Aktivisten von Fridays for Future mit Müll aus der Silvesternacht.  
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Aktivisten von Fridays for Future mit Müll aus der Silvesternacht.

Fridays for Future

Frankfurt: Fridays for Future starten mit Kritik an Feuerwerk ins Protestjahr 2020

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Die Klimabewegung macht mit einer Aktion vor dem Römer auf den Müll durch die Böllerei an Silvester aufmerksam. Zur Auftaktdemo kommen rund 150 Teilnehmende.

Zunächst ist die Laune noch etwas verhalten. „Herzlich willkommen zur ersten Demo im Jahr 2020“, ruft ein junger Mann fröhlich durch das Mikrofon. Von den knapp 150 Menschen, die sich an der Bockenheimer Warte versammelt haben, erntet er nur höflichen Applaus, lediglich einige ganz besonders motivierten Aktivisten jubeln. Und dann zeigt der junge Mann auf den Böller- und Raketenmüll, den einige Leute mitgebracht haben. Den werde man nachher auf dem Römerberg ausbreiten, „um zu zeigen, was für eine unglaubliche Umweltverschmutzung das ist für drei Minuten Spaß und ein bisschen Peng Peng und buntes Licht“.

Es sind nicht ganz so viele Anhänger der „Fridays for Future“ wie sonst, aber sie sind da. Am ersten Freitag im neuen Jahr geht die Frankfurter Ortsgruppe der weltweiten Protestbewegung wieder für mehr Klimaschutz auf die Straße – und gegen Feuerwerk an Silvester, aus aktuellem Anlass. Als Bewegung habe man keine offizielle Meinung zu Böllern und Raketen, sagt Angelina Fiehl, eine der Sprecherinnen der Frankfurter Ortsgruppe. Aber die meisten Aktivistinnen und Aktivisten seien aus Umweltschutzgründen klar dagegen. „Die meisten unterlassen das“, sagt Fiehl. Das abgelaufene Jahr 2019 sei für alle Engagierten bei den „Fridays for Future“ zeitaufwendig und kräftezehrend gewesen, sagt Fiehl dann. Aber die Bewegung sei sehr motiviert weiterzumachen – der Druck auf die Politik müsse so groß wie möglich bleiben.

Frust und Wut

Das sehen auch Katrin und Lena so. Die beiden 20-jährigen Studentinnen sind von Anfang an bei „Fridays for Future“ dabei. Zuerst sei sie extrem motiviert gewesen, sagt Lena, im Laufe des Jahres habe sie aber immer mehr Frust und Wut empfunden, weil sich so wenig bewegt habe, „und man sich denkt: Tschüss Zukunft“. Trotzdem sei sie dafür, weiter Woche für Woche zu protestieren, so die 20-Jährige. Denn auf Dauer könne die Politik die Klimaproteste nicht ignorieren. „Man muss Ausdauer zeigen.“ Auch ihre Freundin Katrin will weiter demonstrieren. Sie hoffe darauf, dass der Druck auf die Regierungen weiter anwachse.

Auch Wolfgang Hahner ist zum Demonstrieren gekommen. Er finde, „dass allgemein mehr getan werden muss“, sagt der 62-jährige Frankfurter. Die Politik sei beim Thema Klimaschutz „zu träge“ und auch die Einzelnen könnten viel mehr tun, findet Hahner. „Man kann nicht auf die Politik zeigen und sich selbst nicht umstellen.“ Er und seine Frau äßen zum Beispiel nur noch wenig Fleisch, bauten selbst Gemüse im Garten an und kauften Lebensmittel ohne Verpackungen ein, sagt Hahner.

Vorne am Mikrofon hat Angelina Fiehl derweil mit einer Rede begonnen. Millionen von Menschen seien 2019 für das Klima auf die Straße gegangen, sagt sie, trotzdem sei die Politik auch in Deutschland „in Sachen Klimaschutz weiterhin nur rückwärtsgewandt“. Es sei unverantwortlich, dass die Bundesregierung keine Maßnahmen beschließe, um die Klimaziele noch einhalten zu können. Das Jahr 2020 werde für die weltweite Klimadebatte entscheidend sein, sagt Fiehl dann. Und „Fridays for Future“ würde weiterhin den Finger in die Wunde legen: „Wir werden alles dafür tun, dass 2020 die Wende geschieht.“

Und als die Demonstration dann Richtung Innenstadt loszieht und die ersten Rufe erschallen, kommt doch noch mehr Stimmung auf. „What do we want? Climate Justice“, rufen die jungen Leute. Und auf einmal wirkt es so, als reiche ihre Motivation noch für jede Menge Demonstrationen.

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