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Theater mit Botschaft: hier vor dem russischen Generalkonsulat.

INF-Vertrag

Straßentheater gegen Aufrüstung in Frankfurt

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Friedensaktivisten protestieren vor dem amerikanischen und dem russischen Konsulat in Frankfurt gegen die Kündigung des INF-Vertrags.

Es ist ein kurzes Theaterstück, das an diesem Samstagmorgen auf der Gießener Straße aufgeführt wird – aber es ist äußert prominent besetzt. In den Hauptrollen: US-Präsident Donald Trump und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin. Die beiden mächtigsten Staatschefs der Welt bedrohen sich gegenseitig mit Raketenattrappen. Irgendwann aber sitzen die beiden dann doch an einem Tisch und werden von Friedensaktivisten dazu aufgefordert zu verhandeln. Schließlich zersägen sie ihre Raketen. Bundeskanzlerin Merkel kommt auch noch dazu und beteiligt sich an der Abrüstung.

Ein zehnminütiges Straßentheater, das die Welt zeigt, wie sie nach Ansicht der rund 50 Aktivisten, die sich am Samstag gegen 9 Uhr vor dem amerikanischen Generalkonsulat im nordwestlichsten Zipfel des Stadtteils Nordend versammelt haben, sein sollte. Dass die Realität ganz anders aussieht, wissen die Veranstalter von der Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) und den Ärzten gegen den Atomkrieg selbst am besten. Andernfalls wären sie nicht hier.

Anlass für das politische Straßentheater ist die drohende Kündigung des seit bald 32 Jahren bestehenden INF-Vertrags, mit dem sich die USA und Russland selbst verpflichtet haben, auf landgestützte Mittelstreckenraketensystem zu verzichten. Beide Seiten werfen sich vor, den Vertrag verletzt zu haben. Ein Ultimatum von US-Präsident Trump an Putin lief an diesem Samstag aus. Seitdem fühlen sich die USA nicht mehr an den Abrüstungsvertrag gebunden. Russland hat bereits angekündigt, den Vertrag ebenfalls aufkündigen zu wollen.

„Europa wird der große Verlierer sein“, ist sich DFG-VK-Sprecher Michael Schulze von Glaßer sicher. Mit der drohenden erneuten Aufrüstung befinde sich der Kontinent wieder an der Hauptkampflinie zwischen den beiden Weltmächten – wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. Daher demonstriere man für eine Verhandlungslösung. Und darüber hinaus für den Abschluss eines UN-Atomwaffenverbotsvertrags.

Besonders viel Publikum zieht das Theater vor dem Generalkonsulat der USA nicht an. Als die Aktivisten es knapp anderthalb Stunden später auch vor dem russischen Konsulat unweit des Eschenheimer Tors wiederholen, ist das Laufpublikum etwas zahlreicher – dafür ist die Zahl der Aktivisten geschrumpft. Einige sehen die Schuld für das drohende Aus des INF-Vertrags ausschließlich aufseiten der USA und dementsprechend wenig Sinn darin, an Russland zu appellieren.

„Wir verfolgen eine vielfältige Strategie“, erklärt DFG-VK-Sprecher Michael Schulze von Glaßer. Das Straßentheater diene dazu, „Bilder zu schaffen“ für die angestrebte Kampagne. Darüber hinaus hätte die DFG-VK ihre Positionen bereits bei einem Gespräch in der russischen Botschaft in Berlin erläutert. Ein ähnliches Treffen in der US-Botschaft sei schon angesetzt gewesen, dann aber abgesagt worden – aufgrund der Haushaltsblockade in den USA.

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