Jahre-Bars kleine Events mit Performances und Kostümen veranstalten. Noch hofft sie, das im Spätsommer verwirklichen zu können, und sagt: „Mal wieder richtig feiern, mal wieder richtig kreativ sein, – das wünsche ich mir.“

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