+
Ingolf Grabow kümmert sich um Nistmöglichkeiten für die Mauersegler in der Elisabethenschule.

Mauersegler

Vögel fliegen in die Schule: Frankfurt freut sich auf die Mauersegler

  • schließen

Die Mauersegler-Initiative tut was für den praktischen Biounterricht.

Bald ist die Frankfurter Vogelwelt wieder komplett, demnächst werden die Mauersegler aus den Winterquartieren im Süden zurück erwartet. Dann jagen die kleinen Flugkünstler über unsere Dächer, „Sriii“-Rufe jubilierend. Und dann brauchen sie natürlich wieder ihre Unterkünfte. Sonst kann das ja mit der Familienplanung nichts werden.

„Sehen Sie, ganz da oben!“ Ingolf Grabow zeigt unters Dach der Elisabethenschule. Oh ja, da sind überall Löcher im Holz, 20 an der Zahl. Durch jedes wird bald ein Mauerseglerpaar ein- und ausfliegen, Eier legen und die Küken versorgen. Ein Loch ist zu, das sieht man von unten. So geht’s nicht. Da muss Ingolf Grabow hinauf, den Weg frei machen.

Mit ihm steigt Robert Madl die fünf Stockwerke hoch, Biologielehrer am Elisabethengymnasium. Die Männer kennen sich von der Vogelschützervereinigung HGON. Madl, der selbst Vogelführungen leitet, war erfreut zu hören, dass an seiner eigenen Schule eine über Jahre bewährte Mauersegler-WG lebt. „Ein gefundenes Fressen für mich“, sagt er. Und meint es natürlich nur im übertragenen Sinn.

Da guckt er raus, der kleine Kerl.

Oben, unterm Dach, müssen sich alle erst mal zurechtfinden, die Menschen und demnächst die Mauersegler, denn die „Eli“ wird seit langem saniert, da verändert sich viel. Schon im vorigen Sommer bewiesen die flinken kleinen Vögel, wie gut sie erschwerte Bedingungen meistern: „Die sind um die Gerüststangen herumgeflogen, um in ihre alten Nester zu kommen.“ Aus Afrika über den Äquator, übers Meer, ohne Navi, Tag und Nacht unterwegs, an der Gerüststange vorbei, guten Tag, Herr Bauarbeiter – endlich daheim.

Drinnen unterm Dach: Erst mal Staub und Spinnweben wegwedeln. Hat ja seit August keine Mauerseglerfamilie mehr sauber gemacht, wie es ihre Art ist. Grabow, Gründer der erfolgreichen Frankfurter Mauersegler-Initiative, hat Tausende Nistmöglichkeiten für die Flieger in Frankfurt und Umgebung geschaffen; auf diese hier ist er besonders stolz. „Das ist das beste Objekt, das ich je gemacht habe“, sagt er. Damals, 2006, schuftete er 20 Stunden, um die 20 Löcher in die Dachtraufe zu bohren und drinnen kleine Verschläge mit abnehmbaren Deckplatten zu zimmern. Zum Schluss drückte er mit einer Vase Kuhlen in den Boden für die Nester. Es ist immer wieder rührend, sich das alles vorzustellen.

Da sind sie alle schön brav versammelt.

An elf Frankfurter Schulen hat die Initiative seit 2005 insgesamt 188 Nistmöglichkeiten für Mauersegler geschaffen. Diese Nester seien besonders wichtig, sagt Grabow, weil sie Kinder und Jugendliche mit der Tierwelt in Kontakt brächten: „Das ist praktischer Biounterricht.“ Lehrer Madl sieht es ebenso. Er ist der erste Pädagoge, der sich so aktiv am Projekt beteiligt, er will die Nester mit den fünften und sechsten Klassen thematisieren, sobald die Vögel da sind. Vielleicht Kameras installieren und die Bilder für alle ins Internet übertragen.

Grabow hofft derweil, dass weitere Schulen sich anschließen, denn es kann gar nicht genug neuen Wohnraum für die tapferen Luftikusse geben. Viele ihrer Unterkünfte werden durch unachtsame Sanierungen illegal zerstört.

Taschenlampe an - aha: Da ist das verschlossene Einflugloch, das man von unten sah. Aber nicht mehr lang. Grabow hat das Werkzeug schon in der Hand. Herzlich willkommen zurück, ihr Segler!

Mauersegler

Kleiner Vogel – große Leistung: Zweimal im Jahr sausen die Mauersegler Tausende Kilometer, teilweise bis nach Mosambik und zurück. Sie schlafen im Flug. Hier bei uns legen sie ihre Eier. Nicht verwechseln mit Schwalben. Mauersegler rufen „Sriiiii“.

In Frankfurt sind ihre besten Freunde die Mauersegler-Initiative (zu finden über www.nabu-frankfurt.de) und die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler mit der weltweit einzigartigen Mauerseglerklinik: www.mauersegler.com (ill)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare