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Klimastreik in Frankfurt zwei Tage vor der Bundestagswahl.
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Klimastreik in Frankfurt zwei Tage vor der Bundestagswahl.

Klimaproteste

Frankfurt: Fridays for Future mobilisieren Tausende fürs Klima

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer
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Der Klimastreik mobilisiert in Frankfurt mehr Menschen als zuvor. Kein Vertrauen in die Parteien – der Druck der Straße soll helfen.

Es ist eine große und machtvolle Demonstration, die sich am Freitag durch die Frankfurter Innenstadt schiebt – noch lauter und größer als der Klimastreik im August, und da war Frankfurt immerhin als zentraler Ort des Protests für die ganze Republik ausgerufen worden. Aber diese Demo zwei Tage vor der Bundestagswahl 2021 ist noch einmal stärker und nachdrücklicher, und das hat einen Grund: die Bundestagswahl eben.

Dass sie „die Klimawahl“ sei, wie vielfach apostrophiert, das weisen die Frankfurter „Fridays for Future“ allerdings vehement zurück. Immer wieder betonen sie, keine einzige Partei habe einen Plan, der geeignet sei, die Klimakatastrophe abzuwenden, zum ersten Mal gleich auf dem Opernplatz bei der Auftaktkundgebung.

Klima-Demo in Frankfurt: Tausende Teilnehmer

Dort ist die Menschenmenge schon am Freitagmittag überwältigend, es gibt kaum ein Durchkommen. Später werden die Fridays unter großem Jubel die Zahl von 19.000 Teilnehmenden in Frankfurt bekannt geben; die Polizei spricht von lediglich 5000.

Von weitem sieht man die große aufgeblasene Weltkugel von Greenpeace. Viele Umweltorganisationen sind da. Demonstrantin Hannah (24) hat ihr Plakat beidseitig beschriftet. Auf der einen Seite steht: „Eure Klimapolitik ist ein Witz – aber niemand lacht #außer Armin.“ Auf der anderen Seite: „#Klima vor Profit“ und „Ganz dünnes Eis“.

„So viele Leute, das ist megageil!“, sagt eine „Fridays“-Sprecherin durch die Lautsprecheranlage auf dem Demo-Lastwagen. Die Maskendisziplin auf dem Opernplatz ist vorbildlich, auch bei jenen, die als Banane oder Pelztier verkleidet erschienen sind.

Es gelte, den Systemwechsel zu erkämpfen, erklären die Sprecherinnen – das gehe nur auf der Straße. „Das Kreuz am Sonntag an der richtigen Stelle zu machen, ist nichts, womit wir uns zufrieden geben können.“ Immer noch ziele die Wirtschaft auf die Ausbeutung des globalen Südens. „Ein Linksrutsch der Solidarität ist das Beste, was uns passieren kann“, sagt die Rednerin. „Nur: Wer denkt, dass das mit Rot-Rot-Grün kommt, der liegt falsch.“ - „Aber wen soll ich denn dann wählen?“, fragt eine junge Frau im Pulk. „Es sind doch nicht alle gleich scheiße“, beruhigt ihre Freundin sie.

Fridays for Future: Greta Thunberg protestiert in Berlin

In Berlin ist Greta Thunberg dabei, die schwedische Gründerin der Bewegung. Dass sie nicht in Frankfurt ist, findet Demonstrantin Hannah nicht schlimm. „Es ist viel wichtiger, dass wir unsere Klimaforderungen vor der Bundestagswahl noch mal auf der Straße zeigen, Druck machen. Denn wir als junge Wähler sind leider in der Minderheit.“ Es sei wichtig, jetzt ein Zeichen zu setzen, damit die Wähler:innen „an die Folgen des Klimawandels für ihre Enkel und Urenkel denken“.

Eine 79-Jährige Frankfurterin sagt: „Ich bin für die Zukunft meiner drei Enkel hier.“ Eine junge Demonstrantin läuft an ihrem „Oma for Future – für meine Enkel“-Schild vorbei und sagt zu ihr: „Sie sind super.“ Überhaupt habe sie den Eindruck, dass immer mehr ältere Menschen die „Fridays“ für sich entdeckten.

„Was legal ist, ist nicht automatisch das Richtige“, sagt die Rednerin auf dem Lastwagen, „und das Richtige ist nicht automatisch legal.“ Auf Twitter sorgt das gleich für Diskussionen. „Genau. Wir verzichten einfach auf Recht und Gesetz. Sorry, so funktioniert das nicht. Da gerät etwas ganz schnell auf die schiefe Ebene“, kritisiert einer. Der nächste kontert mit FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, der damit prahlte, unter Missachtung „unsinniger Corona-Regeln“ in die Kneipe gegangen zu sein: „Wenn’s der Vizepräsident des Bundestages schon vormacht ...“

Frankfurt: Klima-Demonstration startet an Taunusanlage

Marie (36) aus Dreieich hält ein Schild hoch: „Machen ist wie wollen. Nur krasser.“ Sie arbeite grundsätzlich nicht mehr freitags, damit sie auf allen Demos der „Fridays“ dabei sein könne. „Weil ich nicht weiß, was ich sonst noch machen soll. Allein ein bisschen vegan essen und gar kein Auto mehr zu fahren, das reicht nicht. Da muss politisch was passieren.“

An der Kundgebung nimmt auch eine Delegation der linksgerichteten Zapatisten aus dem mexikanischen Chiapas teil. Sie macht klar: „Die ursprünglichen Völker werden am meisten unter der Klimakrise leiden.“ Schuld sei das kapitalistische System.

Kurz nach 13 Uhr setzt sich die Demo auf der Taunusanlage in Bewegung. „Brecht die Macht der Banken und Konzerne“, rufen die jungen Menschen an der Spitze, „Oh, rettet das Klima“ und immer wieder: dass man ihnen die Zukunft klaut. Sie werden ihre Stimmen aufs Äußerste strapazieren.

Der 18-jährige Timm aus Gießen darf zum ersten Mal wählen. „Ich wäre am liebsten nach Berlin zur Demo gefahren. Einfach weil dort die Bundespolitiker:innen vor Ort erleben, wie ernst es uns mit unseren Klimaforderungen ist.“ Eine 34 Jahre alte Biologin aus Eschersheim sagt: „Ich war hochschwanger fürs Klima demonstrieren. Jetzt ist meine Tochter schon zweieinhalb Jahre alt, und es ist effektiv nichts passiert. Das ist sehr frustrierend.“ Sie habe per Briefwahl die Grünen gewählt, aber das sei nicht genug. „Ich habe das Gefühl, wenn wir keinen Druck auf der Straße machen, passiert auch in den nächsten zehn Jahren nichts vonseiten der Parteien. Auch von den Grünen bin ich bislang sehr enttäuscht.“

Am Willy-Brandt-Platz und im Café am Schauspiel filmen die Leute die Demonstration und lächeln aufmunternd. Der Frankfurter Beschwerdechor singt an einer Ecke bestärkende Weisen. Der Mainkai ist autofrei bis auf die Polizei, die dem Zug vorausfährt.

Fridays for Future organisieren bundesweite Demonstrationen: „Ihr lasst uns keine Wahl“

„Ihr lasst uns keine Wahl“, steht auf einem Transparent über die ganze Breite der Alten Brücke. Bei der Zwischenkundgebung dort sagt ein „Fridays“-Sprecher: „Der nächste globale Klimastreik ist am 22. Oktober in Berlin. Wir fahren alle zu den Koalitionsverhandlungen und schieben mächtig Stress.“ Sie seien hier, spricht er für die Tausenden auf den Beinen, „weil wir jeden einzelnen Tag wütend und traurig sind – weil die Klimakatastrophe voranschreitet und die Politik nichts tut“.

Nichts werde sich bewegen, das ist die bedrückende Bilanz der Klimabewegung, „wenn wir nicht eine riesige Menge Duck machen“. Autofahrer merken derweil, wie wenig sich für sie bewegt, jedenfalls in der Frankfurter City, wenn die „Fridays“ Ernst machen. Nach wie vor eine ganz schlechte Idee, mit dem Kraftwagen auf die Berliner Straße zu fahren; an diesem Freitag eine besonders schlechte.

Am Ziel, auf dem Römerberg, erweist es sich als schlechte Idee der „Querdenken“-nahen Partei „Die Basis“, ihren Wahlkampfstand an diesem Tag an diesem Ort zu haben – und nicht weichen zu wollen. So blockiert eine Gruppe Demonstrierender den Stand, und die Polizei riegelt ihn zusätzlich ab. „Hier ist kein sicherer Ort für ,Querdenker‘ und Faschos“, ruft ein „Fridays“-Sprecher vom Lastwagen, und: „Ganz Frankfurt hasst Querdenken“, begleitet von Tausenden Stimmen. Am Römer ist auch ein Mann im Publikum, der oberhalb der Maske aussieht wie Daniel Cohn-Bendit. Vielleicht ist es Daniel Cohn-Bendit.

Während der Kundgebung zieht, weitgehend unbeachtet, ein Zeppelin mit dem Werbelogo ausgerechnet eines Reifenherstellers über den Römer. Es gibt noch viel zu tun. Die Aktivist:innen ziehen am Nachmittag weiter, Richtung Riederwald, um gegen den Autobahnbau zu protestieren. Am heutigen Samstagabend wollen sie noch einmal „ein lautes Zeichen setzen“. Zu überhören sind sie im Vorfeld dieser Bundestagswahl beileibe nicht. (Katrin Rosendorff und Thomas Stillbauer)

Kurz vor der Bundestagswahl nennt Klima-Aktivistin Luisa Neubauer im FR-Interview Details zu Armin Laschets „Zukunftsteam“, Klimaschutz in Wahlprogrammen und Ausreden nach der Wahl.

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