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Gräber im alten Bereich nahe der Rat-Beil-Straße auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

UNESCO

Friedhöfe von kulturellem Wert

  • vonKathrin Becker
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Die Friedhofskultur ist als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet. Bestattungsriten verändern sich stetig.

Im Rahmen einer bundesweiten Aktion ist am Freitag auch in Frankfurt auf die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum „immateriellen Kulturerbe“ aufmerksam gemacht worden. Die Auszeichnung wurde bereits im März von der Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission beschlossen. Heike Appel, Leiterin des Grünflächenamts in Frankfurt, erklärte in einer Ansprache auf dem Frankfurter Hauptfriedhof: „Es sind nicht die Friedhöfe an sich ausgezeichnet worden, sondern das Thema Kultur auf den Friedhöfen“.

Fahrradfahrer, die über den Friedhof fahren, Eltern mit Kinderwagen oder Spaziergängerinnen zwischen den Gräbern. Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern auch öffentliche Plätze und Begegnungsorte. Appel erinnerte auch an die historische Dimension der Denkmäler und Skulpturen, die mahnende Funktion von Kriegsdenkmälern und den Beitrag der Friedhofsanlagen zum Erhalt der Artenvielfalt. Darüber hinaus leisteten die Friedhöfe auch einen Beitrag zur kulturellen Kommunikation und Integration. „Das findet man an keinem anderen Ort so komprimiert“, sagt sie. All dies sei Ausdruck einer Friedhofskultur, die mit der Auszeichnung als immaterielles Erbe als schützenswert gewürdigt werde.

Voraussetzung für die Ernennung sei für die UNESCO „die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform“ gewesen. Denn wie bei der Gesellschaft an sich handelt es sich auch bei der Trauerkultur sowie dem gesellschaftlichen Umgang mit den Friedhöfen um einen sich wandelnden Gegenstand. Die Bestattungskultur verändert sich.

Dies lässt sich auch auf den 36 kommunalen Friedhöfen in Frankfurt beobachten. „Der Trend geht ganz stark zum pflegefreien Grab“, sagt Norbert Schlüter, der Friedhofsverwalter des Frankfurter Hauptfriedhofs. In Reaktion auf die gestiegene Nachfrage wurde auf den Frankfurter Friedhöfen ein neues Konzept für Urnenrasengräber entwickelt. Jedes Urnengrab erhält einen Platz unter dem Rasen und eine kleine Betonplatte, auf der Angehörige Kerzen oder Blumen hinterlassen können. Die erste Anlage dieser Art auf dem Hauptfriedhof sollte ursprünglich am Sonntag vorgestellt werden, anlässlich des Tages des Friedhofs am 20. September. Da dieser jedoch coronabedingt nicht öffentlich begangen werden kann, fiel die Vorstellung zusammen mit der Erinnerung an die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe.

Die Anlage ist gleichzeitig Teil der Umgestaltung des Hauptfriedhofs im Rahmen des Konzepts „Friedhof 2020“. Weitere bereits abgeschlossene Umgestaltungsmaßnahmen beinhalten die Einrichtung eines „Leseparks“ mit Bücherschrank im Frühjahr und die Neugestaltung eines Eingangsbereichs mit Blumenbeeten und neuen Bänken.

Zudem gibt das Grünflächenamt zum Tag des Friedhofs eine neue Informationsbroschüre zu den Friedhöfen heraus.

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