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Manchmal ist es gut, den Frust einfach einmal rauszuschreien.

Asuka Kähler von Fridays for Future im Interview

Nach schweren Vorwürfen gegen Polizei: „Solche Sachen verschrecken vor allem Jüngere“

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Asuka Kähler von den Fridays for Future spricht im Interview über die schweren Vorwürfe gegen die Polizei in Frankfurt und beklagt die übertriebene Gangart.

Herr Kähler, vor einer Woche gab es einen Polizeieinsatz gegen einen 15-Jährigen, der sich durch die Beamten eingeschüchtert fühlte. Was sagen Sie dazu?

Solche Vorfälle hat es in der Vergangenheit in weniger starker Form bereits gegeben. Das sind Zustände, die wir in dieser Form nicht tolerieren können und wollen. Es kann nicht sein, dass jugendliche Aktivistinnen und Aktivisten, die nichts Illegales tun und niemanden gefährden, mit solchen Repressalien zu rechnen haben, wenn sie auf unsere Demonstrationen kommen.

Ist die Polizei an diesem globalen Aktionstag generell etwas robuster aufgetreten?

Die Polizei war eigentlich sehr entspannt, entspannter als wir erwartet hatten. Aber es ist trotzdem zu diesem Vorfall mit dem 15-Jährigen gekommen. Das war etwas überraschend nach dem friedlichen Verlauf des Tages.

Frankfurt: Härtere Gangart der Polizei gegen Fridays for Future

Die Polizei sagt, dass sie keine Bedenken bei Ihren Demonstrationen habe und auch keine härtere Gangart fahre. Sie haben aber diesen Eindruck, oder?

Ja, definitiv. Am 1. November ist die Polizei schon Spalier um unsere Demo gelaufen, da war mehr oder weniger ein Polizist pro Demonstrantin oder Demonstrant unterwegs. Und es wurden bereits Leute aus unseren Demonstrationen rausgezogen, teils aufgrund von Lappalien, etwa weil jemand einen Schal gegen die Kälte über den Mund gezogen hatte und das dann als Vermummung gewertet wurde.

Was glauben Sie, warum Sie von der Polizei teilweise so angegangen werden?

Das ist schwierig zu sagen. Wenn sich solche Vorgänge in Zukunft häufen sollten, dann müssen wir eventuell davon ausgehen, dass es gezielte Versuche der Polizei gibt, unsere Bewegung zu kriminalisieren. Aus welcher Motivation auch immer.

Nach Vorwürfen gegen Polizei Frankfurt: Fridays for Future zu stark radikalisiert?

Sie treten zumindest in Frankfurt mittlerweile ziemlich offensiv links und antikapitalistisch auf. Könnte es sein, dass die Polizei einfach Sorge davor hat, dass Ihre Bewegung sich zu stark radikalisiert?

Das ist ein Vorwurf, mit dem wir schon seit längerem zu kämpfen haben. Wir würden uns zu sehr radikalisieren oder von anderen linken Gruppierungen unterwandern lassen. Ich teile diese Bedenken nicht. Klar, wir haben antikapitalistische Ansichten, aber das liegt daran, dass unser Thema, der Klimaschutz, untrennbar mit unserem Wirtschaftssystem zusammengehört. Ich halte die Bedenken, dass wir uns zu einer gefährlichen, extremen Bewegung verändern, für grundlos.

Haben Sie Sorge, dass junge Leute durch Vorfälle wie dem von letzter Woche davon abgehalten werden könnten, auf Ihre Demos zu kommen und sich an Ihren Protesten zu beteiligen?

Durchaus. Es wird vor allem jüngere Demonstrantinnen und Demonstranten und ihre Eltern verschrecken, dass solche Sachen passieren. Deshalb müssen wir auch auf solche Vorfälle aufmerksam machen. Aber davon dürfen wir uns auf keinen Fall unterkriegen lassen, und wir müssen klar machen, dass so etwas nicht passieren darf.

Frankfurt: Wie geht es für Fridays for Future weiter?

Wie machen Sie als Bewegung in Frankfurt weiter?

Für diesen Freitag ist eine offene Diskussionsrunde für alle Interessierten angesetzt, dort wird auch besprochen, wie wir in Zukunft weiter machen werden. Es ist auch schon eine Anti-Repressionsdemo in Planung. Wir machen definitiv weiter.

Interview: Hanning Voigts

Beim globalen Aktionstag der Fridays for Future haben Polizisten einen 15-Jährigen in Frankfurt kontrolliert. Der Jugendliche fühlt sich jetzt massiv eingeschüchtert.

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