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Junge Besucherin im Senckenberg-Museum: Es soll auch dort freien Eintritt bis 18 Jahre geben.

Kulturticket für Zoo und Museen

Freier Eintritt in Frankfurter Museen lässt auf sich warten

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Wann Kinder und Jugendliche kostenlos Freizeiteinrichtungen besuchen können, ist offen. Die CDU fordert einen Einkommensnachweis der Eltern.

Es war der „Geist von Bad Nauheim“, der Frankfurts Römer-Koalition kurz vor Weihnachten 2018 beflügelte. In der kleinen Kurstadt beschlossen CDU, SPD und Grüne damals in Klausur unter anderem den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren in städtischen und nichtstädtischen Museen sowie dem Zoo. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) feierte dieses „Kultur- und Freizeit-Ticket“ als „ganz wesentlichen Schritt zur kulturellen Teilhabe“.

Seitdem war von dem Projekt nichts mehr zu hören. Vier Monate später kündigt Daniel Grebe, der Referent der Kulturdezernentin, eine praktische Umsetzung für die Zeit „frühestens nach den Sommerferien“ an. Also nach dem 9. August.

Praktisch alle wichtigen Fragen sind nach wie vor ungeklärt. Zum Beispiel, welche Museen überhaupt in den freien Eintritt einbezogen werden. Oder welcher Einnahmeausfall dadurch in der Stadtkasse entsteht. Hier gebe es, so Grebe, lediglich „erste grobe Schätzungen“.

In einem Vortrag vom 25. Januar 2019 hatte der Magistrat angekündigt, eine Million Euro zusätzlich für das Kulturdezernat zu mobilisieren, um den Verlust durch den freien Zugang auszugleichen.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Freier Eintritt sollte für alle Kinder gelten

Fachleute bezweifeln, dass diese Summe ausreichen wird. Allein das Senckenberg-Museum wird jährlich von 300 000 Kindern und Jugendlichen besucht. Kinder und Jugendliche von sechs bis 15 Jahren zahlen fünf Euro, Jugendliche ab 16 Jahren zehn Euro. Für das Deutsche Filmmuseum hatte schon die frühere Direktorin Claudia Dillmann den Einnahmeausfall auf 120 000 Euro im Jahr beziffert.

Die CDU hatte bei der Klausur in Bad Nauheim darauf bestanden, dass der freie Eintritt doch nicht völlig frei werden soll. Deshalb wurde in den Beschluss in letzter Minute eine Einschränkung aufgenommen: Der Zugang zu Museen und Zoo ist für Kinder und Jugendliche nicht frei, „wenn deren Eltern über ein monatliches Netto-Familien-Einkommen verfügen, das 4500 Euro im Monat überschreitet“.

Seither suchen die Fachleute des Kulturamtes und des Kulturdezernates händeringend nach einem „Prüfverfahren für die Einkommensgrenze“, so Referent Grebe. Wie es aussehen wird, ist noch unklar: Wie können die Eltern gegenüber der Stadt ihr Einkommen nachweisen? Bei welcher städtischen Stelle könnte das „Kultur- und Freizeit-Ticket“ ausgegeben werden? Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, erwartet, dass eine Kontrolle der Einkommensgrenze scheitert: „Im Zweifelsfall wird das niemand überprüfen können.“

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